Fragen & Antworten: Amiga

Geschichte

Die Firma, die den Amiga ursprünglich entwickelte, wurde bereits vor der Veröffentlichung der ersten Maschinen von Commodore (dem Hersteller des berühmten C64) aufgekauft. So wurde er zum "Commodore Amiga".

Als er in den 80ern veröffentlicht wurde, war er revolutionär - eine hochklassige Maschine. Doch Commodore zielte zusätzlich auch auf den Massenmarkt, besonders mit dem A500 und A1200. Was weniger Leuten heutzutage bewusst ist ist, dass es auch immer Topmaschinen in der Reihe gab, die auf den professionellen Anwendermarkt abzielten. Der A2000 und später der A3000 und A4000 wären da zu nennen.

Der Hauptkonkurrent zur Blütezeit des Amigas war der Atari ST. Verglichen mit dem Atari war der Amiga bei der Grafik klar überlegen (mehr Farben, mehr Modi), beim Sound allerdings klarer Verlierer (der Atari hatte standardmäßig einen MIDI-Port). Aus diesem "Krieg" ging der Amiga noch Anfang der 90er als "Sieger" hervor.

Zur selben Zeit etablierte sich allerdings der PC als Spielemaschine, und im professionellen Bereich hatte sich der Amiga nie durchsetzen können (mit Ausnahme der Film- und Fernsehindustrie). Commodore hatte einfach zu viele Jahre keine entscheidend neue Hardware veröffentlicht, die Amigas fielen also immer mehr zurück. Als dann endlich die "neue Amigageneration" veröffentlicht wurde (A1200 und A4000), war es in drei Beziehungen zu spät:


Die Rechte an Amiga wechselten daraufhin viel zu oft die Hände. Keine der Firmen machte einen richtigen Versuch, den Amiga wieder ins Rampenlicht zu rücken. Und das war's? Wirklich? Als Massenmaschine, ja. Es gibt allerdings immer noch einen kommerziellen Markt und eine Fanbasis, selbst heute! Man kann immer noch "neue" Hardware kaufen, neue Software wird immer noch hergestellt. Vieles basiert wohl auf Idealismus, klar, aber wenn nicht zumindest ein paar Leute diesen Kram kaufen würden, würde es auch nicht angeboten und produziert - denn dann könnte ja niemand davon leben.

Insgesamt ist der Amiga sicherlich der Computer der 16-Bit-Ära (obwohl diese Bezeichnung technisch gesehen noch nicht mal auf ihn zutrifft), der bis heute überlebt hat und sich zum "kompletten" Computer gemausert hat: Fast alle Arten moderner Hardware von CD-ROMs, großen Festplatten, Internetzugängen aller Art, Netzwerken, Grafik- und Soundkarten usw. sind verfügbar.

Technische Daten

Ich werde jetzt nicht alle einzelnen technischen Daten aller Modelle, die jemals verkauft wurden in all den Jahre, auflisten (dafür gibt es sicher bessere Seiten), sondern ich werde versuchen, ein paar grundlegende Sachen über die verschiedenen "Generationen" von Amigas zu vermitteln. Diese Information könnte sowohl für Besucher, die an Emulation interessiert sind, als auch als für welche, die überlegen, einen gebrauchten Amiga zu kaufen, interessant sein (ebay ist - zumindest in Europa - eine gute Quelle).

OCS Amigas: Der Name ist eine Abkürzung für "Original ChipSet". Jeder Amiga, anders als beim PC, hat einen Satz spezialisierter Chips, hauptsächlich für Grafik gedacht, die dem Hauptprozessor Arbeit abnehmen (ähnlich wie bei heutigen 3D-Beschleunigern, aber nicht so eindimensional in der Anwendung). OCS stattet den Benutzer mit Standardauflösungen wie 320x200 (32 Farben), 320x400 (32 Farben), 640x200 (16 Farben), 640x400 (16 Farben), 640x512 (16 Farben) bei einer Farbpalette von 4096 (bevor ihr das als wenig abqualifiziert, bedenkt, dass das 1985 war!). Die bekannteste Maschine mit diesem Chipsatz war der A500, der sozusagen der "Standardamiga" wurde. Andere Modelle mit diesen Chips sind der A1000 (der erste Amiga), die ersten A2000er und das CDTV, eine revolutionärer CD-basierter Computer, der fatalerweise völlig falsch als neue Generation von Videoabspielgerät vermarktet wurde, um VHS zu ersetzen, anstatt auf den normalen Computermarkt abzuzielen. Die meisten Amigaspiele wurden für OCS gemacht (wegen der Dominanz des A500). Wenn nichts anderes angegeben ist, laufen die Spiele von dieser Seite mit OCS.

