Der Patrizier
für Amiga (OCS/ECS)
Auch verfügbar für: Amiga (OCS/ECS) (The Patrician)

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Mr Creosote:
Firma: Ascon
Jahr: 1992
Genre: Strategie
Thema: Geschäftswelt / Historisch / Multiplayer / Schifffahrt / Politik / Logistik
Sprache: Deutsch
Lizenz: Kommerziell
Aufrufe: 25923
Rezension von Mr Creosote (04.07.2009)
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Das späte Mittelalter: Die Ostsee wird von der Hanse beherrscht, in dem sich die wichtigen Handelsstädte zusammengeschlossen haben. Innerhalb der Städte herrschen die reichen Kaufleute. Als angehendes Mitglied dieser Zunft in einer der Städte versucht der Spieler, ein Handelsimperium aufzubauen, indem er Schiffe ersteht und diese Waren transportieren lässt und dabei Kontore in möglichst vielen Städten eröffnet.

Der Handel läuft in bekannten Bahnen ab: Waren werden dort, wo sie im Überfluss vorhanden sind, billig eingekauft und mit möglichst großem Profit anderswo wieder verkauft. Ein guter Überblick über die Preise auf den verschiedenen Märkten ist also Grundvoraussetzung für den Erfolg. Der zweite Grundpfeiler ist eine Mischung von Handelsrouten, denn die örtlichen Preise verändern sich entsprechend der üblichen Marktgesetze: Verstärkte Nachfrage (also dadurch, dass man immer das gleiche in der gleichen Stadt kauft) führt zu höheren Preisen, erhöhtes Angebot (also dadurch, dass man in eine Stadt immer das gleiche einführt) zu sinkenden.

Der Patrizier hat jedoch eine darüber hinausgehende Spielebene. Das letztendliche Ziel der Spieler ist es, politischen Einfluss zu gewinnen. Der erste Schritt hierzu ist es, Bürgermeister seiner Heimatstadt zu werden. Um jedoch in den regelmäßig stattfindenden Wahlen Erfolg zu haben, wollen die Bürger erst beispielsweise durch regelmäßige Spenden, Engagement im Sinne der Sicherheit der Stadt (man kann Schiffe zur Verteidigung gegen Piraten abstellen) und rauschende Feste überzeugt werden. Nachdem man dann endlich Bürgermeister geworden ist, wartet schon das Amt des „Ältermanns“, dem Oberhaupt der gesamten Hanse.

Diese politische Ebene (und natürlich auch der gelungene Handelsteil) macht den Patrizier zu einem sehr empfehlenswerten Spiel. Auch weniger erfahrene Spieler werden sich aufgrund guter Grafik und einfacher Handhabung wohl fühlen.

Einzige ernsthafte Beschwerde: Nach einer bestimmten Anzahl von Jahren endet das Spiel zwangsläufig mit dem Tod. Für Einsteiger kaum genug Zeit, um auf der politischen Schiene Erfolge zu erzielen und eine recht willkürliche Schranke, die das Spiel einfach gegen den Willen des Spielers beendet. Warum können nicht die Nachkommen (sofern vorhanden) des verstorbenen Kaufmanns die Geschäfte (natürlich mindestens mit politischen Prestigeverlusten) weiterführen?

Ansonsten wären noch Funktionen zur Automatisierung (zumindest teilweise) des Handels praktisch gewesen. Beispielsweise ist es nicht mal möglich, Schiffen einen regulären „Fahrplan“ zu geben („segel nach Nowgorod, kaufe dort Felle, segel nach Hamburg und verkaufe sie dort“). Jeden dieser Schritte muss der Spieler immer per Hand erledigen, was im späteren Spielverlauf doch eher unübersichtlich und vor allem unnötig wird.

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