Law of the West
für C64

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Mr Creosote:
Firma: Accolade
Jahr: 1986
Genre: Adventure, Action
Thema: Kämpfen / Polizei & Verbrecher / Western
Sprache: English
Lizenz: Kommerziell
Aufrufe: 13535
Rezension von Mr Creosote (30.03.2009)
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Was könnte wohl noch schlimmer sein, als in einer Stadt zu leben, in der nicht nur jeder Schusswaffen besitzt und mit sich herumträgt, sondern wo auch jeder jederzeit einen lockeren Finger am Abzug hat? In einer solchen Stadt dafür verantwortlich zu sein, Recht und Ordnung aufrechtzuerhalten. In einem Computerspiel kann einem allerdings nichts Schlimmeres passieren als der Game-Over-Bildschirm, und so kann auch eine derartige Situation spielerisch gefallen.

In Law of the West übernimmt der Spieler die Rolle eines Sheriffs. Anders als in thematisch ähnlich gelagerten Spielen beschränkt sich der Spielinhalt jedoch nicht darauf, Leute zu erschießen. Im Spielverlauf kommt es zu elf Aufeinandertreffen mit anderen Charakteren, die die gesamte Bandbreite abdecken: Man verhaftet Übeltäter, bekommt Hinweise über geplante Überfälle, macht den Frauen romantische Avancen und sollte all das nichts helfen, zieht man im Ausnahmefall auch mal die Pistole.

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Zieh!

Ein Treffen beginnt immer mit einem kurzen verbalen Austausch, wobei die Seite des Spielers mittels Multiple-Choice gehandhabt wird. Je nach dem, was man von sichi gibt, endet es gut oder schlecht. D.h. es könnte zu einem der bereits aufgelisteten Ausgänge kommen (oder aber der Gegenüber geht einfach davon). Verabredungen mit Frauen erhöhen die Punktzahl, genau wie das Verhaften oder Erschießen von Kriminellen. Kommt es zu Gewalttaten, muss man schnell die Pistole bei der Hand haben, denn dann geht es nur noch darum, wer sich eine Kugel einfängt. Ist man das selbst, kann man das Glück haben, dass der ansässige Arzt gerade man nicht betrunken ist, und sich der Verletzung annimmt. Auch dann kostet diese Niederlage natürlich Punkte, aber immerhin hat man überlebt.

Stirbt man, oder geht der Tag einfach regulär zu Ende, wird die Leistung in sieben Kategorien bewertet: wie gut man das Gesetz aufrecht erhalten hat, die Anzahl der Festnahmen, die Anzahl der Verabredungen, wie viele Bösewichte man erledigt hat, wie oft man verwundet wurde, die Anzahl der Unschuldigen, die man getötet hat und die Anzahl der Verbrechen, die erfolgreich und ungestraft durchgeführt wurden. In allen Bereichen gleichzeitig kann man niemals perfekt sein, so dass es kein „bestes“ Ende gibt. Versucht man beispielsweise, möglichst viele Gesetzesbrecher anzuschießen, hat man niemals Zeit für die Damenwelt (und genauso andersrum).

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Zieh!

Auch wenn das Spiel prinzipiell recht kurz ist, liegt die Komplexität von Law of the West so also in seiner Vieldeutigkeit. Vorderstes Ziel ist es natürlich, den Tag zu überleben. Aber auf welche Weise? Durch schnelles Ziehen und viele Abschüsse, durch diplomatisches Geschick in den Unterhaltungen, so dass die Verbrecher freiwillig aufgeben oder dadurch, dass man sich feige vor jeder Konfrontation drückt und den Bösewichten freie Hand lässt? Die möglichen Gesprächsverläufe beiten für einige Zeit genug Futter in dieser Beziehung.

Grafisch weiß das Spiel sehr gut zu gefallen. Negativ fällt allein die Hand des Sheriffs auf: Diese ist aus unerfindlichen Gründen einfach schwarz. Technisch zu bemängeln ist die sehr lange Ladezeit: Stirbt man, muss man vor dem nächsten Versuch mehrere Minuten der Diskette beim Laden zusehen, und sie sogar mehrmals umdrehen (für diejenigen, die sich nicht mehr an diese Zeit erinnern: 5,25„-Disketten konnten “doppelseitig" beschrieben sein, und um an die Daten der zweiten Seite zu kommen musste man sie physikalisch umdrehen, also andersrum ins Laufwerk legen). Dank Emulatoren ist dies heutzutage natürlich kein Problem mehr.

Law of the West ist also ein sehr gutes Spiel, und selbst, wenn es keine der genannten anderen Qualitäten hätte, bliebe es immer noch schon allein deshalb empfehlenswert, weil es eines der wenigen Spiele ist, die ein nicht allzu gewalttätiges Weltbild zeichnen, und Gewaltlosigkeit sogar belohnen.

Kommentare (2) [Kommentar schreiben]

Mr Creosote (03.04.2009):
A bit of a stretch looking at the screenshots, but I'll go with that explanation ;)
APS (02.04.2009):

"The Sheriff's hand - it's completely black for some reason."

Perhaps he's wearing gloves, a neat way of avoiding the problem of giving a character a skin colour that may differ from the player's.

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