ECS Amigas: Dies ist der "Enhanced ChipSet" (1989 veröffentlicht). Zuerst wurde er für den A3000 benutzt, später auch für den kurzlebigen A500+ und den A600 (und die späteren Versionen des A2000). Die Änderungen für normale Benutzer sind eher marginal. ECS ist natürlich kompatibel zu OCS, so dass alle älteren Amigaspiele laufen (bitte nicht wörtlich nehmen - es gibt da ein paar andere Probleme, die in seltenen Fällen zuschlagen).

AGA Amigas: Ursprünglich war dieser Chipsatz "AA" (Advanced Amiga) genannt, wurde aber ziemlich schnell in "AGA" (Advanced Graphics Architecture) umbenannt. Das erwähne ich nur, um Missverständnisse (besonders mit Leuten aus den USA) zu vermeiden, die manchmal von "AA-Amigas" sprechen. Die AGA-Chips waren ein wirklicher Qualitätssprung (unter Beibehaltung der Kompatibilität): Es können Auflösungen bis zu 1280x512 (inklsuive bekannter wie 800x600) mit 256000 Farben gleichzeitig, aus einer Palette von 16,8 Millionen, dargestellt werden. Computer mit diesem Chipsatz sind der A4000, der A1200 und die CD32-Konsole (der nächste Versuch nach dem CDTV-Desaster - und diesmal wurde die Hardware sogar gekauft; der Mangel an Software tötete den kurzen Rausch). Viele AGA-Spiele sind nur OCS-Spiele mit verbesserter Grafik, in solchen Fällen sollte man dann darauf achten, die richtige der beiden Versionen für die eigene Maschine zu bekommen (bei Emulation kann man beides benutzen - siehe nmächsten Punkt). Alle späteren Spiele (ungefähr ab 1995) sind für AGA und laufen deshalb nicht auf älteren Amigas! Wir versuchen es möglichst immer zu erwähnen, wenn ein Spiel AGA benütigt.

Technische Einführung

Diese FAQ ist nur dazu gedacht, die absoluten Grundlagen zu vermitteln, nicht jedoch die genaue Bedienung bestimmter Emulatoren zu vermitteln.

Drei Dinge werden benötigt, um ein Amigaprogramm auf dem PC zum Laufen zu bringen:

1. Ein Emulator

Jeder hat seine spezifischen Stärken und Schwächen.
UAE: beste Hardwareemulation, emuliert auch AGA perfekt. Sehr komfortable Funktionen für virtuelle Festplatten.
Fellow: schneller, aber keine AGA-Unterstützung (nur OCS und ECS!). Die Soundausgabe ist besser. Insgesamt ein paar mehr Bugs.

2. Eine Kickstartdatei

Normalerweise sollte man Kickstart 1.3 benutzen. Nur wenige Spiele benötigen Kickstart 2.0 oder häöher (für AGA-Spiele sollte man immer die höchstmögliche Version, die man zur Verfügung hat, versuchen) und 1.3 ist insgesamt kompatibler. Irgendwo (je nach Emulator) sollte etwas wie "ROM file" auftauchen. Einfach anwählen da.

3. Das Programm/Spiel, dass man starten will

Das sind die .adf-Dateien, die man beim Entpacken der heruntergeladenen Spiele bekommt. Man muss sie 'in' die virtuellen Diskettenlaufwerke 'tun'. Die erste 'Diskette' eines Spiels muss in DF0: sein. Dann sollte sie automatisch laden.

Das mag sich alles ziemlich simpel anhören, und eigentlich ist es das auch. Ein bisschen komplexer wird es, wenn man die Ergebnisse optimieren will. Die folgenden Sachen kann man mit jedem Emulator einstellen:

1. RAM

Das ist ziemlich einfach. Normalerweise braucht man nur 1 MB 'Chip RAM'. Der Rest kann auf 0 gesetzt werden. Für neuere Spiele (so in etwa ab 1994) können sowohl 2 MB Chip RAM als auch ein bisschen Fast RAM nichts schaden (werden aber meist nicht benötigt).

2. CPU

Der normale Amiga 500 hatte einen 68000er. Also sollte das die beste Wahl sein. Ein 68020er (mit 14 MHz) entspricht einem A1200. FPU spielt fast nie eine Rolle (solange man nur Spiele spielen will).

3. Grafik

Das ist ein wenig schwierig zu sagen. Es kommt stark auf das Programm selbst an. In den meisten Fällen bedeutet eine Auflösung von 640x512 (oder etwas in der Nähe davon) Vollbild. Mindestens 64000 Farben sind auch sehr hilfreich. 'Double Lines'(besser) / 'Insert blank lines' (bei älteren Emulatoren) sollte immer angewählt sein. Zuerst sollte man den Emulator anweisen, jedes Bild anzuzeigen ("display every frame"), und dieses nur bei massiven Geschwindigkeitsproblemen reduzieren. 'Aspect Correction' ist noch manchmal wichtig für die Feinabstimmung - einfach ausprobieren.

