Girl's Club – The Fantasy Dating Game
für CD-i

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Mr Creosote:
Firma: Philips P.O.V. Entertainment / Philips Interactive Media
Jahr: 1992
Genre: Denkspiel
Thema: Humor / Multiplayer / Quiz
Sprache: English
Lizenz: Kommerziell
Aufrufe: 507
Rezension von Mr Creosote (07.05.2022)
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Nun schreibe ich also über ein Spiel namens Girl's Club. Nachdem ich es tatsächlich gespielt habe. Obwohl ich natürlich kein Mädchen im Teenageralter bin. Ach so, und eventuell ebenfalls erwähnenswert ist natürlich, dass ich es mir 30 Jahre nach Erscheinen zu Gemüte geführt habe. Es mag seitdem „leicht“ gealtert sein. Doch wer angesichts all diesem nun eine Spotttirade erwartet, ist hier falsch. Ehrlich gesagt kann ich Girl's Club nichts Entscheidendes vorwerfen.

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Ist das nicht mindestens zweimal der gleiche nur mit anderen Haaren?

Im Kern wird hier ein clichéhaftes Partyspiel einer Pyjamaparty junger Mädchen nachgestellt. Alles dreht sich um die Jungs aus der Schule. Rundherum Gekicher. Man malt sich aus, wie sie wohl wirklich sein mögen. Es wird getratscht, wer wohl auf wen steht. Machen Mädchen das wirklich? Keine Ahnung. Aber genau dieses Bild zeichnen immerhin Sitcoms und Teeny-Comedy-Filme seit Jahrzehnten.

Nimmt man diese Prämisse als gegeben hin, ist das Spiel professionell gelungen. Gefilmte Darstellerinnen agieren vor sichtbar gezeichneten Hintergründen, die gar nicht echt aussehen sollen. So kommt gleich mal unernste Stimmung auf. In mehreren Phasen dürfen die Spielerinnen ihren Traumtypen definieren. Wie zieht er sich an? Welche Charakterzüge hat er? Daneben gilt es, aus den verfügbaren Charakteren passende herauszufiltern und Schritt für Schritt mehr über sie zu erfahren. In der Hoffnung, sie mögen genau so sein wie erträumt.

Spoiler: Natürlich sind sie das nie. Die Typen im Angebot haben alle ihre ganz eigene Überraschung parat. Allesamt sind die clichéhafte Archetypen aus TV-Sitcoms. Wen man also auch auswählt, es gibt immer viel zu fantasieren (denn sie sehen alle aus wie die Coverboys einer Zeitschrift für junge Mädchen der frühen 90er) und auch zu bekichern. Ihre Spleens mag man letztlich sogar ganz liebenswert finden. Auf dorkige Art. Denn so sind Jungen nun mal in dieser Fantasiewelt.

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Modepüppchen sucht gleichgesinnten Partner

Spielerisch gesehen ist die Herausforderung streng genommen niedrig. Theoretisch könnte man im Rahmen der Regeln optimieren, aber ob man das tut oder nicht spielt letztendlich keine entscheidende Rolle. Der Spaß entsteht vielmehr dadurch sich auszumalen, wie diese virtuellen Verehrer wohl sein könnten, sowie zu raten, wen davon die Mitspielerinnen wählen werden, nur um dann doch wieder im nächsten Videoclip mit einer unerwarteten Enthüllung konfrontiert zu werden. Die Laune bleibt gut, es geht Schlag auf Schlag voran.

Die beschränkten Fähigkeiten des CD-i werdne gut genutzt. Der Spielstatus wird natürlich zuverlässig aufgezeichnet. Was die Spielerinnen wählen, geschieht bei Bedarf geheim. Die Videoqualität ist der Zeit angemessen. Insgesamt kann sich die Produktion sehen lassen. Eine damals halbwegs bekannte Nase einer kurzlebigen Sitcom taucht als Moderatorin des Spiels auf. Ihre Szenen haben Schwung und gehen gut mit dem Problem, dass sie ja eigentlich hauptsächlich Spielmechanik an die Kamera gerichtet erklärt, um. Alles beginnt sogar mit einem eigens komponierten Titellied! Fehlende Spielerinnen vor dem Fernseher können durch virtuelle Freundinnen ersetzt werden, die dann ebenso auf dem Bildschirm erscheinen, mehr oder weniger passende Kommentare zum Stand des Spiels von sich geben und man man darf sogar zusehen, wie sie die Fernbedienung des CD-i benutzen (!).

Natürlich findet das alles in engen Schranken statt. Eine Partie beschäftigt sich mit vier potentiellen Traumjungs von insgesamt 30. Da auch ihre Parts natürlich gefilmt sind, ist das, was sie von sich geben, natürlich jedes Mal gleich. Mehrfach zu spielen ergibt irgendwann also nur beschränkten Sinn. Dazu kommt, dass die Beschreibung des großen Abschlussdates jeder Spielerin mit ihrem gewählten Partner ausschließlich auf Basis der Übereinstimmung der gewählten Präferenzen der Spielerin und dem Jungen generiert wird. Große Übereinstimmung führt zu einem besseren Verlauf, aber die Aktivitäten selbst, zu denen es kommt, passen nicht notwendigerweise zu dem Charakter des Jungen. Der Umweltschutztyp lädt seine Herzensdame dann auch mal zu einer Fahrt in seinem SUV ein.

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Wen sie wohl gewählt hat?

Doch auch das kommuniziert nur wieder: bloß nicht zu ernst nehmen. Letztlich ist das gesamte Spiel ohne Konsequenz. Girl's Club bietet oberflächliche Unterhaltung, aber nichts darüber hinaus. Es hält genau das, was es verspricht. Ja, was Anfang der 1990er Jahre als total hip galt, ist heute – insbesondere auf 120 gedreht wie hier – schwierig anzuschauen. Kleidung, Haare, Ausdrucksweise… Es ist eben das Clueless der Videospiele.

Ob eine echte Gruppe heranwachsender Mädchen daran ihren Spaß haben könnte? Das darf man in Zweifel ziehen. Wäre es nicht viel spannender, über die echten männlichen Mitschüler zu spekulieren? Das werden wir wohl erst erfahren, wenn sich eine solche Gruppe zum Experiment bereiterklärt. Leicht unwahrscheinlich. Doch andererseits: Welche heutigen Teenager gucken denn bitte noch Clueless?

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