ZorkQuest II: The Crystal of Doom
für PC (CGA)

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Mr Creosote:
Firma: Tom Snyder Productions / Infocom
Jahr: 1988
Genre: Adventure
Thema: Cartoon & Comic / Schwerter & Magie
Sprache: English
Lizenz: Kommerziell
Aufrufe: 210
Rezension von Mr Creosote (29.05.2021)
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Bitte lest zuerst den allgemeinen Artikel über die Infocomics.

ZorkQuest kommt die zweifelhafte Ehre zu Teil, der einzige Infocomic mit einem zweiten Teil zu sein. Was es historisch gleich doppelt interessant macht. Doch auch intrisisch betrachtet hat es etwas zu bieten, nämlich den deutlich größten Umfang, der die technischen und konzeptuellen Grenzen auslotet.

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Schönere Farben hätten dies zu einem guten Bild gemacht

Zwar beginnen wir am Ende es ersten Teils, als die verkleinerte Karawane endlich in der Stadt ankommt, doch The Crystal of Doom funktioniert auch als eigenständige Erzählung. Ein Duo böser Magier möchte sich der Macht eines gestohlenen Zauberbuches bedienen, um ungekannte Macht zu erlangen. Dazu benötigen sie einen dritten, idealerweise den am Ende von Teil 1 in den Kristall verbannten Bösewicht. Ein Handlungsstrang dreht sich also um die Versuche, jenen zu befreien. Doch dann ergeben sich organisch aus der Erzählung imer neue Zweige.

Wo die vorigen Spiele Verzweigungen primär nutzten, um temporär die Handlung aufzufächern, um sie dann gegen Ende alle wieder zusammenlaufen zu lassen, wird ihnen hier freier Lauf gelassen. Hier und da überschneiden sie sich nochmal, manchmal auf clevere Art und Weise, aber der großen finalen Auflösung fühlen sie sich nicht verpflichtet.

Das verbindende Element stellt das unterschwellige Thema des nahenden Bösen dar. Die scheinbaren Antagonisten sind die eigentlichen Protagonisten der Geschichte und konsequent endet es mit ihrem Erfolg, während die theoretischen Helden allesamt anderweitig, mit ihren eigenen Problemen beschäftigt sind. Fasst man ZorkQuest insgesamt als Trilogie auf (wie von Autorin Elizabeth Langosy bestätigt), ist es nur angemessen, den zweiten Akt mit der Peripetie enden zu lassen. Wie es hätte ausgehen sollen, werden wir jedoch nicht mehr erfahren:

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Wer diese Abzweigung nimmt, darf fast schon eine andere Geschichte erleben

„ZorkQuest was meant to be a trilogy and someone wrote to me out of the blue a dozen or so years ago to ask what the third story was meant to be. I couldn't remember by then and, in fact, don't remember much at all about the Infocomics themselves.“ [„ZorkQuest war als Trilogie gedacht und vor ungefähr einem dutzend Jahren schrieb mir jemand und fragte, was ich der dritten Geschichte hätte passieren sollen. Ich konnte mich nicht mehr erinnern und überhaupt erinnere ich mich nicht mehr viel an die Infocomics.“]

Betrachte man das Ganze intrinsisch, entwickelt Elizabeth ihr erklärtes Ziel des charaktergetriebenen Geschichtenerzählens fort. Anstatt wieder jedem seine eigene Perspektive auf die gleichen Szenen wie im Vorgänger zu geben, bekommt nun jeder seinen eigenen kleinen Handlungsbogen. Der Zauberer trifft im Angesicht der Apokalypse seine verlorene Liebe wieder. Die niederen Motive der jungen Frau fallen schicksalshaft auf sie zurück, aber es bleibt eine Chance auf Erlösung. Die böse Handlanger freundet sich entgegen seinen Absichten mit einem der Helden an. Wir treffen auf den Bruder des Waldläufers (interessanter, völlig unerwarteter Charakter!). Düstere, mysteriöse Figuren mit tief ins Gesicht gezogenen Kapuzen und von unklarer moralischer Motivation tauchen auf.

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Wäre atmosphärisch stärker, wenn die Illustration mithalten könnte

Insgesamt wird somit eine unterhaltsame Lektüre daraus, die in einer Handvoll offener, aber fesselnder Cliffhanger endet. Bis dahin ist die Erzählung voller einfallsreicher kleiner Details. Die winzigen Pilzwesen auf Rachefeldzug sind da nur die Spitze des Eisbergs. Die Geschichte des Händlers wirkt sogar so, als wäre hier in bester Comicmanier versucht worden, direkt eine weitere Serie zu starten, in der er Abenteuer im Land der Elfen erlebt.

Die Kehrseite dieses großen Umfangs ist allerdings, dass die grafische Qualität im Vergleich zum Vorgänger wieder gelitten hat. Die beinahe permanente Nacht lässt die Szenen optisch unangenehm aussehen, da dies Vorwand ist, den Hintergrund einfach komplett schwarz einzufärben und selbst im Vordergrund kaum Details zu zeigen. Formen bleiben viel zu häufig unausgefüllt. Die Bilder sind von großer Zahl, Wiederverwertung gibt es (überraschenderweise) fast gar nicht, aber viele wirken hastig zusammengeschustert.

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