1000 Miglia: 1927-1933 Volume 1
für Amiga (OCS/ECS)

Mr Creosote:
Firma: Simulmondo
Jahr: 1992
Genre: Action, Sport
Thema: Fahren / Historisch / Mannschaftssportarten
Sprache: English, Italiano
Lizenz: Kommerziell
Aufrufe: 662
Rezension von Mr Creosote (12.12.2020)
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Ja, ja… früher waren auch Autorennen noch viel abenteuerlicher. Echte Gentlemen, die mit ihren Beifahrern ganze Länder durchfuhren und sich nicht zu schade waren, die Hände schmutzig zu machen. Denn es gab schließlich weder auf Sekundenbruchteile trainierte Mechaniker beim Pit-Stop, noch zugehörige Pit-Stop-Babes.

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Soweit ganz stimmungsvoll

1000 Miglia versucht seinen Spielern ebensolche Romantik einzuhauchen. Inspiriert von einem anscheinend jährlich abgehaltenen Rennen quer durch Italien sollen die Spieler sich möglichst unfallfrei durchschlagen. Es geht in dem Etappenrennen weniger um die Zeitoptimierung, als ums Dabeisein und Durchkommen.

So tuckern wir nach eher irrelevanter Auswahl des Fahrergespanns und des dazugehörigen Wagens gemächlich über die nur halbwegs befestigten Landstraßen. Die geringe Geschwindigkeit kommt meinen erschlafften Reflexen sehr zu Gute. Es bleibt sogar Muße, zu den vom Straßenrand zuschauenden Kühen zurückzustarren. Zumindest auf einem normalen A500. Durch schlampige Programmierung skaliert das Tempo mit Turbokarten und anderen Prozessoren, die die Rennen unspielbar machen.

Schnell zeigt sich die Besonderheit von 1000 Miglia. Damalige Tourenwagen hatten eine nur geringe Zuverlässigkeit. Mit großer Regelmäßigkeit gibt die eine oder andere Komponente den Geist auf. Der Reifen, ein Kolben… Nun schlägt die Stunde des Mechanikwertes des Fahrers (der die Reparaturzeit bestimmt) sowie die Auswahl der Ersatzteile, die man hoffentlich vor Fahrtantritt in den Kofferraum gepackt hat. Das Problem dabei: Der Mitnahmeplatz ist streng beschränkt und man kann vor Rennantritt nur raten, welche Art von Unfall passieren, was man also benötigen wird.

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Die düstere Realität

Ein kausaler Zusammenhang mit dem eigenen Fahrstil lässt sich auf jeden Fall nicht feststellen. Eine Kollisionsabfrage existiert zwar, aber Zusammenstöße mit Bäumen, Menschen, Häusern oder anderen Autos kosten einen nur Zeit. Zu echten Unfällen führen sie nicht. Die treten selbst auf, wenn man schön mittig auf der Straße bleibt. Apropos andere Autos, solchen begegnet man zwar immer wieder auf den Strecken, aber nicht nur sehen sie alle gleich aus, sondern es besteht auch keine erkennbare Korrelation mit konkurrierenden Fahrern der Tour. Es handelt sich um reine Hindernisse für den Spieler.

Ansonsten wird das Genre- und Zeittypische geboten. Keine der Strecken bleibt wirklich durch ihr Design (Kurven, Hügel, Hindernisse) im Gedächtnis haften. Die Grafik variiert leicht, meist jedoch nur durch Wechsel der Farbpalette. Weder Schnee, noch Regen oder Dunkelheit haben einen Einfluss auf das Fahrverhalten, die Effekte bleiben rein optisch.

Was also bleibt, ist ein gelinde gesagt ödes Rennspiel, das irgendwie gut gemeint, aber nicht zu Ende gedacht, designt und umgesetzt ist. Aber immerhin am Anfang des Alphabets.

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