Hypsys
für Amstrad CPC

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LostInSpace:
Firma: Dro Soft
Jahr: 1990
Genre: Action
Thema: Science Fiction
Sprache: English
Lizenz: Kommerziell
Aufrufe: 265
Rezension von LostInSpace (02.09.2020)
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In der Zukunft beherrschen imperiale Mächte das Sonnensystem. Der letzte Krieg gegen das royale Haus von Goriok steckt den Kriegern des Hypsys-Imperiums noch in den Knochen. Hungrig auf weitere Schlachten und erneutes Blutvergießen verbringen die Streitkräfte Tag für Tag mit ständig steigender Ruhelosigkeit. Bevor das Feuer in den eigenen Reihen ausbricht und das Schreckgespenst der Rebellion das Hypsys-Imperium schwächen könnte, beschließt der Oberste Priester Yem-Sular die Ausrichtung eines alten primitiven Rituals. Dieses blutrünstige Fest wird den Tod von tausenden der stärksten Krieger fordern, aber die Teilnahme verspricht die maximale Ehre für den Gewinner: unendliche Weisheit und das Geheimnis der Unsterblichkeit. Nur ein Krieger ist den Prüfungen gewachsen und der Spieler bekommt die Ehre seine Rolle zu übernehmen und einen Versuch zu wagen.

Begrüßt wird der heldenhafte Spieler mit einem Ladebildschirm, der zum Fürchten aussieht. Die Darstellung einer Helikopter-Kampfszene in den Wolken ist eins-zu-eins von der Spectrum-Version übernommen. Hier hätte ich mir ein Bild gewünscht, dass die grafischen Möglichkeiten des Schneiders besser ausnutzt und eher auf die im Weltall spielende Hintergrundstory anspielt.

Die Attacken durch die Angreifer verteilen sich auf zwei Zonen, die getrennt voneinander geladen werden müssen. Zu Beginn steuert der Spieler ein Kampf-Raumschiff mit einer rechts angebrachten Kanone. Das Schiff bewegt sich in der Top-Down-Perspektive auf einer geraden bildschirmbreiten Bahn durch eine Weltallumgebung. Die Munition für das Geschütz ist begrenzt und kann nur an jeweils 2 Punkten innerhalb einer Zone aufgefüllt werden. Selbiges gilt für die Energie, die auf 6 Balken beschränkt ist und bei Feindkontakt jeweils dezimiert wird.

Die Gegner greifen nach einem vorgegebenen unveränderlichen Muster an. Nur zwei der zahlreichen Gegnertypen reagieren auf die gewählte Flugbahn des Spielers, indem sie das Raumschiff verfolgen. Die anderen Gegner lassen sich brav abknallen und bleiben unbeeindruckt von den Verlusten ihrer Geschwaderkollegen auf der gleichen geometrischen Route. In beiden Zonen wartet in der Mitte und am Ende jeweils ein Boss auf den Spieler. Die Bosskämpfe sind sehr schlicht, da reine Feuerkraft anstelle von geschicktem Manövrieren entscheidet. Die Endgegner können genau wie sämtliche andere gegnerische Raumschiffe nicht schießen. Sie brauchen aber einige Hits mehr als die normalen Gegner, die allesamt jeweils schon durch einen einzigen Treffer erledigt sind. Nur die pure Größe des Boss-Sprites macht die Vernichtung schwierig. Schon einmaliges Berühren des fast bildschirmfüllenden Sprites zieht das sofortige Ableben des Spielers nach sich.

Je näher man dem Ende der ersten Zone kommt, lässt man die dunkle Leere des Weltraums mit seinen vereinzelten Raumstationen hinter sich und die Erdoberfläche gewinnt immer mehr an Kontur: Wasserflächen, Straßen, Bahnlinien kommen in Sicht. Nach dem letzten Bosskampf wird das Passwort für den Zugang zur zweiten Zone angezeigt.

