Test von Mr Creosote (veröffentlicht 06.11.2005, geändert 15.09.2006):
Ende 1992 kämpften zwei Handelssimulationen um den deutschen Markt: Der Patrizier und 1869. Letzteres kam leicht später heraus und es wurde in der Fachpresse allgemein als Verlierer dieses direkten Duells angesehen. Denkbar knapp allerdings, also ein guter zweiter Platz.Kurze Zeit später fand das Spiel seinen Weg in mein Zuhause. Es benötigte 1MB RAM, womit mein Amiga zu der Zeit noch nicht ausgestattet war, aber schon ein paar Tage später konnte ich mich dann daran versuchen, in der Zeit des Imperialismus mein Glück zu machen. Also die ersten Schritte: ein gebrauchtes Schiff kaufen, eine Crew anheuern, ein paar billige Waren kaufen, einen anderen Hafen der Welt anlaufen und dort die Ladung mit möglichst großem Profit wieder abstoßen. Klingt einfach. Eine halbe Stunde später war ich allerdings pleite und das Spiel war vorbei.
Ok, er war da noch ein ganzes Stück jünger und es war der erste Versuch, was? Das Problem ist nur, dass es jedesmal so lief, inklusive direkt vorm Schreiben dieses Tests. Das Spiel ist einfach zu schwierig. Unmöglich.
Dabei folgt grundsätzlich alles bekannten Bahnen: Jeder Hafen hat billige Überschusswaren und eine Liste derjenigen, für die stolze Preise im Einkauf gezahlt werden. Alles andere kann dort auch losgeschlagen werden, aber dann natürlich für wenig Geld. Nur sind leider die Gewinnspannen grundsätzlich so niedrig, dass sie kaum zur Deckung der laufenden Kosten (Heuer für die Crew, Reparaturen am Schiff) reichen.
Besondere "Missionen" sollen da weiterhelfen. London braucht dringend Teenachschub? Auf nach China oder Indien und hoffentlich schafft man den Rückweg, bevor die Ladung verdirbt. Odessa wird belagert? Waffen werden dort mit Gold aufgewogen. Oder aber, das eigene Schiff wird durch die Seeblockade der gegnerischen Mächte aufgehalten...
Normale Handelsrouten sind somit nicht profitabel genug, und spezielle sind zu riskant oder dauern einfach viel zu lange. Die Erfolgschancen sind entsprechend klein (unendliche Untertreibung).
All das ist besonders traurig, weil das Spiel durchaus seine positiven Aspekte hat. Die Grafik ist sehr gut. Alle "Orte" in den Häfen werden im Adventurestil gezeigt, begleitet von passenden Multiple-Choice-Menüs. Eine originelle Idee.
Das gilt allerdings im Gegenzug nicht für die übrige Handhabung. Auf der Weltkarte, von wo aus die Schiffe kontrolliert und Häfen betreten werden, sind die erforderlichen Klickprozeduren völlig unintuitiv. Rechtsklick auf das Schiff, Linksklick auf den Hafen.... was auch immer?
Gerade weil das Wirtschaftssystem ziemlich unmöglich zu meistern ist, ist es um so schlimmer, dass 1869 sich vollkommen auf es konzentriert. Es keinerlei andere Nebenbeschäftigung für den Spieler, wie der politische Zweig in Der Patrizier oder Die Fugger 2. So ist der Spieler dazu verdammt, immer wieder am Handeln zu scheitern, ohne Ablenkung interessanterer Art.
Frage: Was hat die professionellen Tester dazu gebracht, das Spiel 1992 so gut zu bewerten? Status: Ungeklärt.
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