Road Rash
für 3DO

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Mr Creosote:
Firma: Electronic Arts
Jahr: 1994
Genre: Sport, Action
Thema: Fahren / Kämpfen
Sprache: English
Lizenz: Kommerziell
Aufrufe: 562
Rezension von Mr Creosote (19.12.2020)
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Angesichts Electronic Arts' langer Historie sehr offensiver Unterstützung neuer, technisch vielversprechender Systeme, die auf dem Markt aber schließlich doch scheiterten, muss man sich beinahe wundern, dass es sie immer noch gibt. Im Falle des 3DO lag es jedoch nahe, da ihr eigener früherer Chef (und weiterhin Mitglied des Aufsichtsrates) Trip Hawkins dahinterstand. Electronic Arts machte sich mit einer Neufassung eines ihrer beliebtesten Spiele für ihre vorige Wunschkonsole, Segas Mega Drive, verdient.

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Road Rash war dort zu einer kleinen Serie geworden, wobei der dritte Teil etwa zur gleichen Zeit wie diese Neuauflage in der Entwicklung war. Der direkte Vergleich machte den Anspruch des technischen Sprunges des 3DO sofort deutlich: farbenfrohe Grafik (selbst wenn es weiterhin kein echtes 3D war) und, sogar noch wichtiger, Musik direkt von der CD, die nicht einmal nur das typische Videospielgedudel war, sondern es dröhnten echten Songs echter Metalbands aus den Lautsprechern. Dazu noch zwischen den Rennen kleine Videos von Bikern.

Wie man zu diesen Videos und das Musik steht, ist natürlich sehr subjektive Geschmackssache. Erstmal mag es für Normalsterbliche schwierig sein, eine Band namens Monster Magnet ernstzunehmen, aber dass ihre Musik sich bestens in die Stimmung des Spiels einfügt, steht außer Frage. Die Videos sind aus heutiger Sicht natürlich grobkörnig, aber allein dadurch, dass sie im Vollbild liefen, war damals schon Grund genug zum Staunen. Inhaltlich sind sie mit einem Auge für semi-ironische Distanz zum eigenem Thema inszeniert, was die Zugänglichkeit des Spiels für Nicht-Biker gleich mal vervielfacht.

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Gern übersehen sowohl im heutigen Rückblick, als auch in zeitgenössischen Rezensionen, wird, dass auch wenn die grundlegende Spielidee unverändert übernommen wurde, die Rennstrecken weitreichend überarbeitet wurden. Bereits vorher hatte es zwar verschiedene Typen von Strecken gegeben, doch erst jetzt bekamen sie spielerisch spürbare Unterschiede. Die Anzahl der Fahrspuren der Straßen, die Verkehrsdichte und andere Hindernisse unterscheiden das Fahren in der Stadt von einer Küstenstraße beispielsweise deutlich. Ebenso fahren sich die Motorräder, die man mit dem Preisgeld schließlich erwerben kann, deutlich verschieden. Je weiter man in den Ligen vordringt, desto schwieriger wird es durch die immer höhere Streckenlänge und dadurch, dass die gegnerischen Fahrer immer weniger Fehler machen.

Obwohl das Gimmick des Hauens und Tretens anderer Fahrer natürlich für immer die erste Assoziation mit dem Spiel bleiben wird und trotz der Cartoonphysik (die Fahrer bei Zusammenstößen meterweit durch die Luft schleudern, nur um dann ohne einen Kratzer wieder aufzustehen) machen die vorgenannten Umstände Road Rash zu einem viel ernstzunehmenderen Rennspiel, als man auf den ersten Blick meinen sollte. Dass es in dieser Version viel mehr Charakter bekommen hat, ist nur die Sahnehaube. Die „Multimedia“-Verpacking mag nicht sehr gut gealtert sein (habe aber viel schlimmeres gesehen), aber das Spiel selbst hat sich gut gehalten.

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