Soulless
für C64

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LostInSpace:
Weitere Titel: Soulless (Special Edition)
Firma: Psytronik
Jahr: 2012
Genre: Action
Thema: Sonstige Fantasy
Sprache: English
Lizenz: Kommerziell
Aufrufe: 719
Rezension von LostInSpace (01.04.2023)
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Auch in einer monarchischen Fabelwelt voller Fantasiewesen sind 1000 Jahre eine unvorstellbar lange Zeit. Diese musste König Rizek – durch den Zauberer Kalen seiner Seele beraubt – im Kerker schmachten und hat sich währenddessen gar in ein echsenartiges Monster verwandelt. Trotz hoher Muskelkraft kann sich Rizek Gegnern nur durch beherzte Sprünge entziehen. Zur Wiedererlangung seiner Seele muss er insgesamt 12 Seelensteine finden, die in den Kostbarkeiten seines Palastes versteckt sind.

In dem Sinne ist Soulless genau wie Impossible Mission ein pazifistisches Spiel, in dem nicht geschossen, sondern hauptsächlich durchsucht und gesprungen wird. Dem Spieler stehen etwa 100 Flip-Screens bevor, die pro Bildschirm durchschnittlich 10 solcher Schätze enthalten. Durch Davorstellen und Drücken der Nach-Oben-Taste fängt Rizek an zu suchen. Die Dauer wird durch einen kleinen, entsprechend der abgelaufenen Zeit abnehmenden, Balken dargestellt. Während dieses kurzen Moments des Stillstehens ist Rizek aber durch die vielen beweglichen Gegner angreifbar und gutes Timing ist erforderlich, damit Kollisionen vermieden werden.

Glücklicherweise enthalten die Truhen, Fläschchen, Teppiche, Kommoden, Schmuckstücke und Schutzschilde nicht nur weitere Goldvorräte oder Rubine für den Highscore, sondern auch versteckte Zauber, die die Gegner am Bildschirm einfrieren, langsamer machen oder komplett zerstören. Diese tummeln sich sehr zahlreich in den einzelnen Räumen und haben entweder feste vorhersehbare Bahnen, wie die Kobolde, die Stachelzylinder, die bombenwerfenden Flugvögel, Ameisen und Schlangen oder bewegen sich direkt auf den Spieler zu, wie die fliegenden Steine, Seelen oder kleinen weißen Gesichter.

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Rizek beim Suchen

Abweichungen vom großen Paten Impossible Mission sind nicht nur optisch erkennbar: In einigen Räumen droht bei Berührung des Stachelbodens tatsächlich das sofortige Ableben. Sonstiger Gegnerkontakt wird lediglich mit Abzug eines Punktes der Energie bestraft, die an bestimmten Stellen mit magischen Quellen wieder aufgefüllt werden kann. Insgesamt hält Rizek 6 Gegner-Berührung aus, bevor eins der anfänglich 3 Leben abgezogen wird. Neben der Erkundung des labyrinthartig angelegten Palastes findet man auf seinem Weg auch 2 Schlüssel, die ein Backtracking zu vorher versperrten Durchgängen erforderlich machen. Außerdem liegt eine vereinfachte Version des bekannten Lochkarten-Passwort-Puzzles aus Impossible Mission vor: Der Spieler muss lediglich die, in verschiedenen Räumen als Hintergrund-„Graffiti“ angelegten Hinweise notieren, damit er am Ende die richtige Reihenfolge der Seelensteine kennt.

Die Aufmachung ist in jeder Hinsicht hochwertig: Ein aufwändiges Intro führt den Spieler in die Story ein. Der In-Game-Soundtrack ist absolut hörenswert, die Soundeffekte fein und in der hier getesteten „Special Edition“ wurde die Sprungmechanik nochmal überarbeitet, so dass diese im Ergebnis äußerst präzise ist. Des Weiteren bietet die neue Version den Vorteil, dass der Spieler nach Verlust eines Lebens unmittelbar auf denselben Bildschirm zurückkehrt und nicht an irgendwelchen Save-Points starten muss. Im schön gemachten Abspann, der einen zweiten Teil spoilert, werden die Spielzeit und der Score angezeigt. Erneute Versuche und der Vergleich mit anderen Spielern ergibt dadurch Sinn. Die Seelensteine und deren Reihenfolge ist übrigens auch zufallsgeneriert, so dass sich beim Durchspielen eine gewisse Abwechslung ergibt.

Grafisch gesehen wurde das nur allzu oft eintönig lila-braun wirkende Farbspektrum des C64 so wirkungsvoll in Szene gesetzt, dass die Räume des Palastes direkt farbenfroh ihr aztekisch-ägyptisch angehauchtes Flair verbreiten.

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Nette Inneneinrichtung

Soulless ist für mich eine weitaus zugänglichere Version von Impossible Mission, die die Grundidee des Vorbilds in einem neuen, modernen Gewand präsentiert. Die Sprungmanöver orientieren sich eher am klassischen Jump'n'Run-Genre, wodurch das Gameplay flüssiger wirkt. Trotz einfachem Flip-Screen sind die Räume abwechslungsreich gestaltet und der Palast lädt viel eher zum Erkunden ein, als die steril und sehr ähnlich wirkenden Räume von Impossible Mission. Die Vereinfachung bei der Nutzung der gefundenen Puzzleteile ist aus meiner Sicht ebenfalls ein Vorteil für die Spielbarkeit.

Der im Mittelpunkt stehende markante Durchsuchungsvorgang ist für Jump'n'Run-Fans sicherlich erstmal ungewohnt und wirkt vielleicht sogar irgendwie aufgesetzt. Die einzelnen Räume wären ohne das ständige Durchsuchen absolut harmlos und ohne jede Herausforderung für sie. Der Spieler muss sich jedoch gezwungenermaßen den vielen Wertgegenständen in jedem Raum widmen. Dies macht aus beinharten Fußballspielern dann eher tänzelnde Dribbelkünstler. Für mich war das Spiel in dieser Form durchaus unterhaltsam und packend.

Bemerkenswert aus psychologischer Sicht fand ich noch *Achtung Spoiler*, dass König Rizek nach seiner erneuten Menschwerdung nicht explizit auf Rache an seinem Peiniger Kalen sinnt. Stattdessen möchte er lieber die nächsten 1000 Jahre in Frieden mit seinem Volk verbringen. Also ein wirklich pazifistisches Spiel!

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