Legend of Kyrandia 3 - Malcolm's Revenge
Westwood Studios 1994Genre: Adventure
Sprache: English, Français, Deutsch
Lizenz: Kommerziell
System: PC
Test von Mr Creosote (veröffentlicht 28.06.2008):
Der dritte Teil von Westwoods beliebter Adventureserie setzt prinzipiell dort an, wo der erste Teil endete: Brandon hat den bösen Hofnarre Malcolm besiegt, und ihn in Stein verwandelt. Der Held wurde König, und alles war gut (na ja, abgesehen davon, dass König und Königin... tot sind). Nun befreit ein Blitz Malcolm aus seinem Gefängnis, und es ist an der Zeit "seine Seite der Geschichte zu hören", wie das Intro erzählt.Bevor man dann allerdings tatsächlich seine Version zu hören bekommt, muss man das Spiel ziemlich bis zu Ende spielen, denn abgesehen von recht haltlosen und unbegründeten Behauptungen ab und zu, dass er das Königspaar nicht umgebracht habe, tut Malcolm nicht viel, seinen Namen reinzuwaschen. Stattdessen nimmt der Spieler seine Geschicke bei einer Jagd rund um die Welt (inklusive metaphysischer Ebenen) in die Hand, die eher von unmittelbaren Notwendigkeiten ("Ich muss einen Weg von dieser Insel weg finden"), als von einem Fernziel ("Ich muss meine Unschuld beweisen") bestimmt zu sein scheint. Auf der Reise wird Malcolm von seinem "schlechten Gewissen" (passt eigentlich nicht so gut, der Ausdruck...) Gunther, dessen Kopf immer mal wieder auftaucht, um ihm "schlechte" Ratschläge zu geben, begleitet. Wie sich herausstellt, wurde Malcolms "gutes Gewissen" vor Jahren KO geschlagen und unter einem Stein vergraben.
Abgesehen vom Perspektivwechsel hat sich in Malcolm's Revenge im Vergleich zu den Vorgängern nicht viel getan. Die Ein-Klick-Bedienung und die Verwaltung des (beschränkten) Inventars sind immer noch die selben. Eine kleine Neuerung stellt immerhin ein Hebel dar, der Malcolms Verhalten gegenüber seinen Mitmenschen (von nett bis hin zum Lügen) kontrolliert.
Was sofort positiv auffällt ist die große Menge verzweigter Handlungen, die man gleich am Anfangsort (Kyrandia) vornehmen kann. Die Rätsel stapeln sich praktisch, und es wirkt alles nichtlinear. Das liegt daran, dass es mehrere Wege gibt, diese erste Episode zu beenden, also Kyrandia zu verlassen. Das hält die Motivation, weiter zu erkunden, nachdem man eigentlich schon eine Lösung gefunden hat, natürlich hoch.
Danach wird es zwar linearer, aber der Anfang hinterlässt diesbezüglich trotzdem einen guten Eindruck. Andererseits lässt die Qualität der Rätsel selber einiges zu wünschen übrig. Verquere, unlogische und vollkommen unmotivierte Aktionen werden vom Spieler verlangt, die einen doch sehr daran zweifeln lassen, dass man auf so etwas in der jeweiligen Situation je hätte kommen können. Ergänzt wird dies durch Rätsel, die keine sind (z.B. das Öffnen zahlloser Schlösser mit immer dem selben Objekt), und ermüdende, primitive Aktivitäten bar jeder Abwechslung (z.B. sich mit einer Machete durch einen geradezu krankhaft nachwachsenden Dschungel zu hacken - in einem Labyrinth).
Positiv zu vermerken ist, dass man nicht sterben kann. Sollte es zu einer Todesszene kommen, kann man die letzte Aktion, die dies ausgelöst hat, direkt widerrufen. Experimente (die aufgrund der Art der Rätsel mehr als notwendig sind) werden also niemals tödlich bestraft. Eine andere Eigenart der Spielengine macht es jedoch wieder nervig: Das beschränkte Inventar zwingt einen, immer wieder lange Wege hinter sich zu bringen, um irgendwelche Gegenstände, die man irgendwo hat liegenlassen, zu beschaffen, der Cursor, der nicht auf Gegenstände auf dem Bildschirm reagiert, zwingt einen, wild auf dem Hintergrund herumzuklicken, um ihn zu durchsuchen, und oft muss man gewisse Bildschirme immer und immer wieder neu betreten, bis sich das Spiel mal erbarmt, per Zufallsgenerator die Objekte, nach denen man gerade sucht, dort erscheinen zu lassen (für diejenigen, die die Müllkippe am Anfang des Spiels schon hassten - es kommt später noch eine).
Die audiovisuelle Präsentation ist, wie erwartet, sehr professionell. Die Dialoge sind selbstverständlich ausnahmslos vertont, und das mit passenden Stimmen. Alles sieht sehr farbenfroh aus. Ich persönlich halte nicht allzu viel von dem Render-Look, der anstatt der handgezeichneten Hintergründe der Vorgängerspiele zum Einsatz kommt, doch das ist ein rein subjektiver Eindruck. In manchen Fällen scheinen die Produzenten jedoch zu sehr in ihre eigenen gerenderten Animationen verliebt gewesen zu sein, was sich in immer Wiederkehrenden, die man einfach nicht abbrechen kann, äußert.
Schade, dass das Spieldesign derartiger Schund ist. Zur Abwechslung mal den "Bösewicht" zu spielen, ist erfrischend, und dass das Spiel sich über seine eigene clichéhafte Handlung lustig macht, ist ebenfalls gut. Malcolm's Revenge ist ein Spiel, dass man eigentlich wirklich mögen möchte, aber das Gameplay (da man es nicht oft genug erwähnen kann: nervtötend) macht einem das sehr, sehr schwer. Schade.
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