Captain Dynamo
für PC (VGA)

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LostInSpace:
Firma: Codemasters
Jahr: 1992
Genre: Action
Thema: Cartoon & Comic / Science Fiction
Sprache: English
Lizenz: Freeware
Aufrufe: 95
Rezension von LostInSpace (13.10.2021)
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Manch einer will in seinem Leben hoch hinaus. Für einen Superhelden im Ruhestand ist dieses Lebensziel schon lange erreicht und nur sehr gute Gründe werden ihn dazu bewegen, nochmal in seine Heldenstrumpfhosen zu steigen. Auf Details dieser Hintergrundgeschichte komme ich später zurück. Am Ende führt der Weg des Pensionärs Ernest P. Dynamo – besser bekannt als Captain Dynamo – erneut immer weiter in die Höhe in diesem ausschließlich vertikal scrollenden Hüpfabenteuer.

Denn zu seinen Superkräften zählt nicht der Angriff durch eine irgendwie geartete Waffe, sondern nur das Springen und durch zusätzliches Drücken der Pfeil-Nach-Oben-Taste der Supersprung. Die sehr spärlich verteilten Gegner können durch gezieltes Draufhüpfen eliminiert werden. Ein leichtes Unterfangen, da sie wie in Zeitlupe kriechen. Auch wird Captain Dynamo nicht auf Endgegner treffen, um seine Sprungeskraft unter Beweis zu stellen. Einzige Herausforderung ist das Erreichen der nächsthöheren Plattform mittels gekonnter Sprünge und teilweise zusätzlich durch Sprungfedern unterstützt.

Dabei machen dem Spieler hauptsächlich Dornen das Leben schwer. Aber auch elektrische Lichtbögen, Fallbeile, Wasserbecken oder kreisende Hackmesser sind geschickt zu umgehen. Denn sonst droht bei simpler Berührung das Ableben und damit der Verlust von einem der gerade mal zwei anfangs vorhandenen Leben, die im Verlauf des Spiels auch nicht signifikant erhöht werden können. Atmosphärisch gesehen, wird ein futuristischer Unterton vermittelt. Beispielsweise schwebende Plattformen, die durch kleine Steuerdüsen in Position gehalten werden. Dazu kommen jedoch auch altbackene Elemente wie Sprungfedern oder Fallbeile.

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Und ab der Kopf

Im Ergebnis spiegelt sich darin die altersbedingte Tollpatschigkeit vor dem Hintergrund der Superkräfte des Helden. Die Steuerung von Captain Dynamo geht einwandfrei von der Hand. Das teilweise pixelgenau Springen ist nicht direkt unfair. Böse sind nur die ärgerlichen vermeidbaren Fehler, die bei erhöhter Unkonzentriertheit rasch wieder an den Start von Level 1 befördern und das End-Level 6 in unerreichte Ferne rücken lassen. Ja, richtig: Speichern des Spielstands ist nicht vorgesehen, genauso wenig wie die passwortgesteuerte Levelauswahl.

Insofern ist das Spiel zwar objektiv nicht wirklich umfangreich bzw. lang, aber man darf sich auf der gesamten Strecke so gut wie keinen Fehler erlauben. Dadurch ist das Spiel aus meiner Sicht eben doch zu anspruchsvoll, um ohne große Frustration bis zum Ende zu kommen. Motivation dabei ist das butterweiche Scrolling, die gelungene knuffige Grafik und der sagenhaft gute Soundtrack. Zwar nur in Adlib-Form, aber für ein eher unbekanntes Jump'n'Run ein echter Ohrwurm. Den Gegenwert eines Budget-Spiels hat man damit eigentlich schon in der Tasche. Daher mögen interessierte Leser an dieser Stelle das Spiel einfach selber ausprobieren und ab hier nicht mehr weiterlesen.

Allerdings liegen im Detail betrachtet auch einige Kritikpunkte vor. Speziell auf die hier vorliegende DOS-Version bezogen, die der für Amiga und Atari ST sehr ähnlich sieht. Die ebenfalls existierenden 8-Bit-Implementierungen sind sowohl grafisch als auch inhaltlich teilweise erheblich abweichend und in dieser Rezension nicht eingeschlossen.

Da ist als erstes die ziemlich auffällige Behäbigkeit des Sprites. Die Bewegung ist grafisch wunderbar umgesetzt: Das Cape flattert im Wind und die Animation ist comicartig und drollig. Doch der Ablauf ist geradezu schmerzhaft langsam. Man sucht instinktiv die Turbo-Taste am PC. Die In-Game-Music ist wie oben geschildert traumhaft, aber auf FX wurde wiederum komplett verzichtet. Das Aufklauben von Diamanten wird durch eine tolle Animation mit Anzeige der entsprechenden Punktezahl professionell in Szene gesetzt. Aber kein Kling oder Klong aus dem Lautsprecher.

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Schlange, krieg ich dich!

Das Leveldesign ist außerdem sehr gleichförmig. Im ganzen Spiel bekommt der Spieler nur zwei unterschiedliche Hintergründe zu Gesicht. Die Gegner und Fallen bleiben dahingegen in beiden „Welten“ gleich. Wer trotz fehlender Speicheroption das Ende des Spiels erreicht hat, erwartet wenigstens einen schön gestalteten End-Bildschirm. Tatsächlich wird nur eine Text angezeigt, der auf die erfolgreiche Rettung der Welt verweist. Genauso fehlt auch beim Start des Spiels ein Introbild. Und zuguterletzt: der fehlende Bezug zur oben schon erwähnten Story.

Die absurd-komische Geschichte um den Superhelden Captain Dynamo hätte sicherlich sehr vorteilhaft für das Erscheinungsbild des Spiels genutzt werden können. Diese liest sich wie folgt: Ein gewisser Austen Von Flyswatter klaut die größte Diamantensammlung der Welt und versteckt sie auf dem Mond. Die rechtmäßige Besitzerin Lady Phyllis Uppenhoofen lässt ihren weiblichen Charme spielen, um den pensionierten Superhelden Ernest P. Dynamo zur heldenhaften Rettung der Reichtümer zu ermuntern. Die im Spiel gezeigten grafischen Fähigkeiten der Programmierer hätten daraus einen einprägsamen Rahmen basteln können, der Captain Dynamo besser und auch verdientermaßen aus der Menge abhebt. Die DOS-Version wirkt insofern noch etwas unfertig und verbleibt im Gesamtkontext des Genres zu jener Zeit eher im Mittelmaß.

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