Hellowoon: Das Geheimnis des Zauberstabs
für C64

Mr Creosote:
Firma: Dragonware / Ariolasoft
Jahr: 1987
Genre: Adventure
Thema: Kämpfen / Schwerter & Magie / Textbasiert
Sprache: Deutsch
Lizenz: Kommerziell
Aufrufe: 7103
Rezension von Mr Creosote (30.06.2018)
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Wer oder was zum Teufel ist „Hellowoon“? Genau diese Frage stellt sich auch unser Protagonist am Anfang des Spiels. Er hat ordentlich einen über den Schädel bekommen und schmort nun in einer düsteren, nassen Kerkerzelle. Was, unabhängig von diesem komischen Wort, natürlich erstmal die Zielrichtung vorgibt: bloß raus hier! Nur wie?

Dabei ist die Antwort doch eigentlich so einfach: Hellowoon ist der Name des Spiels, in dem sich die Spielfigur befindet. Geläufig ist einem der Name Guido Henkel heutzutage eher durch die Rollenspiele der Schwarze-Auge-Reihe, doch angefangen hat er mit illustrierten Textadventures.

Sein Debütwerk fällt weniger thematisch (Cliché-Fantasy-Stoff) oder spielerisch (Rätsel rund um das Öffnen von Türen mit eingesprenkelten, durch das Parserformat recht umständlichen und langwierigen Kampfeinlagen), als vielmehr durch den Tonfall der Parserantworten auf. Ein launiger Grundton, trotz ernster Thematik, war zu der Zeit zwar durchaus auch bei anderen Firmen üblich. Doch einen dermaßen ausgeprägter „Charakter“ der Parserstimme findet man schon selten.

Durch die Verwendung der ersten Person als Erzählperspektive entsteht eine Art Dialog zwischen dem Spieler und dem Protagonisten. Der Protagonist ist also mehr als nur ausführendes Organ des Spielers, sondern (einigermaßen) unabhängiger Akteur. Soweit die gangbare Theorie.

Praktisch stellt es sich so dar, als sehe man das Spieler/Protagonisten-Gespann als Neuauflage des seltsamen Paars oder anderen, ähnlichen Screwball-Duos. Der Protagonist übernimmt dabei die Matthau-Rolle: Während der Spieler sich strukturiert an den gestellten Aufgaben abarbeitet, nörgelt der Protagonist herum, demonstriert seine Faulheit, indem er Anweisungen verweigert und erst auf wiederholte Insistenz durchführt, mockiert sich über fehlgeschlagene oder scheinbar „sinnlose“ Befehle (BETRACHTE TISCH) usw.

Was in gewissen Dosen unterhaltsam sein kann, wird dann nervig, wenn es überhand nimmt. Insbesondere geschieht das subjektiv dann, wenn die ewigen „Einwände“ des Protagonisten doch nur schematisch erscheinen und der Situation auch überhaupt nicht angemessen sind: Wer hat denn dringendes Interesse, aus der Gefangenschaft zu entfliehen? Wer schwebt denn in Lebensgefahr? Richtig, nicht der Spieler. Der ist in dieser Konstellation nur freiwilliger, unterstützender Helfer. Den einzigen einem gut Gesinnten zu verprellen, ist in einer solchen Situation vielleicht nicht das Schlaueste…

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