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Das Atari VCS war die erste wirklich weit verbreitete Spielkonsole mit austauschbaren Medien - d.h., es war nicht nur ein Spiel fest eingebaut, sondern man konnte einfach ein Modul käuflich erwerben, und es spielen. Das mag heutzutage nicht mehr sonderlich eindrucksvoll klingen, aber in den späten 70ern war dies noch weitgehend unbekannt. Es war das VCS, dass diesen Markt praktisch erst aufbaute, und somit endlich normalen Menschen die Möglichkeit gab, vieler der Spielhallenhits zu Hause zu genießen (und das langfristig auch noch zu einem deutlich günstigeren Preis).

Dabei hatte das System hardwaretechnisch eigentlich nichts Besonderes zu bieten - selbst, als es neu war. Erwähnenswert sind einzig die Eingabegeräte. Abgesehen von den berühmten Joysticks gab es Trackballs, einen Zahlenblock und natürlich die "Paddles". Gerade erst jetzt gibt es erst wieder Innovationen in diesem Bereich - Atari wusste bereits damals, dass eine andere Steuermethode auch ein ganz anderes Spielerlebnis bedeuten kann. Interessanterweise ist der Anschluss der VCS-Eingabegeräte der selbe neunpolige, der auch bei vielen späteren Systemen (wie dem C64, dem Amiga und dem Mega Drive) verwendet wurde. Am VCS mit einem Sechs-Button-Gamepad spielen? Kein Problem! Allerdings sollte man nicht erwarten, dass die meisten Buttons irgendwas bewirken.

Anfang der 80er schien das System marketingtechnisch unschlagbar. Entsprechend wurde es von Atari gemolken. Ein erster Schatten warf sich auf den Erfolg, als Atari das Nachfolgegerät, der Atari 5200, veröffentlichte. Kaum jemand wollte diese verbesserte Version, und stattdessen wurde weiterhin der 2600 (wie das VCS mittlerweile genannt wurde) gekauft. Softwaretechnisch war völlige Verblendung eingetreten, und schreckliche Spiele wie das berüchtigte E.T. wurden millionenfach produziert. Der große Hype war plötzlich vorbei, und unverkaufte Module wurden massenhaft in einer Deponie verbuddelt.

Der 2600 lebte trotz Allem weiter, obwohl er technologisch bereits mehrfach von der Konkurrenz überrundet worden war. Die Konsole wurde (in unterschiedlichen Versionen) bis in die frühen 90er (!) produziert, und auch wenn die Versorgung mit neuen Spielen langsam dünner wurde, wurden immer noch einige erfolgreiche Hits anderer Systeme umgesetzt. Betrachtet man die die Spiele des 2600 aus den späten 80ern genauer, sind sie allerdings eher als trauriges Zeugnis dafür zu sehen, dass dieses System seine "natürliche" Lebenszeit deutlich überschritten hatte: Während Benutzer anderer Systeme bereits komplexe Spiele mit haufenweise Pixeln und Farben genossen, war der 2600 immer noch (komplexitätstechnisch) gefangen in der Zeit von Frogger und deutlich abgespeckten Umsetzungen mit Blockgrafik im Stil der 70er.

Bei den Tests der Spiele für dieses System ist immer zu bedenken, dass dies eine völlig andere Zeit war. Sich jedes Mal über die Grafik oder das simple Spielkonzept zu beschweren. Actionbetonte Spiele, die nur aus einem einzigen Bildschirm bestehen, waren damals die Regel. Die Wertungen sind somit auch mit einer geringeren Erwartungshaltung bezüglich Langzeitspaß und Abwechslung zu verstehen.

Das soll nun wiederum nicht heißen, dass die Spiele keinen Blick wert wären. Für den 2600 gibt es einige Perlen, die auch heutzutage noch Spaß machen, und jede Menge Spiele, die einem zumindest eine Mittagspause versüßen können. Ob man also nun nur alte Erinnerungen auffrischen, oder sich über die Geschichte der Videospiele weiterbilden will - unterschätzt das Suchtpotential niemals.

Mr Creosote