No Greater Glory: The Civil War
für PC (DOS)

Mr Creosote:
Firma: SSI
Jahr: 1991
Genre: Strategie
Thema: Historisch / Politik / Krieg
Sprache: English
Lizenz: Kommerziell
Aufrufe: 12973
Rezension von Mr Creosote (26.02.2010)
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Vorab eine Warnung: Wer nicht prinzipiell bereit ist, mehrere frustrierende Wochen damit zu verbringen, zumindest die grundlegendsten Strategien eines Spiels zu meistern, um zumindest die ersten paar Runden überleben zu können, sollte sich dieses Spiel nicht antun. No Greater Glory ist ein Kriegsspiel nur für Experten - ein Genre, das in den 80er Jahren sehr beliebt war. Wenn man sich allerdings die Zeit nimmt, kann man bald sehr tiefgründige Qualitäten erkennen.

Oberflächlig betrachtet wirkt das Spiel gar nicht mal so einsteigerfeindlich. Es spielt im gerade ausgebrochenen Bürgerkrieg der Vereinigten Staaten von Amerika. Man steuert die Geschehnisse mittels recht übersichtlicher Bildschirme mit klaren Bedienungselementen, die einem die verfügbaren Optionen nahebringen. So verfällt man leicht in den Glauben „einfach losspielen“ zu können. Solche Versuche werden von dem Spiel jedoch sofort und gnadenlos bestraft. Selbst auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad (der mit „very easy“ völlig falsch bezeichnet ist) gewinnt der Computerspieler sofort die Oberhand gegen experimentierfreudige Anfänger.

Die Problematik liegt dabei nicht in der unübersichtlichen Anzahl der Optionen für den Spieler. Das Spiel gliedert sich in klar definierte Phasen (Bewegung, Kampf, Innenpolitik, Außenpolitik,...), die jeweils für sich absolut überblickbar sind. Allerdings sind die Auswirkungen vieler der Entscheidungen, die der Spieler treffen muss, sehr subtil, was sie eben sehr schwierig macht - und noch mehr in der Kombination.

Betrachten wir beispielsweise die allererste Entscheidung: die Auswahl eines Regierungskabinetts. Der Spieler muss verschiedenste offensichtliche und weniger offensichtliche Faktoren mit einbeziehen; unter Anderem die Loyalität, die Fähigkeiten, die Parteizugehörigkeit und den Heimatstaat der Kandidaten. Ernennt man nur Mitglieder einer Partei, ist die andere nicht mehr gut auf einen zu sprechen. Gibt man keinen Politikern aus einer Region überhaupt irgendwelche Verantwortung, sinkt die Popularität in diesen Staaten schonmal. Diese Faktoren gegeneinander abzuwägen ist trotz sehr guten Feedbacks seitens des Spiels alles andere als trivial.

Ähnlich sieht es in der Außenpolitik aus. Je nach dem, welche Seite man spielt, möchte man erreichen, dass sich die europäischen Großmächte England und Frankreich entweder aus dem Konflikt heraushalten oder in ihn einmischen. Doch wie schafft man das? Durch die Drohung, die Lieferung von Rohmaterialien einzustellen? Oder durch vertrauensvolles Verhandeln? Und welchem potentiellen Botschafter vertraut man diese Aufgabe an?

Selbst die Kriegshandlungen selbst, die erstmal so offensichtlich scheinen („Auf zum Angriff!“), werden von solchen Faktoren beeinflusst. Armeen auf der Landkarte zu verschieben (wenn man mal von den logistischen, infrastrukturellen und Rekrutierungsproblemen absieht - es sollte langsam klar geworden sein, dass es sich um ein komplexes Spiel handelt) bekommt man noch gerade hin, aber wer soll welches Regiment befehligen? Wie hält man die Moral der Soldaten hoch? Wie bekämpft man die Auswirkungen der feindlichen Propaganda?

