Swordquest: Fireworld
für Atari 2600

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Mr Creosote:
Firma: Atari
Jahr: 1983
Genre: Action, Denkspiel
Thema: Schwerter & Magie
Sprache: English
Lizenz: Kommerziell
Aufrufe: 272
Rezension von Mr Creosote (24.12.2022)
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Torr und Tarra, Helden von Earthworld, stehen sofort nach ihrer Ankunft in Fireworld unter starkem Zeitdruck. Hätten sie bloß etwas Wasser mitgebracht. Nur gut, dass ihnen am Ende dieses Abenteuers ein Kelch winkt, der endlose Zufuhr dieses lebensspendenden Elements verspricht.

Los, Swiftwind!

Atari verspürte wohl ebenfalls Zeitdruck. Das erste Swordquest-Spiel, begleitet von dem Echtweltwettbewerb, hatte zu großem Medieninteresse geführt (wie unter Earthworld beschrieben). Ein zweites Spiel durfte nun nicht zu lange auf sich warten lassen. Fireworld ist jedoch leider in vielerlei Hinsicht ein Rückschritt. Gegenüber einer Basis, die auch schon nicht so überragend war.

Der erste Eindruck gehört jedoch erstmal wieder dem beigelegten Comicheft. Wie bereits in der ersten Ausgabe wird ein ganzes Drittel der Seiten auf eine uninteressante Rückblende verschwendet, die den Lesern nur nochmal klarmachen soll, wie abgrundtief böse doch dieser König und sein Hofmagier sind. Überraschung. Dann schlagen sich die Zwillinge endlich mit „Feuergoblins“, einem Phoenix und ein paar anderen thematisch einigermaßen passenden Kreaturen herum. Und finden sehr cool aussehende Rüstungen und Waffen.

Das Spiel selbst zeugt dagegen von einer überhasteten Veröffentlichung. Wo einen der Vorgänger noch mit einem hervorragenden Titelbildschirm begrüßte, erwarten einen hier wiederverwendete Animationen, bevor man auf den ersten Spielbildschirm geworfen wird. Der direkt mal den Begriff „schlechter Kontrast“ neu definiert. Das Protagonistensprite ist nur noch einfarbig. Und es wird nicht besser.

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Echt?

In jedem Raum darf man nun eine Actionsequenz spielen, bevor man an die dortigen Objekte gelassen wird. Was erstmal wie eine Verbesserung klingen mag. Beim Vorgänger beklagte ich noch hauptsächlich die mangelnde Originalität, aber hier sind die Actionszenen geradezu unspielbar. Am besten gelungen ist noch der Vogel, der Schlangen abschießen soll. Warum auch immer. Das ist immerhin noch ziemlich einfach schaffbar.

Bei allen anderen geht es entweder darum, nahende Objekte aufzufangen oder ihnen auszuweichen. Manchmal steuert man den Auffangbehälter am unteren Bildschirmrand, manchmal kontrolliert man die Richtung der von oben fallenden Dinge. Schlecht gepixelte, meist unidentifizierbare Sprites flackern ins Bild und verschwinden wieder, scheinbar zufällig. Sie sind derart nah zusammen oder so weit auseinander, dass man die jeweilige Aufgabe nur mit reinem Glück erfüllen kann. Man lasse es sich nochmal auf der Zunge zergehen: Selbst um in einem Raum nur Objekte abzulegen, wovon man zahllose Kombinationen ausprobieren muss, um an die Hinweise für den Wettbewerb zu kommen, muss man diese Actionsequenz jedes Mal neu spielen und gewinnen. Es nervt praktisch sofort!

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Keine Ahnung, wie ich die alle auffangen soll

Eine Reihe Bugs verderben den Eindruck weiter. Der schlimmste: Selbst wenn man durch reines Glück eine Objektkombination findet, die einen Hinweis aufdeckt, stellen sich diese als nutzlos heraus. Sie sind nur mit den Ziffern von 0-9 bezeichnet, ohne jeglichen Bezug darauf, wo sie im Comic zu finden sein könnten. Den Lösungssatz des Wettbewerbs konnte man also nur finden, indem man direkt die Comicbilder absuchte, die versteckten Worte dort fand, und dann einfach riet.

Trotzdem führte der breite Hype um das Spiel zu einer deutlich gestiegenen Anzahl an Finalisten. Statt acht fanden diesmal mehr als 70 Teilnehmer die richtige Lösung. 50 durften sich einem Livewettstreit stellen, in dem es dann einen echten Goldkelch zu gewinnen gab. Aus Marketingsicht befand sich Swordquest auf seinem Höhepunkt. Doch Fireworld war bereits der Anfang vom Ende…

Kommentare (3) [Kommentar schreiben]

Mr Creosote:
Ja, ganz sicher unter den Favoriten. Mit Reisende im Wind vielleicht.
LostInSpace:
Anwärter für den legendären Titel "Schlechtestes interaktive Comic, das jemals programmiert wurde", oder gibt's noch schlechtere? Auf der anderen Seite der Skala ist Antiriad ein sehr gutes Beispiel, wie man so etwas auch perfekt umsetzen kann.
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