Mit diesem Passwort muss das Spiel wie oben erwähnt neu gestartet werden. Denn die Levelauswahl erfolgt sinnigerweise am Anfang des Ladevorgangs. Nach dieser kleinen, umständlichen Verzögerung wechselt die Spielkulisse komplett in die Erdatmosphäre. Unter Beibehaltung der Top-Down-Perspektive steuert der Spieler nun einen Helikopter. Zusätzlich zur Bordkanone hat der Hubschrauber noch eine ganze Batterie von Raketen an Bord. Spätestens jetzt wird der Bezug zum Titelbild deutlich.

Mit leicht erhöhtem Blutdruck erwartete ich nun einen regelrechten Ansturm von gnadenlos wütenden Gegnern. Immerhin war ja die Hälfte des Spiels geschafft und bis jetzt war ich gefordert aber noch nicht überfordert. Umso verwunderter war ich, als ich auf weiteres berechenbares Kanonenfutter traf. Meine Wumme hat jedenfalls munter abgeballert, was nicht weichen wollte. Ansonsten konnte man den fest vorgegebenen Bahnen der Gegner jedoch einfach ausweichen. Nur die fast bildschirmfüllenden Mittel- und Endgegner mussten wie in der ersten Zone effektiv mit der vollen Feuerkraft der Kanonen beharkt werden.

Am Ende wird das spielerische Können mit einem Highscore vergleichbar gemacht. Die Punkte rühren von den abgeschossenen Feinden her. Wobei aufgrund der beschränkten Munition wohl niemals jeder Gegner weggeputzt werden kann. Um einen hohen Score zu erreichen, sollte man sinnloses Herumballern vermeiden und zielgerichtet schießen.

Trotz eines verhältnismäßig niedrigen Schwierigkeitsgrades habe ich einige Gegnerwellen auswendig gelernt, um entsprechende Ausweichmanöver einleiten zu können. Der Ablauf des Spiels ist ungewöhnlich langsam für ein Shoot‘Em-Up, was an den träge dahinschwebenden Sprites deutlich wird. Ein Video zum Gameplay ist unten verlinkt. Das Scrolling und die Bewegungen sind aber trotzdem weitestgehend flüssig. Mit dieser seichten Geschwindigkeit wird beim Spielen von Hypsys die an einem Arcade-Spieleautomat vorherrschende Hektik sicherlich nie erreicht. Jede Richtungsentscheidung kann zwar potentiell falsch sein, läuft aber zumindest nachvollziehbar langsam vor den Augen des Spielers ab. Erst ab einer sehr hohen Anzahl von gleichzeitig auf dem Bildschirm dargestellten Sprites geht die Geschwindigkeit in die Knie und das Bild ruckelt ein wenig.

Das Spiel ist eine relativ späte Veröffentlichung auf dem Schneider. Das Release-Jahr 1990 war schon so ziemlich das Ende der aktiven Produktion dieser 8-Bit-Maschinen. Eine Zeit in der die Spieleindustrie schon längst ihr Wettrennen um Marktanteile, Ruhm und Kapital begonnen und auf neuere und schnellere Computerplattformen ausgeweitet hatte.

An diesem moralischen Scheideweg hat das spanische Entwicklerteam genügend Selbstvertrauen und Enthusiasmus gezeigt, und eine insgesamt farbenfrohe Umsetzung der Spectrum-Version gewagt. Beim Titelbild wurde offenbar gespart und das winzig kleine bisschen Sound der Kanonenschüsse hat man in der Schneider-Version sogar ganz weggelassen. Die Aussicht auf einen kommerziellen Erfolg war sicherlich denkbar gering. Selbst für Schneider-Kenner ist dieser Titel eine unbekannte Randerscheinung. Auch als einen Hidden-Gem will ich dieses Spiel nicht verstanden wissen. Denn die super bunte Farbgebung und die hübsch anzusehende Klötzchengrafik macht die langsame Geschwindigkeit und den fehlenden Sound spielerisch gesehen nicht wett. Sicherlich ist ein solches Spiel nur etwas für Entdecker, die einen Reiz am Unbekannten und Kuriosen empfinden. In den Weiten des Internets sind noch viele derartige längst vergessene Skurrilitäten zu finden. Jede für sich ein Stück Spielgeschichte, die zum Erforschen einlädt.

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