Spot: The Video Game!
für Game Boy

LostInSpace:
Weitere Titel: 7·UP Proudly Presents Spot: The Video Game!
Firma: Arcadia
Jahr: 1990
Genre: Denkspiel
Thema: Brettspiel / Werbespiel
Sprache: English
Lizenz: Kommerziell
Aufrufe: 187
Rezension von LostInSpace (22.12.2021)
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Eine nur flüchtige Betrachtung der Screenshots zu diesem Spiel könnte zu der Auffassung führen, hier eine digitale Version des sehr bekannten und besonders in Japan beliebten Brettspiels Othello vor sich zu haben. Spot wird jedoch im Gegensatz zu Othello ausschließlich am Computer gespielt, denn die Regeln erfordern bei fast jedem Zug eine aufwendige Umgruppierung der Spielsteine. Dies lässt sich virtuell einfach besser handeln als mit echtem Material. Da zur Zeit der Erfindung der Grundregeln für Spot das Internet noch sehr rudimentär war, hat sich schon früh als Gegner die künstliche Intelligenz durchgesetzt. Der Wettstreit zwischen menschlichen Kontrahenten ist bis heute im Gegensatz zu Othello eher selten.

Die Erst-Veröffentlichung des nie direkt kommerziell publizierten ursprünglichen Prototyps erfolgte auf zwei Schienen. Unter dem Namen Ataxx wurde das Spiel zunächst als Arcade-Automat vermarktet, später auf fast alle damaligen Home-Computer-Systeme portiert und zusätzlich mit dem Maskottchen des Softdrink Herstellers 7·Up aufgepeppt.

Der Ataxx Arcade-Automat

Dieser sogenannte Cool Spot führt in der NES-Version bei jedem Zug kleine akrobatische Turneinlagen auf dem Brett durch und trägt damit zur Unterhaltsamkeit eines eigentlich trockenen Denkspiels bei. Vergleichbar sind diese Animationen den Bewegungen der Schachfiguren bei Battle Chess-Klonen. Die hier betrachtete Gameboy-Version untermalt jedoch nur die Wartezeit auf den Zug des Computergegners mit ähnlich akrobatischen Gesten von Cool Spot am Spielfeldrand, der dabei nicht direkt das eigentliche Spielfeld betritt.

Zu Beginn hat jeder der beiden Spieler zwei Steine. Diese befinden sich in gegenüberliegenden Ecken des Spielfeldes. Abwechselnd wird nun begonnen, diese Steine auf ein bis dato unbesetztes Feld zu duplizieren oder damit zu springen. Die Verdoppelung geschieht auf ein direkt angrenzendes Feld und vermehrt dadurch die eigenen Steine. Beim Sprung wird der Stein über eines der 8 angrenzenden Felder herüber bewegt. Die Spielsteine färben dabei jeweils eventuell in Nachbarfeldern vorhandene Spielsteine des Gegners in die eigene Farbe um. Erst nach Besetzung sämtlicher Felder des 7x7 Quadrate großen Spielfeldes ist das Spiel beendet. Gewonnen hat die Partei mit den meisten Spielsteinen auf dem Brett.

Neben den 5 grundsätzlichen Spielstärken des Computergegners kann zusätzlich eine maximale Bedenkzeit von 5, 10 oder 20 Sekunden pro Zug eingestellt werden. Vom Start-Menü gelangt man auch zu einem Editor für das Spielfeld, wo nach eigenem Belieben bestimmte Felder unzugänglich gemacht werden können. Oder man greift auf eines der 512 vorprogrammierten Muster zurück. Die gesperrten Felder bereiten nicht nur optisch eine Abwechslung, sondern insbesondere spielerisch.

Bei einigen Konstellationen dieser Sperrfelder sind nämlich bestimmte Felder auf dem Brett spielentscheidend. Die KI müsste daher möglichst frühzeitig diese Felder besetzen, da der Gesamtsieg davon abhängt. Dies tut die Gameboy-KI jedoch meist nicht. Daher kann man die KI in solchen Fällen auch in der 5ten Stufe austricksen.

Beim Spiel auf einem nicht editierten Spielfeld ist mir die KI in der 5ten Stufe jedoch weit überlegen. Hier erreiche ich meist nur knapp über die Hälfte der Punkte, die der Computergegner erspielt. Wohingegen schon relativ wenig Übung ausreicht, um in Stufe 1 siegreich zu sein. So wird auf einem über 30 Jahre alten Handheld-System eine KI geboten, die heute noch herausfordernd ist und sicher auch damals schon war. Die Klone auf heutigen Smartphones sind nach all den Jahren vielleicht noch stärker und schneller, bieten dem durchschnittlich-geübten Nostalgiker aber keinen echten Mehrwert.

Nur schade, dass kein echter 2-Spieler-Modus über ein Game-Link-Kabel implementiert wurde. Vielleicht hätte dadurch der kompetitive Charakter dieses Brettspiels mehr Verbreitung gefunden. Zumal auch die mögliche Begrenzung der Bedenkzeit beide Spieler jeweils gefordert hätte, ohne Langeweile aufkommen zu lassen. Den Gameboy nach jedem Zug dem Gegner in die Hand zu geben wie bei der vorliegenden „Pass-And-Play“-Methode, ist schon reichlich umständlich.

Negativ könnte man auch das Fehlen eines konkreten Anreizes sehen, mehr als nur die jeweilige Partie zu gewinnen. Ich denke dabei an sowas wie die startende Rakete bei Tetris oder das berühmte Feuerwerk in Windows-Solitär-Spielen. Das 7·Up-Maskottchen hätte sicherlich noch Potenzial für derlei Achievement-Gimmicks gehabt. Nichtsdestotrotz ist diese schnörkellose Umsetzung auf dem kultigen Handheld auf jeden Fall gut genug, um in guter Retro-Manier eine schnelle Partie zwischendurch zu zocken.

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