4. Sound

Natürlich sollte man es zunächst mit Sound versuchen. 'Emulated perfectly' macht alles nur langsamer, ohne einen hörbaren Effekt zu erzielen. Aber die Emulation des Sounds verbraucht sehr viel Prozessor-Arbeitszeit, weswegen man sie in manchen Fällen lieber ausstellen sollte.

5. Maus/Joystick

Die sicherste Methode ist, die PC-Maus auf den Amiga Port 0 und die Tastatur auf Amiga Port 1 (als Joystick) zu setzen.

Wie man die Spiele auf richtigen Amigas spielt

Wenn ihr welche der elitären Benutzer seid, die den besten aller Computer benutzen, wisst ihr wahrscheinlich sowieso Bescheid, was zu tun ist. Falls ihr aber erst kürzlich zur Amigafamilie gestoßen seid (herzlich willkommen!), könntet ihr das hier brauchen - ist ja nichts dabei, nicht immer sofort alles zu wissen :)

Ihr könnt die selben Dateien runterladen, die üblicherweise für für die Benutzung mit einem Emulator gedacht sind. Übertragt sie zu eurem Amiga (wenn ihr sie nicht sowieso mit dem Amiga runtergeladen habt) über eine beliebige Art von Netzwerk (LAN, paralleles oder serielles Kabel), eine Diskette (dabei beachten, dass die meisten Amigas standardmäßig nur ein DD-Laufwerk haben) oder eine CD.

Auf dem Amiga könnt ihr mittels der transdisk-Programms (ist bei UAE dabei) die Disk Images in das echte Amigaformat "zurückschreiben". "transdisk -w file.adf" schreibt file.adf auf die Diskette in DF0:. Mehr dazu in der offiziellen Dokumentation. Es gibt auch andere Tools dafür, die unter Umständen schneller, komfortabler oder sowas sind. Könnt ihr bei Aminet finden.

Was ihr sonst vielleicht noch machen wollt ist, die Spiele auf eure Amigafestplatte installieren (wenn ihr eine habt natürlich - andernfalls solltet ihr vielleicht an die Neuanschaffung denken). Die meisten neueren Spiele haben natürlich serienmäßige Installationsroutinen, die extrem einfach und selbsterklärend sind. Bei älteren Spielen muss man sich aber meistens auf andere Tools verlassen, wie z.B. WHDLoad oder JST. Wenn man sich da einmal reingearbeitet hat, sollte es auch kein Problem mehr darstellen.

Zuletzt noch ein weiteres Problem: Ältere Spiele haben manchmal Probleme mit dem AGA-Chipsatz. Wenn man beim Booten beide Maustasten gedrückt hält, kann man im Bootmenü seinen Amiga im OCS- oder ECS-Modus starten, das sollte diese Probleme umgehen.

Nützliche Links

Egal, ob ihr eher zur Emulation oder richtigen Amigas tendiert, wenn ihr mehr sehen wollt als das bisschen auf dieser Seite, solltet ihr euch folgende Adressen ansehen:
The Amiga Games Database: Die ausführlichste, hochqualitative Reviewseite für Amigaspiele! Keine Raupkopien dort, also nervt die armen Schreiber dort nicht damit.
Hall of Light: Eine Datenbank mit (beinahe) allen jemals veröffentlichten Amigaspielen. Neben den allgemeinen Informationen zur Veröffentlichung gibt es Screenshots, Boxscans und eine Menge anderer Bilder. Viele Suchmöglichkeiten helfen einem.
Back to the Roots: Amiga Culture Directory Project. Legale Quelle für alle Arten von Amigasoftware - riesiges Archiv an ADF-Spielen!
WHDLoad / JST: Diese Seiten spezialisieren sich auf das Patchen von Spielen, um sie festplatteninstallierbar zu machen. Für wirkliche Amigas gedacht, funktioniert aber auch perfekt mit Emulatoren.
amiNET: Der Amiga-FTP für sämtliche Freeware, Shareware und ex-kommerzielle Software für den Amiga. Wer ein bestimmtes Tool sucht, seinen Amiga auf den neuesten Stand bringen will, wird hier garantiert fündig.
Amiga Interactive Guide: Technischer Überblick über die Amigamodelle, die Chips, Daten der Veröffentlichung - eigentlich alles, was man an grundlegenden Hardwareinformationen braucht.
English Amiga Board: Dies ist das Forum für alles rund um den Amiga! Nostalgie, aktuelle Neuigkeiten, Spiele, andere Software, Hardware, Emulation - wenn es auch nur das geringste mit dem Amiga zu tun hat, ist es hier zu finden.