The Good Old Days

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Wild Cup Soccer

Teque / Millenium 1994
Genre: Sport, Action
Sprache: English
Lizenz: Kommerziell
System: Amiga
Wertung: ?
Mr Creosote:
2/6
Gesamt:
2/6

Test von Mr Creosote (veröffentlicht 15.08.2002, geändert 15.09.2006):
Für uns Europäer ist American Football sowieso nur ein großes Schlachtfest. Wenn wir also Brutal Sports Football spielen, merken wir kaum einen Unterschied zu dem, was in der sogenannten NFL geboten wird. Wen kümmert es schon, wenn zusätzlich noch ein bisschen mit Waffen rumgefuchtelt wird? Machen diese Anzüge nicht sowieso schon aus den Spielern lebende Waffen (dramatische Pause...)?

Wenn das selbe allerdings mit unserem geliebten Fußball (den die ignoranten "Amerikaner" ja "Soccer" nennen) gemacht wird, ist es natürlich ganz was anderes! Gegnerische Spieler umbringen? Ihre Köpfe mit Gewehren abschießen? Und das schlimmste Sakrileg: kein Abseits??? Wie konnten sie nur!?

Objektiv gesehen ist Wild Cup Soccer dem Fußball in etwa so ähnlich wie Brutal Sports Football dem Football. Was logisch ist, da es sich hierbei im einen offiziellen Nachfolger des Sportspiel-Klassikers handelt.

Das Spiel spielt sich sehr ähnlich: das eigene Team muss mehr Tore machen als der Gegner und / oder so viele seiner Spieler wie möglich umbringen. Der Ball kann nicht in den Händen getragen werden? Was spielt das für eine Rolle, wenn er sowieso am Fuß des aktiven Spielers "klebt"? Keine.
Wenn man mehr ins Detail geht, findet man allerdings dann doch einige Veränderungen. Die "Brutal Sports" - Reihe nahm eine ähnliche Entwicklung wie ihr großes Vorbild, die Speedball-Reihe: Dieser zweite Teil hat einen Transfermarkt und mehr Individualität bezüglich der Teams und Spieler. Statt den gesichtslosen Androiden aus BSF bestehen die acht Mannschaften (organisiert in zwei Ligen) in WCS aus verschiedenen "Rassen". Diese könnte man am ehesten als humanoide Tiere bezeichnen, also z.B. Nashörner, Affen oder Echsen auf zwei Beinen. Durch das Wunder des Transfermarktes mischen diese Mannschaften sich zum Glück schnell, so dass man interessante Kombinationen beobachten kann. Das Beste: Man kann alle Spieler einzeln erkennen auf dem Spielfeld! Ein Affe ist auch natürlich nicht zwangsläufig genauso begabt wie die anderen, es gibt immer Genies und Waschlappen - ganz wie in echt.

Soweit, so positiv. All das ist sogar besser als bei Speedball 2 - schnell lernt man seine kleinen Stars lieben! Mehrere Nachteile machen WCS insgesamt allerdings zu einem schlechteren Spiel als sein Vorgänger.
Zuerst wäre da die Grafik zu nennen. Die Farben sind sehr schön, aber diese isometrische Perspektive ist einfach nur verwirrend! Für Spieler aktueller Sportspiele, die an wirre "Kameraschwenks" gewöhnt sind, mag das kein Problem sein, aber ich kann mich daran einfach nicht gewöhnen! Es ist auf diese Weise einfach beinahe unmöglich, einen genauen Pass zu spielen oder Entfernungen "nach Augenmaß" zu schätzen.
Zweitens die Waffen. Statt diese wie in BSF direkt vom Spielfeld aufzusammeln, und nach dem Spiel wieder zu verlieren, muss man sie in WCS für die einzelnen Spieler kaufen. Auf den ersten Blick hört sich das ganz gut an. Doch da die Waffenpreise extrem niedrig sind, hat man die eigene Mannschaft nach nur ein paar Spielen komplett ausgestattet! Und dann rennen auch wirklich alle mit Schwertern, Gewehren oder Schilden herum. Das nimmt den Waffen das Besondere.
Der größte Nachteil ist allerdings der Schwierigkeitsgrad. Ich habe fast nie ein Spiel in WCS verloren! Selbst als ich es zum allerersten Mal ausprobiert habe, habe ich gewonnen. Nur 1:0, aber gewonnen ist gewonnen. In all den hunderten von Spielen, die ich seitdem gespielt habe, konnte eine gegnerische Mannschaft nur ein einziges Mal ein Tor gegen mich erzielen! Und das einzige Mal, das ich ein Spiel verloren habe, war, als alle meine Spieler erschossen wurden (hier spielt ein Bedienungsdetail eine zweifelhafte Rolle: die eigenen Spieler orientieren sich immer zum Ball, auch wenn man direkt in die Gegenrichtung steuert; in diesem Fall lag der Ball herrenlos herum, wurde vom Gegner aber regelrecht mit Granaten bombadiert - und meine Spieler sind schon einer nach dem anderen in diese "Falle" gelaufen). Viel zu einfach!
Erwähnenswert sind noch ein paar Bugs. Zum Beispiel wird ein Team, dass nicht mal mehr genug lebendige Spieler hat, um ein Spiel überhaupt anzufangen, automatisch zum Sieger des selbigen erklärt. Wie bitte? Und einmal, als ich noch genau einen gegnerischen Spieler umbringen musste, um zu gewinnen, und dieser dann den ersten meiner Spieler tötete, war er plötzlich Gewinner, da er mein Team ausgelöscht hat. Ähm... ja, genau. All das ist natürlich nervig, doch ich würde nicht so weit gehen, das Spiel dafür abzuwerten, denn so schlimm ist es auch wieder nicht.

Ein bisschen hin und her auf dem Transfermarkt und ein paar schnelle Matches - das ist wirklich spaßig bei Wild Cup Soccer. Leider ist es auf Dauer allerdings keine größere Herausforderung.


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