Winzer
für PC (DOS)

Mr Creosote:Besucherwertung:
3.5/6
Firma: Starbyte
Jahr: 1991
Genre: Strategie
Thema: Geschäftswelt
Sprache: Deutsch
Lizenz: Kommerziell
Aufrufe: 38924
Rezension von Mr Creosote (15.04.2000)
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Mittlerweile haben deutsche Spieledesigner sich ihren ausländischen Vorbildern angepasst, und produzieren nur noch 3D-Action und Echtzeitstrategie. Leider, denn manche wirklich innovative deutsche Spielkonzepte gingen dadurch verloren. Der Großteil der „deutschen“ Spiele war aber reine Massenware. Noch vor wenigen Jahren gab es Spiele, denen man sowohl äußerlich (grafisch), als auch inhaltlich (Spielthema) ansah, dass sie aus Deutschland stammen. Ein besonders typisches Beispiel dafür ist Winzer.

Wie der Name bereits vemuten lässt, handelt es sich dabei um eine staubtrockene Wirtschaftssimulation rund um den Weinanbau. Über Textmenüs gelangt man zu verschiedenen Orten, an denen man mehr oder weniger wichtige Dinge tun kann. Dabei sollte man sich wichtige Informationen durchaus handschriftlich notieren, weil man in den Bildschirm-„Übersichten“ doch leicht die selbige verliert. Vom Pflanzen übers Pflegen, Ernten, Abfüllen und Verkaufen muss man alles selbst machen. Es gibt immer verschiedene Wege und Möglichkeiten. So kann man die Reben länger reifen lassen, aber ein (illegales) Panschen erreicht den selben Effekt. Genauso gibt es verschiedene Anbaugebiete, Reben- und Weinsorten und verschiedene internationale Märkte. Also eine Menge zu entscheiden und auszuprobieren auf den ersten Blick.

Bis man einen Blick in die Anleitung wirft. Dort entdeckt man eine übersichtliche Tabelle, die besagt, welche Weinsorte am besten wo und wie lange wächst. Das ist dann auch schon eine Komplettlösung. Wenn man sich nämlich an diesen Vorgaben hält und auch sonst keine Risiken eingeht, also immer nur Wein niedriger Qualität produziert, hat man nach kurzer Zeit gewonnen. Die meisten Optionen sind somit Selbstzweck. Aber leider wird wohl kein Spieler ein zweites Spiel beginnen, nachdem er es einmal geschafft hat. Und wenn, wird er sicher nicht experimentieren, denn dann wird das Spiel wirklich unübersichtlich. Zu schnell verstrickt man sich in endlosen Statistiken und Menüs.

Winzer steht hier nur beispielhaft für die riesigen Massen an ähnlichen Wirtschaftsimulationen, die Anfang bis Mitte der 90er von deutschen Firmen produziert wurden, und aus gutem Grund wahrscheinlich nie ins Ausland gelangten. Hier zeigt sich deutlich, dass neue witzige Spielkonzepte wie Mad TV durchaus internationale Anerkennung erlangten, während der Winzer und seine Kollegen selbst im deutschsprachigen Raum schnell in der Versenkung verschwanden.

Es bleibt natürlich die Frage, was die heutigen typisch deutschen Spiele sind. So wie ich die Verkaufszahlen im Moment sehe, scheinen die sogenannten „Aufbaustrategiespiele“ mittlerweile zum Nachfolger der Zahlenkolonnensimulationen geworden zu sein. Wieder ein an sich gutes Genre, dass somit zu Tode übersättigt wird...

Kommentare (1) [Kommentar schreiben]

Herr M. (07.12.2012):
Nur falls jemand schon am Anfang hängen bleibt (siehe Forum): Bei der Namenseingabe muss in das erste Feld die Anrede (HERR oder FRAU) eingegeben werden, sonst geht es nicht weiter.
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