Mechwarrior 2: Mercenaries
für PC (DOS)

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Mr Creosote:
Firma: Activision
Jahr: 1996
Genre: Simulation
Thema: Multiplayer / Science Fiction / Krieg
Sprache: English
Lizenz: Kommerziell
Aufrufe: 1505
Rezension von Mr Creosote (26.11.2022)
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Zwar entwickelte es sich schließlich doch noch zu einem großen kommerziellen Erfolg, jedoch war die Entwicklungsgeschichte von MechWarrior 2 so voll von Beinahe-Katastrophen, dass FASA verstimmt die Zusammenarbeit mit Activision einstellte. Die Lizenz wurde neu vergeben, an Microprose, wo dann die Fertigstellung des offiziellen Nachfolgers wiederum um Jahre nach hinten geschoben wurde. Activision hatte derweil weiterhin das Recht, Erweiterungen zu MechWarrior 2 zu veröffentlichen. Mercenaries dehnte den Begriff einer „Erweiterung“ in neue Extreme; immerhin handelte es sich um ein Standalone-Spiel. Man könnte beinahe vermuten, dies wäre ihr *„MechWarrior 3“* geworden, hätte die Vertragslage anders ausgesehen.

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Hauptquartier

Mercenaries ist zu MechWarrior, was Privateer für Wing Commander machte. Es öffnet die eng geführte Kampagnenstruktur des streng organisierten Krieges hin zu einer Spielerrolle als eben ein Söldner irgendwo in der Inneren Sphäre. Mit anfangs einem einzigen leichten Mech lässt man sich gegen Bezahlung anheuern. Verdient so Geld, das man in Verbesserungen des Gefährts oder sogar komplett neue Mechs investiert. Wo angebracht, kauft man die Unterstützung von Wingmen ein (oder wie man das auch immer nennt im BattleTech-Universum), um einen auf besonders harte Missionen zu begleiten. Privateer ist das viel bessere Spiel als Wing Commander. Angesichts der bereits hohen Qualität von MechWarrior 2 sollte das die Erwartungen für dieses Spiel in unerreichbar hohe Spähren katapultieren.

Man höre und staune, das Spiel liefert auf so einigen Ebenen ab. Zufällig generierte Missionen ergänzen die fest definierten, die wiederum den Plot vorantreiben. Die Ausrüstung der Mechs wird durch das Ausschlachten besiegter Gegner aufgewertet. Dass man Munition erst kaufen muss ergänzt das Bild um eine weitere strategische Komponente. Und all das ist natürlich nur die Spitze des Eisbergs der gesamten wirtschaftlichen Dimension des Spiels.

Angesichts all dessen sollte Mercenaries das Spiel sein, mit dem Fans für immer Spaß haben könnten. Das niemals langweilig werden sollte. Doch leider schlug der Zeitdruck der auslaufenden Lizenz wohl doch zu, denn die typischen Zeichen einer übereilten Veröffentlichung sind überall zu finden.

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Auf generischer Nachtmission

Die Hauptkampagne ist zwar interessant, aber leider unzureichend ausbalanciert. Einige Missionen sind brutal schwierig und das Spiel erlaubt keinen Weg drumherum. Manchmal darf man nicht einmal noch vorher andere Zufallsmissionen annehmen, um noch ein bisschen Geld zur besseren Vorbereitung zu verdienen. Urplötzlich verengt sich an solchen Engpässen das Spiel, das erst so offen wirkte, auf einen engen Korridor, aus dem es kein Entkommen gibt.

Apropos Zufallsmissionen, es gibt gerade mal genau drei Typen davon. Und selbst jede Angriffsmission besteht dann beispielsweise immer aus den selben wenigen Elementen: ein Gebäude, zwei feindliche Mechs. Wie lange hätte es wohl gebraucht, den Zufallsgenerator noch etwas zu erweitern? Leider ist er so nicht viel mehr als ein Konzeptdemonstrator.

Was leider noch lange nicht die einzige unfertige Spielfunktion ist. Die besonders nützliche schematische Cockpitansicht des ursprünglichen Spiels ist einfach verloren gegangen. Im Spiel wird dies sogar erklärt: Die Innere Sphäre verfüge nicht über solche Technologie. Nur bekommt man im späteren Spielverlauf doch Zugriff auf Clantechnologie und die Funktion bleibt trotzdem abwesend. Technisch gesehen ist sie noch da und kann in einer Konfigurationsdatei des Spiels wieder aktiviert werden. Dadurch zeigt sich dann der wahre Grund: Die 3D-Modelle sind schlicht und einfach nicht fertiggeworden.

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Das Ende einer vielversprechenden Karriere

Dazu kommt ein Bug, der potentiell das Spiel beenden kann. Alle MechWarrior-2-Versionen verwenden ein ungewöhnliches Hitbox-Modell. Im ursprünglichen Spiel war das Treffen eines Kopfes dadurch praktisch unmöglich, da die anderen Zielbereiche ihn überlappten. Ein ernsthaftes Problem war es dort nicht, doch in Mercenaries ist die Bergung der unbeschädigten Teile besiegter Mechs nun ein zentraler Spielfaktor. Wem diese Teile gehören, wird explizit in jedem Missionsvertrag festgeschrieben. Die Entwickler haben das gemerkt und versucht, das Problem zu beheben… doch der Workaround hat alles verschlimmbessert, denn er führt unter gewissen Randbedinungen dazu, dass manche Mech überhaupt nicht getroffen werden können.

Uff… Mercenaries verspricht so viel, es ist unglaublich unterhaltsam! Trotzdem sind die Einschränkungen so frustrierend. Im schlimmsten Fall ist das Spiel nach der Hälfte einfach vorbei. Und trotzdem kann ich meine Finger nicht davon lassen! Denn all die Qualitäten von MechWarrior 2 sind natürlich weiterhin vorhanden. Das atmosphärische Sounddesign. Die beinahe perfekte Bedienung. Die spannenden, kurzen Missionen. Das beengte Gefühl, im Cockpit eines dieser riesenhaften Stahlkolosse zu sietzen. Eine Basis, die konzeptuell entscheidend erweitert wurde. Es ist so gut geworden, aber hätte so viel besser werden können (und sollen)!

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