Retro Wars Episode IV¼
für Amiga (OCS/ECS)

Mr Creosote:
Firma: Amiga Wave
Jahr: 2016
Genre: Adventure
Thema: Umsetzung eines anderen Mediums / Humor / Science Fiction
Sprache: Espanol, English, Deutsch, Francais
Lizenz: Freeware
Aufrufe: 8769
Rezension von Mr Creosote (18.08.2018)
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Seit der Geburtsstunde dieser Webseite hat sich die Weltsicht im Bezug auf unser Hauptthema grundlegend verändert. „Retro“ ist im Mainstream angekommen und gilt als cool. Was uns allerlei Versuche einbringt, manche aus ehrlichstem Herzen, manche kühl auf Profit kalkulierend, auf dieser Welle mitzureiten. Wenn Geld im Spiel ist, müssen sofort alle Alarmglocken losgehen. Doch auch frei verfügbare Werke können an den einen oder anderen Fallstricken hängenbleiben. Retro Wars Episode IV¼ repräsentiert beispielsweise ziemlich genau das, worüber ich mich bereits vor fünf Jahren bitterlich beschwerte, als ich zuerst über den damals gerade entstehenden Retro-Trend schrieb.

Technisch gesehen stimmt eigentlich alles an dem Spiel. Das sorglose Adventurespielprinzip erinnert an Lucasfilm, die Rätsel sind ohne Verrenkungen schaffbar und das Spiel ist insgesamt kurz, so dass kaum Raum für negative Eindrücke bleibt. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass das Spiel in AMOS, einer Sprache, die man normalerweise mit ultra-simplen Spielchen, die ihren Amateurstatus mehr als transparent machen, geschrieben wurde, ist das Resultat recht beeindruckend. Warum dem geschenkten Gaul ins Maul gucken?

Einerseits ist Retro Wars tatsächlich sehr harmlos, wäre es nicht so verdammt opportunistisch. Als wäre der Krieg-der-Sterne-Bezug (gäääähn) nicht schon genug, taucht auch noch H.G. Wells mitsamt seiner Zeitmaschine im Design der 60er-Jahre Verfilmung auf und Tron hat einen Gastauftritt… und dann ist da noch der Typ, der verdächtig nach dem Protagonisten aus Heavy on the Magick aussieht, und ja, das wird in den Dialogen mit dem Protagonisten thematisiert. Ein CD32 („mit MPEG-Erweiterung“) wird als „wertvolles Artefakt“ umhergereicht. Und ein tragender Charakter hat gerade Ärger mit der ebay-Auktion diverser klassischer Computer.

Müsste alles nicht schlimm sein, wenn es denn irgendwo hinführte. Jedoch bleibt es beim Name Dropping aus reinem Selbstzweck. Die Spieler sollen dabei wohl angesichts des Wiedererkennungswerts innerlich lächeln – wissenschaftlich bekannt als der Family-Guy-Effekt. So sehr die sichtbare Mühe, die in das Spiel geflossen ist, und so schön es ist, das gut modellierte Gesicht des besten Schauspielers aller Zeiten in einer kurzen Zwischensequenz zu sehen, ist an diesem Punkt mit meinem Verständnis Schluss. Sorry, Jungs, aber euer anderes Spiel ist da viel sympathischer, und zwar unabhängig von spielerischen Überlegungen, denn immerhin steht es auf eigenen Füßen – selbst wenn es sich ebenfalls auf ein nostalgisches Thema bezieht.

P.S. Diejenigen Leser, die dem trotz Allem etwas abgewinnen können, sollten in Betracht ziehen, eine verpackte Version fürs Regal zu erstehen. Das ist doch zumindest mal eine echte Kuriosität!

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