MechForce
für Amiga (OCS/ECS)

Mr Creosote:
Weitere Titel: BattleForce, MechCombat
Firma: Ralph H. Reed
Jahr: 1989
Genre: Strategie
Thema: Science Fiction / Krieg
Sprache: English
Lizenz: Shareware
Aufrufe: 636
Rezension von Mr Creosote (09.04.2022)
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BattleTech machte sich in der Brettspielwelt der 1980er Jahre ziemlich schnell einen Namen. Das Konzept, riesige Kampfroboter in Schlachten gegeneinander antreten zu lassen, sprach den inneren Nerd in Vielen an. Die Regeln waren durchdacht, ausbalanciert, detailliert, aber nicht zu komplex. Das System erwies sich außerdem als gut skalierbar, so dass man kleine Duelle von 15 Minuten ebenso aufsetzen konnte, wie epische Schlachten ganzer Armeen. Wobei Armeen trotzdem relativ zu verstehen war. Mehr Roboter, als man an zwei Händen abzählen konnte, hatte man eigentlich niemals, so dass jeder einzelne wichtig war. Einem sogar richtig ans Herz wuchs, was beinahe schon Rollenspielzüge annahm.

MechForce (frühe Versionen kamen unter dem Namen BattleForce heraus) ist eine unlizensierte Computerumsetzung, die unter dem Radar der FASA-Anwälte blieb. Als Shareware war es niemals auf den Regalen der Kaufhäuser zu finden und außerdem existierte es ohnehin nur auf einem recht kleinen System. So konnte sein Entwickler über mehrere Jahre immer neue Versionen herausbringen. Eine bewundernswerte Hingabe, die mit einer ebenso hingebungsvollen Kultgefolgschaft belohnt wurde.

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Steril, aber praktisch

Engagement seitens des Spielers ist auch definitiv notwendig, denn rein ästhetisch erinnert das Spiel in etwa an eine Steuererklärung. Es benutzt sich auch ähnlich intuitiv. Doch dahinter versteckt sich für Eingeweihte doch alles andere als eine nervige Pflicht.

MechForce ist nicht weniger als die umfangreichste Computerumsetzung der ersten Ausgabe der Brettspielregeln – vom Auswürfeln der Piloten bis hin zum Ausrüsten der Mechs und derer Zusammenstellung in eine Kampfeinheit. Schlachtfelder können selbst erstellt werden, ebenso Missionsziele. Version 4.0, dann neu benamst als MechCombat, brachte schließlich die Erweiterungen der zweiten Ausgabe, also beispielsweise Clan-Technologie und ein paar nicht-robotische Fahrzeuge, blieb aber im Kern das bekannte Spiel.

Mag es unbestreitbar gut sein, all diese Optionen zu haben, liegt die potentielle Krux darin, dass man das auch alles tun muss. Zufallskarten kann man erwürfeln lassen, aber ansonsten gilt es, schön manuell Hand anzulegen. Einfach mal schnell loslegen? Nicht so einfach. Wobei echte Fans natürlich wissen, dass die Hälfte der kriegsentscheidenden Entscheidungen ohnehin vor der Schlacht getroffen werden. Die Zeit ist also gut investiert. Neulinge wird das unintuitive Zusammenspiel dieser Einzelprogramme jedoch einige Nerven kosten.

Nicht unähnlich stellt sich dann das Schlachtgeschehen dar. Abkürzungen sind nicht vorgesehen. Erstmal schön Initiative auswürfeln, dann folgt die erste Bewegungsphase, Drehung des Torsos, das Abfeuern der Waffen, eventueller Einsatz der Sprungdüsen… hoppla, nochmal würfeln, ob wir die Balance behalten und so weiter und so fort. Die Bedienung ist immerhin effizient, ohne Schnickschnack, aber wie da mit Spezialbegriffen um sich geworfen wird, ist nicht selbsterklärend.

