XTreme Racing
für Amiga (AGA)

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Mr Creosote:
Firma: Silltunna Software / Black Magic
Jahr: 1995
Genre: Action, Sport
Thema: Cartoon & Comic / Fahren / Humor / Multiplayer
Sprache: English
Lizenz: Kommerziell
Aufrufe: 153
Rezension von Mr Creosote (01.05.2021)
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…und noch ein Mario-Kart-Klon. Nur dass anders als jenes Spiel XTreme Racing zu keiner erfolgreichen Reihe geworden ist. Wobei, klar, auf dem bereits beinahe zombifizierten Amiga wäre das auch schwierig gewesen. Das mag einer der Gründe gewesen sein. Vielleicht gab es weitere.

Das Verkaufsargument liegt/lag in dem Versuch, „echtes“ 3D darzustellen. Wo vorher die zahllosen Rennspiele der Marke Lotus es sich einfach gemacht hatten, bekommt man hier… klobige Pixeltexturen. Doch direkt damit beginnen bereits die Probleme. Wie auch die Entwickler der 3D-Shooter des Amigas mussten die Silltunna-Programmierer irgendwann der Realität ins Gesicht sehen: Dieser Computer war dafür einfach nicht gemacht. Auf reell existierenden Systemen mussten die Pixel deshalb gleich mal vervierfacht werden, um einigermaßen flüssig zu laufen. Wodurch die Grafik seltsam grob wurde.

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Harter Kampf um den 7. oder 8. Platz (kurz darauf verloren)

Dies wirkt sich auch auf die Charakterisierung der Fahrer/Rennwagen aus. Selbst in Spielen, in denen sie sich alle an sich gleich spielen, können ausgepräge wiedererkennbare Sprites Wunder wirken im Kopf des Spielers. Das funktioniert in diesem Spiel überhaupt nicht. Die Strecken gehen einigermaßen in Ordnung. Die Runden sind kurz gehalten und wiederkehrende Abschnitte gut erkennbar. Die Handhabung der Autos, mit großer Trägheit ausgestattet, kann man ebenfalls durchwinken. Auf den Strecken können Waffen aufgesammelt und gegen andere Fahrer eingesetzt werden, und besondere Felder drehen das Auto oder katapultieren es vorwärts.

Es könnte also insgesamt noch zur Qualifikation reichen, wenn auf nicht auf einem der vorderen Plätze. Letztendlich scheitert es aber trotzdem. Leider handelt es sich um eines derjenigen Spiele, deren Schwierigkeitsgrad völlig aus dem Ruder geraten ist. Bringt man eine Strecke fehlerlos hinter sich, kann man (mit etwas Glück) vielleicht mal als Sechster von Acht durchs Ziel brausen. Ein einziger Fahrfehler irgendwo, irgendwann und schon geht die Chance, auch nur einen einzigen Computerfahrer wieder einzuholen, gegen Null. Trotzdem muss man das Rennen natürlich zu Ende fahren, mehrere Runden reinen Frusts, ohne andere Wagen auch nur nahe, so dass selbst das Waffenarsenal nichts mehr bringt. Ein Problem, dass sich von Rennen zu Rennen weiter potenziert, da man das Preisgeld zwischen den Rennen zum Aufrüsten des Autos verwenden kann, so dass die Verlierer immer und immer weiter den Anschluss verlieren.

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Vierter in der letzten Runde? Wie konnte das bloß passieren?

Im Mehrspielermodus stellt sich die Sache etwas besser da. Verbindet man zwei Computer, können jeweils vier Spieler am Splitscreen zusammenkommen. Also insgesamt acht menschliche Spieler gleichzeitig. So haben alle erstmal die gleichen Chancen. Trotzdem bleibt der Eindruck, die Entscheidung zwischen Siegern und Verlierern hänge primär vom Glück statt Können ab.

XTreme Racing ist eines der Spiele, die von technisch begabten Ingenieuren stammen, denen jedoch Erfahrung und Talent für Spieldesign fehlt. Das grafische Konzept und das Multiplayerpotential dünsten geradezu Ambition aus. Doch das Design ist eben völlig durchschnittlich und die fehlende Balance verdammt Normalsterbliche permanent hinterherzufahren und auch gerne mal schmachvoll überrundet zu werden. Das macht wirklich keinen Spaß.

Kommentare (1) [Kommentar schreiben]

Herr M. (01.05.2021):
Hey the cover says it all! ;) MAXIMUM INTENSITY and Can you take the pace? I guess not, seems like the difficulty is too XTREMe. Well, when will racing game designers learn that it is not the graphics, nor the physics or an ace sound track but a good learning curve and smooth difficulty that keeps gamers playing? Off the top of my head the most fond memories of racing games where those which were easy to learn but hard to master, with an ever so slight increase of challenge from race to race. Like Screamer, Micro Machines or Need for Speed: Underground 2… OK the latter would be a prime example of cheating AI, but at least it did so in a good way.
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