Bureaucracy
für PC (DOS)

Mr Creosote:
Firma: Infocom
Jahr: 1987
Genre: Adventure
Thema: Humor / Textbasiert
Sprache: English
Lizenz: Kommerziell
Aufrufe: 23899
Rezension von Mr Creosote (23.06.2000)
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Infocoms Textadventures sind bekanntermaßen die besten. Ihre Spielengine mit ihrem großartigen Parser wurde für eine Vielzahl verschiedener Meisterwerke benutzt. Bureaucracy ist eins davon. Was es gegenüber seinen „Kollegen“ überlegen macht, ist der geniale Plot. Er wurde von Steve Meretzky (Leather Goddesses of Phobos, Stationfall) und dem bekannten Schriftsteller Douglas Adams geschrieben. Die beiden hatten bereits zuvor zusammengearbeitet, um Adams' The Hitchhiker's Guide to Galaxy (Deutsch: Per Anhalter durch die Galaxie) als Spiel umzusetzen.

Man ist gerade in sein neues Haus eingezogen. Der neue Arbeitgeber (die „Happitec Corporation“) will einen auf einen Kurzurlaub nach Paris schicken. Leider ist das versprochene Taschengeld noch nicht angekommen. Und die eigene Kreditkarte wurde gerade von der Bank gesperrt. Also läuft man einfach rum und versucht einen Weg aus dieser Breduille zu finden.
Vom Anfang bis zum Ende stolpert man von einer merkwürdigen Situation in die nächste. Die Plotentwicklung mag zwar nicht allzu logisch sein, aber während des Spielens akzeptiert man diese plötzlichen Brüche einfach. Man hat sowieso keine Zeit, genauer darüber nachzudenken. Sich an die neue verwirrende Situation zu gewöhnen ist meistens schon schwierig genug!
Das Spiel besteht erstmal nur aus locker verbundenen Ereignissen, die alle etwas mit Bürokratie zu tun haben. Ihr satirischer Wert ist in den meisten Fällen sehr hoch. Die witzigsten Szenen sind die, die von alltäglichen Situationen handeln wie Geld vom Bankkonto abheben oder im Restaurant einen Burger bestellen. Auf der anderen Seite gibt es auch detailliert beschriebene Personen (z.B. der Paranoide), die eine Menge Humor in sich bergen. Die ersten Teile sind so extrem witzig, dass man das etwas schwächere Ende ohne weiteres entschuldigt. Obwohl es immer noch witzig ist, tritt hier der satirische Aspekt doch sehr in den Hintergrund.
Eine Besonderheit des Spiels basiert auf dieser Geschichte. Jedesmal, wenn man sich mit nicht funktionierenden Maschinen oder ignoranten Angestellten rumschlagen muss, steigt der eigenen Blutdruck. Man sollte ihn genau beachten.
Wenn man es nämlich nicht tut, stirbt man. Einige Züge zum Ausruhen sind also von Zeit zu Zeit nötig. Nicht wirklich eine Gefahr, aber es unterstützt doch die Athmosphäre.

Der andere wichtige Aspekt bei Adventures neben der Story sind die Rätsel. Unlogische können den ganzen Spaß verderben. Aber lächerlich einfache sind auch überhaupt nicht besser. Bureaucracy IST schwierig.
Aber NICHT unmöglich. Es ohne ein einziges Mal in die Lösung zu gucken durchzuspielen wird nur wenigen Leuten vorbehalten sein. Ich konnte es nicht. Das Bank-Rätsel war zu schwierig für mich. Jeder, der es
probiert hat, wird wissen, wovon ich spreche! Trotzdem, das Meiste IST logisch und kann mit etwas Nachdenken durchaus gelöst werden. Tut euch selbst den Gefallen und gebt nicht so schnell auf. Es gibt kein besseres Gefühl als sich bewusst zu sein, dass man es ohne Betrug geschafft hat! Besonders in diesem Spiel.
Mit Bureaucracy zeigen sich Textadventures wirklich von ihrer besten Seite. Man kann geradezu spüren, wieviel Spaß die Autoren beim Schreiben gehabt haben müssen! Ein Spiel mit Seele. Nicht eines von diesen neumodischen kalten Bestsellern. Und mit hohem Wiederspielwert, obwohl ein Adventure.

Wenn man noch nie ein Textadventure gespielt hat, könnte Bureaucracy der Einstieg sein. Fast keine zeitkritischen Szenen, faire Puzzles und eine großartige Story.

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