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Der Ausrüstungsbildschirm

Die taktischen Facetten sind natürlich umfangreich. Energiewaffen haben unterschiedliche Feuerraten, Projektilwaffen begrenzte Munition. Verschiedene Trefferzonen können anvisiert werden. Die Gesamthitze muss im Auge behalten werden. Ins tiefe Wasser zu treten hilft diesbezüglich, verlangsamt aber das Vorankommen und macht auch das Abfeuern einiger Waffen unmöglich. Höhenunterschiede haben einen nicht zu verachtenden Einfluss auf die Zielgenauigkeit. Einige Waffen benötigen ein freies Sichtfeld zum Spiel, andere können in einer Kurve fliegen (also Hindernisse überwinden). Inmitten von Bäumen ist man schwieriger zu treffen, aber andererseits möchte man sich sicher nicht in einem Buschbrand wiederfinden. Und zuguterletzt sind die hochgezüchtetsten Mechs mit einem Schlag hilflos, sobald ihr Pilot ausgeschaltet ist.

Wie im Brettspiel wachsen einem die Piloten und Roboter schnell ans Herz. Jeder Verlust ist ein wahrer Schlag. Gerät ein Pilot in Gefangenschaft, sitzt einem das Lösegeld wahrscheinlich locker. Die geringe Größe der Gesamttruppe macht jeden Mitstreiter wertvoll. Langfristige Entwicklung, sowohl der Fertigkeiten, als auch der Ausrüstung, verstärkt diese Bindung nur noch weiter.

MechForce ist somit ein Spiel, das mit fortschreitender Spielzeit immer besser wird. Die ersten Stunden, die ersten Tage, vielleicht sogar die ersten paar Wochen ziehen sich stellenweise ein wenig. Doch kommt erstmal Schwung in die selbstgemachte „Kampagne“, baut man mit seinem Söldnerteam langsam einen Ruf auf, spielt es seine Stärken aus.

Eine Geschichte sollte man in dieser Kampagne ebensowenig erwarten, wie oberflächliche Abwechslung. Wie eben das ursprüngliche Brettspiel dreht sich hier alles um das Zusammentreffen riesiger Roboter. Andere Gefährte gibt es – je nach Version des Spiels – keine oder nur wenige. Städte oder sonstwie besonderes Terrain findet man genausowenig. Man spielt für die taktische Herausforderung sowie die Fortentwicklung der Söldnergruppe.

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Gruppenmanagement

Doch wer kommt überhaupt so weit? Man darf sich nichts vormachen, es handelt sich hier weniger um eine Adaption des Brettspiels als vielmehr eine Übersetzung auf das Computermedium. Kompromisse werden nicht gemacht. Funktion des Computers ist, über den Spielstatus Buch zu führen und Zufallszahlen einzuschleusen, sowie stets als Gegner bereitzustehen.

Es versucht niemanden zu bekehren, der nicht bereits BattleTech-Fan ist. Dabei richtet es sich nicht an diejenigen, die auf die schönen handbemalten Miniaturen stehen. Für diejenigen, die aus Spieltaktik ihr Interesse ziehen, ist es dagegen das Spiel überhaupt. Dass logischerweise spätere Regelwerke nicht mehr Teil des Computerspiels geworden sind, erhöht die Einstieghürde noch weiter. Aber trotzdem, als ich es nun nach Jahren mal wieder angeworfen habe, war ich schnell wieder gefesselt.

Zuguterletzt sei noch erklärt, dass obwohl ich weitgehend den Namen MechForce verwendet habe, MechCombat natürlich die Version ist, die es zu spielen gilt. 1992 war dies der Höhepunkt der kontinuierlichen Entwicklung unter immerhin drei verschiedenen Namen. Spielerisch gibt es keinerlei Nachteile. Doch seine Zeit war da bereits vorbei. Der Titel der mittleren Version blieb der bekanntere.

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