Metaltech: EarthSiege
für PC (DOS)

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Mr Creosote:
Firma: Dynamix / Sierra On-Line
Jahr: 1994
Genre: Simulation
Thema: Science Fiction / Krieg
Sprache: English
Lizenz: Kommerziell
Aufrufe: 432
Rezension von Mr Creosote (12.03.2022)
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Dynamix hatte das erste MechWarrior für Activision entwickelt. Mit ihrer Übernahme durch Sierra verloren sie logischerweise den Zugriff auf die wertvolle BattleTech-Lizenz. Doch dann gelang ihnen ein immenser Coup, als sie hiermit ganze neun Monate vor dem (bereits angekündigten) offiziellen MechWarrior 2 um die Ecke kamen.

Rückblickend ist es schwierig nachzuvollziehen, wie das Metaltech-Universum in unserer klagefreudigen Welt existieren konnte. Mit seinen Schlachten zwischen den Kampfrobotern in einer zukünftigen Welt, in der die Gegner böse Maschinen sind (was effektiv keinen Unterschied macht), ist EarthSiege (juristisch gesprochen) riskant nah an seinem Vorbild. Oder aber (spielerisch gesprochen) komfortabel nah.

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Echt kolossal

Statt Mechs steuert man HERCs durch Missionen, die von „alles zerstören“ bis hin zu Aufklärung oder das Ausschalten bestimmter Gebäude in einer größeren Basis reichen. HERCs können beliebig ausgestattet werden, ganz nach dem Gusto des Spielers und idealerweise passend zu den Missionszielen. Dabei können gerne vom Feind geplünderte Waffen verwendet werden. Diese Anpassung und langsame Aufrüstung der Waffen machte schon immer einen großen Reiz des BattleTech-Universums aus (insbesondere, wenn die Innere Sphäre auf die Clans trifft) und tun auch in EarthSiege ihren Dienst. Eine besonders starke Kanone frühzeitig in die Finger zu bekommen, kann einen signifikanten Unterschied machen. Insbesondere, da der Schwierigkeitsgrad insgesamt recht hoch angesiedelt ist.

Selbstverständlich lassen sich bei den HERCs Bewegungs- und Zielrichtung unabhängig voneinander kontrollieren, was Basis diverser taktischer Überlegungen ist. Der Torso der Roboter lässt sich je nach Modell frei drehen. Im Vergleich zu den üblichen Shootern der Zeit ergeben sich dadurch weitergehende Handlungsmöglichkeiten. Der Preis dafür ist allerdings eine leicht überkomplexe Steuerung. Rein per Tastatur kann man es praktisch gleich vergessen. Selbst mit einem guten analogen Simulationsjoystick geht es nicht trivial von der Hand, da der Torso weiterhin mit der linken Hand an der Tastatur kontrolliert werden muss – während der „Hat“ des Joysticks nur zum Umherschauen verschwendet ist.

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Stirb, Maschine!

Die Söldner-Kampagne aus MechWarrior ist Geschichte, aber dafür erweitert EarthSiege seine Komplexität durch Gruppeneinsätze. Selbstverständlich sollte man aufpassen, ob man gerade auf Freund oder Feind anlegt, aber darüber hinaus können den Mitstreitern auch rudimentäre Befehle gegeben werden. Zumindest theoretisch. Praktisch bleibt in der Hitze des Gefechts wenig Gelegenheit, gezielte, taktisch relevante Kommandos zu erteilen.

In anderen Belangen klebt das Spiel dagegen beinahe unerklärlich nah am faktischen Vorgänger. Hügel sieht man in der Landschaft, aber sie sind weiterhin nichts als unüberwindliche Hindernisse für Sicht und Bewegung. Sie erklimmen oder darüberspringen kann man nicht. Nach oben oder unten zielen muss man nur, wenn Luftangriffe drohen oder aber kleine Geschütztürme ausgeschaltet werden sollen. Nach immerhin fünf Jahren ist das schon ein bisschen enttäuschend.

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Der Comedy-Befehlshaber

Ganz im Trend des aufkommenden „Multimedia“-Zeitalters ist dafür Aufwand in das spielerisch irrelevante Drumherum geflossen. Das „Speech Pack“ (zuerst einzeln verkauft, auf der CD immerhin direkt enthalten) lässt die Funksprüche der anderen Piloten aus dem Lautsprecher erschallen. Kleine Mechanikerfiguren tragen HERC-Ersatzteile durch die Werkshalle. Der Kommandeur erteilt die Einsatzbefehle als digitalisierter Schauspieler. Doch nicht als echtes Video, sondern trotzdem per Hand animiert, was heute leider eher an die Technik eines Terry Gilliam erinnert. Damals sah das schon ziemlich gut aus, aber gut gealtert ist es nicht – unfreiwillige Komik.

Trotz dieser Defizite gab es für Fans großer Kampfroboter nichts Besseres damals. Bei Activision wurde das Spiel ganz sicher genauestens analysiert und den Entwicklern des eigenen MechWarrior 2 Überstunden verordnet. Doch macht EarthSiege heute noch Spaß? Ganz so klar ist das leider nicht. Die doch ziemlich klobige Steuerung sowie der nahe unangemessen hohe Schwierigkeitsgrad erfordern schon einen sehr engagierten Spieler. Ob heute noch jemand die Geduld zur Einarbeitung aufbringt, wo es in dem Genre mittlerweile doch deutlich geschliffenere Spiele gibt, darf bezweifelt werden. Zumindest kann ich eines versprechen: Ob man es länger spielen möchte oder nicht, kann man schnell herausfinden.

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