The Telwynium: Book One – Winter's Dawn
für PC (Linux)

Mr Creosote:
Firma: Powerhoof
Jahr: 2021
Genre: Adventure
Thema: Schwerter & Magie / Unfertig
Sprache: English
Lizenz: Kommerziell
Aufrufe: 683
Rezension von Mr Creosote (24.07.2021)
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Ein rollenspielähnliches Grüppchen macht auf einer Waldlichtung Halt für die Nacht. Es sind die Überlebenden eines Dorfes, das von den Shadowfell überfallen wurde. Wäre da nicht die Magierin gewesen, hätte es keine Überlebenden gegeben. Die selbst Magierin, die die Gruppe nun in die Sicherheit der nächsten Stadt leiten will. Doch natürlich ist nicht alles wie es scheint und die Dinge nehmen einen unerwarteten Verlauf.

Wobei die Auflösung noch auf sich warten lässt. Im Falle von The Telwynium ist der Untertitel Book One ziemlich fehlgeleitet. Es ist nicht vergleichbar mit beispielsweise Fables & Fiends: The Legend Of Kyrandia, Book One. Kapitel 1 wäre eine fairere Behauptung gewesen. Insbesondere angesichts des riesigen Schlusscliffhangers.

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Selbst die Kurve eines Röhrenmonitors wird emuliert

Im Rahmen seiner Kürze gelingt es dem Spiel immerhin, das Interesse des Spielers zu wecken. Hinweise auf größere Themen werden immer wieder fallengelassen. Ob es die Naturmagie ist, derer sich nur Frauen bedienen können, die Gefahr der Schattenkreaturen, die verschienen Völker der Welt, die sich untereinander nicht grün sind usw.

Die gleiche Kürze lässt die explizite Erzählung allerdings etwas plump wirken. Subtilität ist für The Telwynium ein Fremdwort. Wenn im Finale der Protagonist scheinbar naiv bereits das Ende der Welt hinaufbeschwört, ist dem Spieler das bereits klar – aber das Spiel besteht trotzdem noch darauf. Der leichtgewichtige Plot versprüht trotzdem allseits Enthusiasmus. So weit, dass man sich nicht einmal sicher sein kann, ob der „Golen“ ein absichtliche, unbeholfene Variante oder ein waschechter (aber konsequent durchgezogener) Tippfehler ist.

Spielerisch gestaltet es sich ebenfalls leichtgewichtig. Die Erzählung steht im Vordergrund und so werden notwendige Aktionen dem Spieler durchaus auch einfach mal direkt verraten, soweit sie eben durch den Plot motiviert sind und diesen vorantreiben. Andere Probleme lösen sich durch simples Ausschöpfen aller Multiple-Choice-Optionen in den Dialogen. Objektbasierte Rätsel gibt es immerhin auch noch, was man ja nicht von allen heutigen Indie-Adventures behaupten kann. Schon allein durch den begrenzenten Suchraum sind die Lösungen naheliegend und bewegen sich in logischen Gefilden.

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Unmöglich, über diesen reißenden Fluss zu gelangen!

Grafisch möchte man an die Sierra-Spiele der späten 80er und frühen 90er Jahre erinnern. Die Farbinterpolation setzt die Hintergründe gut in Szene und Hotspots – obwohl technisch nicht unterscheidbar – sind generell gut zu entdecken. Die Animationen bewegen sich im Bereich des Erwarteten. Schade in diesem Zusammenhang jedoch, dass zentrale Ereignisse gar nicht animiert wurden. Stattdessen wird ausgerechnet dann, wenn das Drama hohe Wellen schlägt, auf Textboxen umgestellt, die nur beschreiben, was man eigentlich sehen sollte. Eine verständliche Einschränkung (vergleichsweise großer, nicht wiederverwertbarer Arbeitsaufwand), aber trotzdem wäre das anders schöner gewesen. Bei der abwechslungsreichen Musik gibt es dagegen nichts zu meckern.

Insgesamt also gute Unterhaltung für eine Stunde. Dank moderner Designparadigmen (kein Tod, keine Sackgassen usw.) eine unbekümmerte Spielzeit. Klar, viel mehr als ein leicht erweiterter Trailer ist es noch nicht, aber es macht Lust auf mehr. Was ja wohl der Sinn der Sache war, oder? Ich für meinen Teil würde das zweite „Buch“ vorbehaltlos installieren.

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