Get Witchy
für C64

LostInSpace:
Firma: Digital Monastery
Jahr: 2019
Genre: Action
Thema: Fliegen / Horror / Einzigartig
Sprache: English
Lizenz: Freeware
Aufrufe: 372
Rezension von LostInSpace (31.10.2021)
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Der französische Retro-Game-Publisher Double Sided Games hat 2019 einen Halloween Game Dev Competition ausgerufen. Unter den 6 Einsendungen ist der Gewinner in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Die Entwickler des Spiels Get Witchy kreuzten das Kult-Handy-Spiel Flappy Bird mit Halloween-Elementen und toppten das Ganze mit einer neuartigen Steuerung. Mit dem Ergebnis trollten sie in beispielloser Weise die eher aus der Amateurecke agierende Konkurrenz.

Wie bereits angedeutet, bewegt sich der Spieler in Form der typischen besenreitenden Hexe auf einer unendlichen Reise durch den Nachthimmel. Vorbei an kleinen Babygeistern, Fledermäusen, Kürbissen, zuckenden Blitzen und erwachsenen Gespenstern macht sie sich dabei über allerlei in den Wolken verteilten Süßigkeiten wie Bonbons oder Zuckerstangen her. Das Einsammeln bringt pro Stück einen Punkt auf der Highscoreliste ein und die Berührung der Gegner endet mit dem sofortigen Ableben. Man startet dann wieder am Anfang der Bahn.

Die Steuerung ist das aufregenste an der ganzen Geschichte. Das Spiel kommt mit nur einer Taste aus. Beim Drücken derselben taucht Witchy nach schräg rechts unten ab. Je länger man gedrückt hält, desto weiter. Beim Loslassen bekommt sie dann einen Aufwärtsschwung. Durch schnell aufeinanderfolgendes Drücken simuliert man quasi einen Vogelflug, der ja auch im Takt des Flügelschlagens auf und ab geht. Ein Rückwärtsgang ist nicht eingebaut. Da der Bildschirm mit den Geistern aber insgesamt die ganze Zeit weiterscrollt, driftet die Hexe bei Stillstand automatisch mit nach hinten. Verschwindet Witchy dadurch ganz vom Bildschirm, ist das Spiel aus. Genauso darf der obere und untere Bildschirmrand nicht übertreten werden. Der Spieler muss also möglichst im Zentrum bleiben und dabei den herannahenden Gegnern geschickt ausweichen und gleichzeitig die Bonbons einsammeln.

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Süßes oder Saures?

Das Spielgeschehen ist durch die drollige Animation der fliegenden Bewegung von Hexe und Geistern sehr ansehnlich. Mit den einrahmenden Wolken wird durch Parallaxscrolling ein beeindruckender 3D-Effekt erzielt. Das durchgehende Musikstück wirkt durchaus animierend, kann aber auch abgeschaltet werden. Beim Eintragen in die Highscoreliste ist ein weiteres Stück zu hören, das meiner Meinung nach sogar noch besser als die eigentliche In-Game-Musik ist. Denn im zweiten Thema klingt etwas mehr düstere Halloweenstimmung an. Aber vielleicht wollte man das Spiel so zugänglich und casual wie möglich designen. Sound FX ist ebenfalls zu hören und bei Kollision mit einem Gegner ertönt ein Knall, wobei sogar der ganze Bildschirm kurz wackelt.

Die Ein-Knopf-Bedienung folgt einer steilen Lernkurve: wer nach einigem Probieren den Dreh heraus hat, der tastet sich durch stetige Erfolge motiviert schließlich in der Highscoretabelle ganz nach oben. Das Spiel startet bei einem Fehlversuch nach nur einem Tastendruck sofort von vorn. Dadurch tritt der Effekt auf, immer wieder ein „aller letztes Spiel“ spielen zu wollen. Die Einbettung in das Halloweenthema ist einprägsam. Herausgekommen ist ein zeitlos gutes Spiel und mein Glück könnte nur durch Implementierungen auf weitere 8-Bit-Systeme noch gesteigert werden.

In jeder Hinsicht wurde offenbar an diesem Spiel gefeilt und die technische Umsetzung einer wirklich tollen Spiele-Idee erzielt. Sicherlich war nicht nur ich überrascht, einen derartigen Kandidaten in einem Amateurwettbewerb vorzufinden. Die Vermutung sei gestattet, dass hier Piratenmarketing mit einem bereits fertig in der Schublade liegenden Produkt betrieben wurde. Denn durch den Gewinn war dem Spiel quasi kostenlos die Aufmerksamkeit eines großen Kreises von Retrospielkunden gewiss. Fairerweise sei erwähnt, dass Get Witchy Freeware ist.

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