No Greater Glory ist absolut exzellent umgesetzt und durchdacht, abgesehen von einem bitteren Wehrmutstropfen: dem Schwierigkeitsgrad. Nicht mal, dass das Spiel sehr schwierig ist (was zu verkraften wäre), sondern wie das erreicht wird. Der Computer schummelt. Egal, welche Seite man selbst übernimmt, es stehen auf jeden Fall in den ersten Runden schwerwiegende interne Probleme vor einem: Der Kongress lässt einen nicht die Steuern erhöhen oder mehr Soldaten einziehen, so dass man weder schnell eine große Armee aufbauen, noch Geld für andere Dinge einnehmen kann - während der Gegner solche Probleme anscheinend nicht hat. Dies hat zusätzlich noch hässliche indirekte Auswirkungen. Man kann also keine große Armee aufstellen; was dazu führt, dass die eigenen Generäle mit dem geringen Ausmaß „ihrer“ Streitkräfte enttäuscht sind; was dazu führt, dass ihre Herkunftsstaaten darüber enttäuscht sind, wie ihre lokalen Größen abgespeist werden; was, im besten Fall, dazu führt, dass man dort in der nächsten Runde weniger Soldaten rekrutieren kann, vielleicht aber sogar zu Aufständen gegen die eigene Regierung führt. Nochmal: Das passiert auf der anderen Seite nicht - es sei denn, man übernimmt dort selbst die Kontrolle in der nächsten Partie.

Dieses Schummeln ist leider allzu offensichtlich. Und was noch schlimmer ist: Es ist völlig unnötig. Der Computergegner spielt schon so sehr gut. Auch unter fairen Voraussetzungen böte er eine große Herausforderung. Kann man diesen Betrug jedoch ertragen, findet man in No Greater Glory ein hervorragendes, vieldimensionales Strategiespiel, dass einen auf Jahre hin beschäftigen kann.

Kommentare (2) [Kommentar schreiben]

Mr Creosote (15.08.2010):
Very good strategy advice! The point of the AI cheating, however, remains. No matter which side you choose yourself, your opponent will inevitably pull ahead in money as well as army strength early on. I don't mind the challenge this represents, but it's the obvious unfair means with which this is achieved which bothers me.
thebard (15.08.2010):
Zitat:
The AI cheats. No matter which side you choose, you will always have severe internal problems to overcome in the early game: the congress won't let you increase taxes or introduce conscription, preventing you from earning enough money and building up a decently sized army - while your opponent apparantely doesn't have those problems at all. There are nasty indirect effect of this, too. So you can't recruit a big army; which means that your generals will be disappointed with the commands they receive; which means that their home states will be disappointed with you for not fulfilling the wishes of their local heroes; which means that in the best case, you will only be able to recruit a few less soldiers next round, but probably, it'll even cause riots against your government. Again, no problem on the other side of the war - unless you take control of it yourself in the next game.

I've played this game more then I can remember. I've won the game in the hardest difficulty (although that was with Full intelligence on and traditional general ratings/prestige) and the opposite side will struggle as the tide turns against them. For example, taking control of a good amount of the Old Northwest as the CSA will cause riots. The problem is balancing your rabble rousers (I forgot the name of the phrase). If you try to cause Sedition too early in the game in the Mid-Atlantic and New England areas it has the opposite effects. But as you win major victories the ability of your agents to cause sedition increases. I've had times as the CSA when I was able to bring down New England to a 4 loyalty while I had a 4 in the same area.

Increasing Taxes and Conscription will give you a warning of how congress is reacting. Sometimes when raising taxes or conscription you can get it approved even if congress has a negative thought towards it. The reality is though is that it's a war, you can feel free to go into as much debt as you want. As the Union it takes a while to actually raise inflation and fall into debt. As the CSA you'll always be in debt, but if you can get intervention (which should be one of your goals anyway) British and French loans will cure your inflation problems usually just at the right time.

Lastly the problem with commands is relative. Without looking at the stats, let's just say McClennan has an 8 prestige and a larger army then Pope who has a 7 prestige. McClennan refuses to move, but Pope attacks and wins a battle. He gets 2 prestige for the victory moving him up to 9 prestige. When giving out commands next turn you can either shift troops from McClennan to Pope so that Pope has the larger army, or you could just switch Pope and McClennan's command. You never have to create new commands, it's just a matter of moving leaders up and down till people stop complaining.

Great review though, and a great game that never gets enough love.

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