Hunter
für Amiga (OCS/ECS)

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Mr Creosote:
Firma: Activision
Jahr: 1991
Genre: Action
Thema: Fahren / Fliegen / Krieg
Sprache: English
Lizenz: Kommerziell
Aufrufe: 505
Rezension von Mr Creosote (08.10.2022)
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Manchmal liegen gewisse Ideen einfach in der Luft. Mercenary stammte zwar bereits aus der Mitte der 80er Jahre, aber sein Nachfolger Damocles sowie Midwinter hatten das Genre der 3D-Militäroperationsspiele erst richtig zum Abheben gebracht. Beide brachten es gerade auf weitere Nachfolger, als sich das gar nicht mal so unähnliche Hunter dazugesellte. Wobei es statt dem strategischen Rollenspiel eines Midwinter oder der langsamen Actionadventureformel eines Mercenary eher schnelle Action im Stil eines aufgebohrten Virus bot.

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Urlaub?

Hunter schickt seinen Supersoldaten auf eine Schnitzeljagd quer über die diversen Inseln seiner Spielwelt. Das Erreichen des letztendlichen Ziels führt über einige Schritte, in denen man Hinweise von Informanten erhalten, besondere Ausrüstungsgegenstände einsetzen, Dinge tauschen muss usw. Die Erfüllung eines kleinen Auftrags führt einen direkt zum nächsten und so weiter, und so fort. An sich ist dies also ein James-Bond-Film, reduziert auf die Action-Setpieces.

Diese Action geht ziemlich elegant von Statten. Läuft man in ein Gefährt hinein, springt man automatisch an Steuerrad oder -knüppel und fährt los. Ob nun Autos, Motorboote oder Panzer, sie spielen sich alle auf die gleiche, intuitive Weise. Nur Helikopter brauchen darüber hinaus eine Spezialbedienung zum Abheben und Landen. Trotzdem haben die Fahrzeuge alle ihre Vor- und Nachteile. Auf den ersten Blick mögen Fahrräder und Surfbretter wenig naheliegend sein, aber sobald die hitzesuchenden Raketen fliegen erkennt man ihre Qualitäten.

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Beute und Zivilisten

So simpel die Aufgaben sich auch lesen mögen („geh dorthin, sprich mit Mann Nr. 1, folge seinen Richtungsangaben und zerstöre…“), so groß ist die Freiheit, die dem Spieler zur Umsetzung gegeben wird. Ob man sich auf die Feuerkraft des Militärhubschraubers verlässt oder aber eine gegnerische Uniform erbeutet, anlegt, und sich so an den meisten feindlichen Stellungen einfach vorbeischleicht, überlässt das Spiel einem. Schließlich sind beispielsweise Flak-Stellungen gegen einen mit Dynamit ausgerüsteten Fußgänger ziemlich hilflos.

Diese Freiheit geht jedoch auf Kosten des Charakters, sowohl bezüglich der sich aus dem Gameplay ergebenden Geschichte, als auch der Personen im Spiel. Alles bleibt weitgehend gesichtslos, auf die mechanische Funktion reduziert. Erwähnt ein Typ, ein „armer alter Mann“ zu sein, dann ist dies direkt als Aufforderung zu verstehen, ihn zu bestechen, bis er seinen essentiellen Informationsschnippsel preisgibt. Es ergibt sich kein verwobenes Netz sozialer Beziehungen, Organisationen oder sonstig Derartiges. In Hunter bleibt schön alles auf der Oberfläche.

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Ein guter Parkplatz für meinen Panzer

Die vorher erwähnten anderen Spiele bieten somit zweifelsfrei eine größere Tiefe. Hunter punktet dagegen mit seiner Unmittelbarkeit. Viel zu erlernen gibt es nicht, man kann direkt losspielen. Das bisschen benötige Information kann direkt im Spiel notiert werden; einfach die Koordinaten eingeben, an denen man jemanden treffen soll, und schon kann man den Punkt auf der praktischen Landkarte anzeigen lassen. Die grafische Perspektive mag für Feuerduelle oder überhaupt jegliche Aktivität „aus“ dem Bildschirm heraus nicht besonders geeignet sein, aber das Spiel geht großzügig mit Ressourcen um, so dass das zu keinen ernsthaften Problemen führt.

Welches Spiel ist also das „bessere“? Das hängt von den eigenen Vorlieben ab. Ironischerweise kam fast zur gleichen Zeit wie Hunter auch Flames of Freedom heraus. Jenes Spiel brach das epische erste Midwinter auf kleinere Einzelmissionen herunter, ziemlich genau wie auch Hunter es in seinem zweiten Spielmodus tut. Es beschränkte den Spieler außerdem auf eine einzige Spielfigur. Als ob diese parallenen Entwicklungen zufällig konvergiert wären…

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