Simutrans
für PC (Linux)

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Mr Creosote:
Firma: Simutrans Community
Jahr: 1999
Genre: Strategie
Thema: Multiplayer / Logistik
Sprache: English, Deutsch
Lizenz: Freeware
Aufrufe: 417
Rezension von Mr Creosote (25.06.2022)
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Die Modelleisenbahn wird niemals sterben. Aber wer hat schon die Fläche, eine wirklich riesenhafte zu bauen? Und selbst wenn, will man sie doch irgendwann sicher auch mal umbauen, oder? Spiele wie Railroad Tycoon und Transport Tycoon nährten ihren Erfolg teilweise von dieser Kleinjungenfantasie, Schienen zu verlegen und dann eine Dampflok von A nach B fahren zu lassen. Heutzutage ist die üblicherweise ausgesprochene Empfehlung für derlei Freuden OpenTTD.

Simutrans existiert dagegen in relativer Unbekanntheit. Seit 1997 befindet es sich – erst als Freeware, mittlerweile als Open Source – in Entwicklung. Jeder, der mal eines der erwähnten Spiele gesehen hat, weiß, worum es geht: Verbindungen herstellen, Waren und Menschen transportieren und daraus Profit generieren.

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Stau – da braucht es Ausweichrouten!

Hauptunterscheidungsmerkmal des Spiels ist, dass alles einen Zielpunkt hat. Passagiere wollen nicht einfach nur irgendwo abgeladen werden, sondern dort aussteigen, wo sie hinwollen. Die Kohle muss nicht zu einem Kraftwerk, sondern genau jenem, mit dem der Grubenbetreiber einen Vertrag hat. Ach ja, und schifft man wiederum andere Kohle zur Eisengießerei, dann sollte man sich nicht darauf verlassen, diese Linie ewig weiterbedienen zu können. Sobald die Lager voll sind, braucht sie einfach keine Kohle mehr – bis irgendjemand auch Eisenerz ranschafft, damit die Produktion überhaupt mal in Gang kommt. Dann aber bitte auch nicht vergessen, das produzierte Eisen abzutransportieren.

Hinter diesen leicht verständlichen Beispielen steckt ein anderswo ungekannter Komplexitätsfaktor. Anders als in ähnlich gelagerten Spielen simuliert Simutrans die Spielwelt als Ganzes. OpenTTD, selbst mit seinen optionalen Einstellungen, nähert einen globalen Status seiner Welt immer nur dadurch an, jede Stadt, jede Industrie für sich lokal zu simulieren.

Dadurch entsteht eine andere Herausforderung für den Spieler. Das kapitalistische Wachstumsparadigma bleibt, aber der Weg dorthin und die Auswirkungen der Spielerentscheidungen sind deutlich weniger unmittelbar. Diesen typischen Punkt einer Partie, an dem das Geld schneller sprudelt, als man es ausgeben kann, kann man hier eigentlich niemals erreichen. Die laufenden Ausgaben gegen die bescheidenen Profite auszubalancieren und ein kleines, kontrolliertes Wachstum oben drauf zu packen, erfordert einige Planung. Wirklich komplexe Transportketten zu bedienen ist nur mittels großer Einstiegsinvestitionen von anfangs undenkbarem Volumen überhaupt möglich, da ein Ausbau Schritt für Schritt nicht funktioniert.

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Tschu-tschuuuuuu!

Angesichts solcher struktureller Unterschiede befinden sich Simutrans und OpenTTD trotz oberflächlicher Ähnlichkeiten eigentlich gar nicht in Konkurrenz zueinander. Vielmehr ergänzen sie sich, da sie unterschiedliche Ziele verfolgen. Letzteres Spiel entspricht mehr der Modelleisenbahn, ersteres versucht die ernsthafte Simulation eines Transportnetzwerks zu sein. Keines der beiden ist besser als das andere – ich selbst spiele beide mit großer Regelmäßigkeit.

Eingestehen muss man allerdings, dass Simutrans nicht so aufpoliert ist wie jenes andere Spiel. Zwar gibt es zahlreiche Grafiksets, aber so klar wie das voreingestellte von OpenTTD ist keines. Wegfindungsroutinen und Signalsysteme funktionieren dort ebenfalls verlässlicher. Die Bedienung geht ebenfalls nicht ganz so glatt. Hier und da braucht man zu viele Klicks, Informationsdialoge belegen zu viel Platz auf dem Bildschirm, als dass man sie längerfristig sichtbar halten könnte. Und um nochmal auf die Grafiksets zurückzukommen, warum sind diese bitte untrennbar mit bestimmten Regeln verwoben? Außerdem werden manche dieser Grafiksets von einer übergroßen Fülle an Fahrzeugen geplagt.

Im Großen und Ganzen sind all dies jedoch Kleinigkeiten. Simutrans erfüllt das, was es verspricht, auf eindrucksvolle Weise. Als Aushängeschild, was Freeware und Open Source erreichen können, ist es ein Paradebeispiel. Alle Beteiligten können stolz darauf sein!

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