Captain Cutter's Treasure
für Interpreter (Z-Code)

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LostInSpace:
Firma: Garry Francis
Jahr: 2021
Genre: Adventure
Thema: Piraten / Textbasiert
Sprache: English
Lizenz: Freeware
Aufrufe: 162
Rezension von LostInSpace (07.09.2021)
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Im Mai 2021 wurde der Gewinner eines kleinen Wettbewerbes für selbst erstellte Textadventures gewählt. Die Teilnehmer des PunyJam hatten die Aufgabe, das Spiel in einem Raum beginnen zu lassen, der Broom Closet, also Besenkammer, heißt. Auch die Beschreibung des Raumes war genau vorgegeben. Der Rest des Spiels blieb dann jeweils der Phantasie und Kreativität des Autors überlassen. Daraus entstanden 8 verschiedene Textadventures, die von einer Jury bewertet wurden. Die Entscheidung war denkbar knapp. Der erste Platz unterschied sich nur in der zweiten Nachkommastelle vom zweiten Platz.

Die Frage warum man sich in einer Besenkammer befindet und was auf dem Notizzettel an der Wand steht, wirft den Spieler unvermittelt ins Geschehen. Er erfährt, dass eine Horde Seeräuber in die städtische Hafenkneipe eingedrungen sind, um einen Schatz wiederzubekommen. Dieser wurde vom Kneipenbesitzer Harold vor ihnen versteckt. Da er das Versteck nicht verriet, haben die Piraten seine hübsche Tochter als Geisel mit auf ihr Schiff im Hafen genommen.

Als guter Angestellter und Freund von Harold steht die Aufgabe fest: Brenda muss wieder aus deren Klauen befreit werden. Also habe ich die Herausforderung angenommen und mich daran gemacht adventure-typisch jeden Raum zu betreten, mich genau umzuschauen und alles einzusammeln, was zu bekommen ist. Der Befehl „TAKE ALL“ erleichterte die Aufgabe. Etwas schwieriger war für mich die aufgesammelten Gegenstände mit sinnvollen englischen Verben in einen Zusammenhang zu bringen. Denn das allgemeine Verb „USE“ konnte ich im ganzen Spiel nicht anwenden. Um zum Beispiel das Ruderboot zu bewegen, ist „USE BOAT“ anscheinend zu allgemein. Erst mit „ROW BOAT“ war ich erfolgreich. Hier musste ich im Gegensatz zu den gängigen Grafikadventures ein bisschen öfter probieren, um etwas eigentlich Offensichtliches zu erreichen. Dies ist aber kein Kritikpunkt, sondern einfach dem Genre geschuldet.

Da das Spiel keinerlei Grafik aufweist, muss der Spieler die Hinweise dem Text entnehmen. Hier fühlte ich mich jedoch fair behandelt. Die im Text erwähnten Requisiten werden auf Nachfrage aufschlussreich beschrieben und stecken voller wertvoller Hinweise. Dadurch läuft das Durchspielen auch angenehm unterhaltsam ab. Die Puzzles verdienen durchaus die Bezeichnung Puzzle, da sie zwar nicht offensichtlich sind, aber mit logischer Kombinationsgabe gelöst werden können. Eines der eher anspruchsvollen Rätsel ist den echten Schlüssel für die Schatzkiste gegen einen anderen auszutauschen. Den Tipp kriegt man direkt von Brenda serviert, wenn man sie danach fragt. Aber schon bei ihrem ersten Auftritt sagt sie, dass sie eine Idee hat. Auch Fehlversuche werden hilfreich kommentiert, so dass die gesuchte Lösung auch durch stures Ausprobieren gefunden werden kann. So wird beim Versuch, auf dem Piratenschiff Verwirrung durch Anzünden eines Strohballens an den falschen Stellen der Kommentar gegeben, dass der Rauch an dieser Stelle nicht gut abzieht. Erst an der korrekten Stelle kann man das Stroh anzünden.

Das Spiel ist insgesamt nicht sehr umfangreich und ähnelt eher einem kurzen Ausflug als einem ausgewachsenen Adventure-Trip. Wer ZORK I gespielt hat, kennt das Haus, in das man seine Trophäen nach den bestandenen Quests zurückbringt, und weiß, dass dies nur der Ausgangspunkt in die weiten Gefilde ist. In Captain Cutter's Treasure ist der gesamte räumliche Umfang in etwa nur so groß wie dieses Haus allein. Die Figuren sind stereotyp: böse Piraten, schöne Braut, besoffene Hafenarbeiter. Auch die Kulisse ist sehr clichéhaft: Piratenschiff, Hafenkneipe, Leuchtturm. Aber gerade durch diese sofort in der Phantasie präsenten Bewohner fühlt sich die Umgebung lebendig und interessant an. Dem Spieler wird die Freiheit geboten, interaktiv ein Märchen aus seiner Kindheit zu betreten.

Generell kann sich der Spieler dabei in keine ungewinnbare Sackgasse verrennen. Bei allzu großer Sorglosigkeit beenden jedoch die brutalen Piraten mit Gewalt das Spiel vorzeitig und ein Reload ist notwendig. Das ist beispielsweise der Fall, sollte man versuchen, die Piraten bei der Beschaffung des Schatzes zu betrügen. Ähnlich wie bei älteren Sierra-Spielen gestaltet diese Sterblichkeit den Helden ein bisschen realistischer. Nach dem Durchspielen habe ich noch einen Hinweis auf nicht gefundene „Easter Eggs“ erhalten. Ehrlicherweise war ich dadurch nicht motiviert genug, das Spiel daraufhin erneut zu untersuchen.

Insgesamt habe ich mit Captain Cutters Treasure angenehme 2 Stunden verbracht. Der Handlungsverlauf war spannend und motivierend. Eine Piratengeschichte in der Light-Version ohne jedweden epischen oder gar literarischen Anspruch. Neben der Z-Datei wird auf der Webseite auch eine 8-bit Version angekündigt.

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