Mindshadow
für Apple II

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Mr Creosote:
Firma: Interplay / Activision
Jahr: 1985
Genre: Adventure
Thema: Krimi / Textbasiert
Sprache: English
Lizenz: Kommerziell
Aufrufe: 402
Rezension von Mr Creosote (15.06.2024)
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Mindshadow – nicht weniger als der Urahn eines Genres innerhalb der Adventurespiele, das irgendwann bei Autoren so beliebt wurde, dass Extremspieler sich beschwerten, es sei zum nervigen Cliché verkommen: Der Protagonist leidet unter Amnesie. Doch wie wurde das überhaupt zu einem derartig weitverbreiteten Phänomen?

Aus Sicht der Erzähltechnik ist es gut nachvollziehbar. Amnesie umschifft die sonst herrschende Wissenslücke zwischen dem Spieler und dem Protagonisten. Was sonst passiert ist Exposition über Fakten, die der Protagist schon längst wissen sollte. Nur, um es dem Spieler beizupulen. Der Protagonist muss aber als Rezipient dieser Informationen in der Welt herhalten. Doch warum sollte er oder sie das nochmal erfahren sollen? Man kann das schon einigermaßen organisch hinbekommen, aber viel zu oft führt es dann zu so peinlichen Szenen, in denen ein anderer Charakter dem Protagonisten etwas ihm längst Bekanntes erzählt, in denen der Protagonist etwas ihm längst Bekanntes nachliest oder im Fernsehen sieht. Befinden sich Protagonist und Spieler dagegen auf der gleichen Wissensstufe, dann wird dies logisch vermieden. Beide entdecken das Unbekannte gemeinsam. Was der Immersion nur förderlich ist, zu spannendem Drama werden kann.

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Mindshadow bedient sich dieser Ausgangslage ganz gut. Die zu findenden „Schätze“ sind Stichworte, die dann Erinnerungsfetzen auslösen können. Wie es so bei Worten ist, ist nicht immer sofort zu erkennen, welche in diesem Sinne wichtig sind. Der Text ist insgesamt zeittypisch knapp gehalten. Was dem Eindruck, verloren und orientierungslos zu sein, nur noch verstärkt. Darüber hinaus ist knapper Ausdruck ohnehin notwendig, da grafische Illustrationen den Großteil des Bildschirms einnehmen. Die qualitativ nicht schlecht sind, manche sogar leicht animiert – bis auf wenige Ausnahmen, wo dann im schlimmsten Fall nichts zu erkennen ist.

Die Priorität bei der Verteilung des Speicherplatzes auf der Diskette ist also klar zugunsten der Grafik entschieden. Dies wirkt sich indirekt auf den Schwierigkeitsgrad aus. Hat man maximal zwei Sätze, die Szene zu beschreiben, dann ist dem Leser/Spieler auch sofort klar, worauf man sich fokussieren muss. Mit guter Optik und geschmeidigem Fortschritt richtet sich das Spiel klar an Neulinge im Adventuregenre. Sogar eine grundlegende Einführung, wie man Adventures überhaupt spielt, findet sich auf der Diskette. Aber, klar, es war natürlich trotzdem 1985. Also lernt man durch Scheitern. Immerhin tritt der Spieltod gnädig sofort ein; langwierige unerkannte Sackgassen bleiben einem erspart. Anfangs muss man einen Irrgarten Durchqueren und gegen Ende einen weiteren. Doch selbst diese sind, wie auch die objektbasierten Rätsel, ganz gut machbar. Sollte man trotzdem mal festhängen, dann hilft das eingebaute Hilfesystem in Form eines Vogels, der kryptische Hinweise gibt, weiter.

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Möchte man Mindshadow etwas vorwerfen, dann, wie sehr es die Effektivität dieser Amnesiegeschichte zeigte. Worauf Massen von Nachahmern folgten, von denen allerdings leider die meisten nicht ansatzweise die leichtgängige Spielerfahrung erreichten. Die schwächeren Nachahmer brachten in den Augen mancher das gesamte Konzept in Verruf. Was in oberflächlichen Rückblicken dann auch auf Mindshadow zurückfiel.

Dies ist jedoch das Spiel, das die Standards erst setzte. Kann man ihm dies vorwerfen? Nein. Beeinträchtigt es die heutige Spielerfahrung? Ehrlich gesagt schon ein wenig: Originalität ist ja schon eine der Achsen, durch die Spielspaß entsteht, und genau diese kann natürlich schon rückwirkend entzogen werden. Und trotzdem findet sich hinter dem Vorhang immer noch eine für seine Entstehungszeit ziemlich gut spielbare kleine Geschichte. Was leider viel zu selten erwähnt wird.

Kommentare (1) [Kommentar schreiben]

Mr Creosote:
Lieben wir das nicht alle in klassischen Textadventures? Der obligatorische Irrgarten, der das Spiel länger machen soll. Und dieses muss man sogar ohne Erinnerung durchschreiten. Denn Mindshadow beginnt man gestrandet auf einer einsamen Insel mit Amnesie. Hurra, rückwirkender Clichéalarm!
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