The Good Old Days

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East vs West: Berlin 1948

Rainbow Arts 1989
Genre: Adventure
Sprache: Deutsch, English
Lizenz: Kommerziell
System: Amiga
Wertung: ?
Mr Creosote:
3/6
Gesamt:
3/6

Test von Mr Creosote (veröffentlicht 08.12.2002, geändert 15.09.2006):
Der Anfang des Kalten Krieges. Die UdSSR blockieren Landtransporte in den Westteil Berlins. Als Reaktion wird die Luftbrücke eingerichtet, um die Stadt weiter zu versorgen. Doch West-Berlin ist nur wie eine kleine Insel, sollte es zum Krieg kommen, würde es sofort von der Roten Armee überrannt!

Die Spielstory erzählt weiterhin, dass die Armee der USA aus diesem Grund eine Atombombe nach Westberlin geschmuggelt haben. Diese Bombe verschwindet. Natürlich kann in einem solchen Fall nicht offiziell ermittelt werden, also schlägt die Stunde der Geheimdienste, damit die tödliche Waffe nicht in falsche Hände fällt.

Man spielt den Agenten Sam Porter und fast die gesamte Aufgabe bleibt an einem allein hängen. Man bewegt sich frei durch alle Zonen Berlins, entweder zu Fuß (gut für Kurzstrecken) oder per Taxi (wenn die Länge der Strecke die Wartezeit rechtfertigt). Die gesamte Stadt ist simuliert, man kann theoretisch ohne Unterbrechung von einem Ende zum anderen gehen - zumindest auf den Hauptstraßen.

Man trifft viele Einwohner, von denen die meisten natürlich nichts mit der Geschichte zu tun haben und auch nichts darüber sagen können. Der schwierige Teil ist es herauszufinden, wer tatsächlich etwas hilfreiches zu sagen hat, selbst wenn er/sie sich dessen selbst nicht bwewusst ist. Klassische Detektivarbeit.
Einige Leute müssen erst überzeugt werden zu reden, andere müssen getäuscht werden, damit sie ihren Mund öffnen, manche werden lügen - trotzdem alles zu einem stimmigen und wahren Gesamtbild zusammenzusetzen ist die interessante Aufgabe.
Der nicht so interessante Teil ist es, überhaupt erstmal einen Ansatzpunkt zu finden. Klar, es ist wohl realistisch, dass die wichtigen Leute nicht aufgereit auf einem Fleck stehen, aber den Spieler so im Regen stehen zu lassen? Zuviel Freiheit am Anfang für meinen Geschmack.

Was allerdings an East vs West wirklich bemerkenswert ist, sind die technischen Details der Umsetzung. Der Amiga hat zwar einen Sprachsynthesizer, aber was bringt die schnarrende Stimme schon für Spiele? Aufgenommene Sprache verbrauchte für Diskettenspiele zu viel Speicherplatz.
Das Intro ist aber nun im Wochenschaustil. Stumm? Natrürlich nicht! Neben den Disketten lag in der Verpackung auch eine Audiokassette, die den akustischen Teil des Intros und auch noch entsprechende Untermalung für eine längere Zwischensequenz in der Mitte des Spiels enthält. Das Spiel teilt dem Spieler beiläufig mit, wann er die Kassette anzustellen hat. Wirklich einfallreiche Lösung für ein weitverbreitetes Problem dieser Zeit!
Der zweite Unterschied zu den meisten Adventures ist die Grafik. Man sieht die Schauplätze von oben. Fans neuerer Spiele werden das vom bekannteren Spiel Dream Web kennen.
Da alles im Spiel sich um Unterhaltungen dreht, ist die Handhabung natürlich auch nicht dem Standard entsprechend. Statt Verben zur Benutzung eines Inventars spielen sich die Konversationen wie Rätsel! Man muss das Gesprächsthema festlegen sowie die Art des Herangehens (fragend, feststellend, drohend,...) und noch ein bisschen mehr, alles sehr detailliert. Zuerst mag einem das alles etwas kompliziert und verwirrend erscheinen, aber wenn man sich an das System gewöhnt hat, funktioniert es ganz effizient.

Für Fans von Detektivadventures ist East vs West sicherlich keine schlechte Wahl. Ihm fehlt allerdings der Designschliff wirklich guter Spiele. Trotzdem ist es beinahe ein Muss wegen seines historischen Werts. Technische Beschränkungen haben Spieledesigner damals nicht aufgehalten, ihr Spiel so zu gestalten, wie sie es haben wollten - sie haben sich einfach unkonventionelle Lösungen ausgedacht, denn sie waren anscheinend noch fähig, kreativ zu denken...

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