Die Stadt der Löwen oder The Final Singapore Sling
für Amiga (OCS/ECS)

Mr Creosote:
Firma: PM Entertainment / Software 2000
Jahr: 1989
Genre: Adventure
Thema: Krimi / Textbasiert
Sprache: Deutsch
Lizenz: Kommerziell
Aufrufe: 13880
Rezension von Mr Creosote (08.10.2016)
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Singapur, die Stadt der Löwen. Hierhin führt die Spur, als ein japanischer Geschäftsmann, vormals General der kaiserlichen Armee, in London von einer Prostituierten ermordet wird. Der Fall interessiert die Enthüllungsjournalisten Christine und Robert. Ihnen folgt die Geschichte. Der Spieler übernimmt jedoch die Rolle Taikos, dem Mitglied eines japanischen Geheimbundes, der die beiden wohl irgendwie unterstützt.

Womit die Probleme der Geschichte beginnen. Der Spieler befindet sich nicht in der Rolle des Protagonisten; getrieben werden die Vorgänge von anderen. Dazu kommt, dass dem Spieler überhaupt die Hälfte der Zeit Szenen erzählt werden, in denen Taiko gar nicht anwesend ist, und von denen er auch anderweitig wissen kann. Selbst in Situationen, in denen er prinzipiell anwesend ist, bleibt Taiko normalerweise unbeteiligter Beobachter. Faktisch muss man also vermuten, dass Taiko als Avatar des Spielers erst als nachgelagerter Gedanke überhaupt in die Geschichte eingebaut wurde.

Es zeigt sich einfach nur einmal mehr, dass wenn man ein Spiel verkaufen will, es einfach keine gute Idee ist, erstmal eine „statische“ Geschichte, noch darüber hinaus mit einem auktorialen Erzähler zu schreiben und dann im Nachklapp eine Art Spielerfigur reinzupropfen. Aus einer solchen Konstallation ergeben sich eine Reihe Konsequenzen, die im Spieldesign retrospektiv kaum mehr zu berücksichtigen sind.

Was wiederum klar macht, wie es um die Geschichte im Bezug auf den Spieler vor dem Bildschirm bestellt ist. Wie bereits im Vorgänger liest man die meiste Zeit einfach nur, was so automatisch passiert. Das sorgt für ein Narrativ, das durchgängig konsistent ist und sich diesmal sogar etwas stärker präsentiert. Man kann weitere Einzelbeschreibungen von Personen oder Gegenständen per Klick aufrufen. Das Interface ist dabei sogar noch etwas aufgeräumter geworden.

Doch auch die Einflussmöglichkeiten, die ohnehin schon sehr gering waren, sind sogar nochmals geschrumpft. Alle paar Bilder bekommt man mal eine Entscheidung vorgesetzt. Manchmal handelt es sich um reine Wissensfragen, die testen, ob man den vorigen Text auch wirklich genau gelesen hat, oder ob man das Originalhandbuch besitzt. Und manchmal kommen dann eben noch die „echten“ Entscheidungen, was als nächstes getan werden soll. Allerdings ohne dass diese jemals zu Verzweigungen führen. Im Idealfall lassen sie die Geschichte weitergehen, im schlimmsten Fall führen sie zum direkten Scheitern und dazwischen zählen sie eine Fehleranzahl, die bei Überschreitung einer Grenze ebenfalls zum schlechten Ausgang führt, hoch. Also eigentlich kaum anders als in Holiday Maker, wo die meisten Wahlmöglichkeiten ja auch nur Augenwischerei waren, aber Stadt der Löwen macht es nun definitiv explizit.

Speichern darf man jetzt immerhin, Musik fehlt aber immer noch. Die Illustrationen, die die Texte begleiten, sind diesmal noch etwas besser geworden. Zusammen mit der subjektiv etwas besseren Geschichte (in etwa in der abenteuerlichen Art Tim und Struppis, aber auch auf deren Clichéniveau) kommt damit ein qualitativ ähnliches Spiel heraus. Nicht, was einen vom Hocker haut, aber auch nicht abgrundtief verachtenswert. Zumindest, wenn man jetzt nicht unbedingt auch Einflussmöglichkeit besteht.

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