Floor 13
für Amiga (OCS/ECS)

Mr Creosote:Besucherwertung:
2/6
Firma: P.S.I. / Virgin
Jahr: 1992
Genre: Strategie
Thema: Spionage / Polizei & Verbrecher / Politik
Sprache: English
Lizenz: Kommerziell
Aufrufe: 8314
Rezension von Mr Creosote (21.04.2012)
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Endlich – die langersehnte Beförderung: Leiter der Behörde für Landwirtschaft und Fischerei! Damit untersteht einem nun die gesamte dreizehnte Etage eines unauffälligen Bürogebäudes, was Außenseiter für eine eher langweilige, bürokratische Aufgabe halten könnten. Was diesen Leuten nicht bewusst ist, ist der Deckname der Behörde; tatsächlich handelt es sich um die staatliche Geheimpolizei. Und zwar nicht die irgendeiner fiktionalen oder anonymen Bananenrepublik, sondern die Großbritanniens.

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Mr Clive Reed kann von Glück sagen, dass er nur Ziel einer Schmutzkampagne wird…

Was allerdings nicht bedeutet, dass es sich um eine relativ liberale Organisation, die in den Regeln (oder Einschränkungen) von Kleinigkeiten wie Menschenrechten oder transparenten Regierungsstrukturen verwurzelt ist. Es geht schlicht und einfach darum, die Regierung an der Macht zu halten – mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln. Rechenschaftspflichtig ist man nur direkt dem Premierminister gegenüber. Alle 21 Tage bewertet der die Amtsführung des Spielers auf der Basis seiner eigenen Umfragewerte. Liegt die Partei des Premierministers vorne, werden der Behörde zur Belohnung zusätzliche Ressourcen zugeteilt. Wenn nicht, ist die Entlassung aufgrund von Inkompetenz nicht mehr fern.

Interessant ist an dem Spiel, dass es (eventuell unabsichtlich) diese Geheimpolizei als sehr durchschnittliche Bürokratenorganisation mit ganz normalen Bürojobs darstellt. Jeden Tag setzt man sich an seinen Schreibtisch, wo bereits einige eigens zusammengestellte Akten auf einen warten. Man studiert also diese aktuellen Ereignisse, die sich um Themen drehen, die das öffentliche Ansehen der Regierung beeinflussen könnten: relativ harmlose Affären einzelner Minister, größere Umweltskandale oder sogar terroristische Bedrohung.

Jede potentielle Krise ist mit einer oder mehreren Personen oder Organisationen verbunden. Diesen kann man mit Mitteln, die von einfacher Überwachung bis zu Meuchelmorden reichen, begegnet werden. Entsprechend produzieren einige der möglichen Aktionen ersteinmal einfach nur weiteres Papier, das dann hoffentlich die notwendigen Informationen liefert, auf deren Basis man weitere Schritte planen kann. Doch auch delikatere Nachfolgeentscheidungen müssen getroffen werden: Da hat man einen Verdächtigen entführen lassen, doch welchen Grad an Foltermethoden ist man bereit, bei ihm anwenden zu lassen, um ihn zum Reden zu bringen?

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…denn das wäre die Alternative gewesen!

Das große Problem (abgesehen von der moralischen Fragwürdigkeit) von Floor 13 ist, dass all die Ereignisse natürlich vorgefertigt sind. Hat man sich einmal gut durch eine Krise laviert, kann man exakt die gleichen Schritte beim nächsten Mal wieder anwenden. Und dass man auf die gleiche Situation nochmal trifft, wird nicht lange auf sich warten lassen. Immerhin ist die Reihenfolge des Auftretens der Ereignisse zufällig, so dass sie sich in unterschiedlicher Art und Weise überlappen bei jedem Spieldurchlauf, aber besonders viele sind es insgesamt nicht.

Andererseits rettet eine zweite Spieldimension das Spiel immerhin von der völligen Durchschnittlichkeit: Neben dem Premierminister hat man noch einen zweiten Auftraggeber. Man ist nämlich Mitglied in einem (zweifelhaften) Geheimbund, dessen Anführer ebenfalls die Erledigung gewisser Aufgaben erwartet. Häufig sind diese prinzipiell nicht direkt mit den Interessen der offiziellen Staatsregierung vereinbar. Die wirkliche Herausforderung, die das Spiel bietet, ist also, diese Interessen so zu jonglieren, dass man die Aufgaben des Geheimbunds erfüllt, aber trotzdem den Premierminister ausreichend stützt, um die eigene Position zu sichern.

Diese verzwickte Situation führt dann zu einem von drei möglichen Enden (abgesehen von der simplen Entlassung): Erfüllt man alle Aufgaben des Geheimbundes, wird man dessen neuer Kopf. Hält man die Regierung lange genug an der Macht, wird man zum Premierminister ernannt (da man nun „zu viel weiß“). Erregen jedoch auf dem Weg dorthin die als verdeckt gedachten Operationen zu viel öffentliche Aufmerksamkeit, läuft man sogar Gefahr, selbst eliminiert zu werden. All diese Enden werden mit einem sehr trockenen Sarkasmus präsentiert, was Floor 13 dann immerhin eine ironische Wendung verpasst – das ist auch wirklich nötig bei einem solch düsteren Szenario.

Kommentare (2) [Kommentar schreiben]

Mr Creosote (21.04.2012):
Pretty much the hardest thing about it at first is to correctly attribute each memo and event to the correct topic when more than one is occuring at the same time. Once you've got this down, it's not all that complicated anymore.
Wandrell (21.04.2012):
Always liked the game for the dark vision of politics it gives. But never was able to solve correctly any of the problems, the game ends being too confusing, no matter how many times I gave it a try.
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