Einmal Kanzler sein
für Amiga (OCS/ECS)

Mr Creosote:
Firma: Computerpartner T&S GmbH
Jahr: 1991
Genre: Strategie
Thema: Cartoon & Comic / Humor / Multiplayer / Politik
Sprache: Deutsch
Lizenz: Kommerziell
Aufrufe: 22694
Rezension von Mr Creosote (01.09.2015)
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Ich denk mir, was der Kohl da kann, das kann ich auch!

Ganz so große Freiheiten, wie sie sich Rio Reiser ausmalte, erlaubt der Posten des deutschen Regierungschefs laut diesem Spiel leider nicht. Breitangelegte Änderungen am Fernsehprogramm lassen sich nicht einfach verkünden. Willkürliche Ernennungen in alberne Ämter dagegen wohl schon. So sie denn in den Optionen vorgeschlagen werden.

Denn: Bei Einmal Kanzler sein spielt sich alles im Multiple-Choice-Stil ab. Eine kurz beschriebene Situation und drei Optionen zur Auswahl – von Anfang bis Ende das, was man zu Gesicht bekommt. Die Optionen lösen jeweils Bonus- oder Maluspunkte in Kategorien wie Beliebtheit, Partei oder Familie aus. Kategorien, die nicht ganz sauber getrennt sind: „Gesundheit“ wird beispielsweise sowohl von gesundheitspolitischen Entscheidungen (also „Volksgesundheit“) beeinflusst, wie auch von von persönlicher Auslastung oder Entspannung.

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Doch wer will bei bei einem offensichtlich satirischen Treiben schon spitzfindig werden? Meist drehen sich entsprechend die Ereignisse weniger um Entscheidungen politischer Dimension, als vielmehr ums Durchwursteln zwischen Skandälchen, peinlichen Interviewausrutschern und Posten- sowie Lobbyschacherei – ohne dabei allzu fies zu werden.

So ist eine Antwortmöglichkeit in den meisten Fällen recht offensichtlich die „richtige“: Belohnt wird umsichtiges, durchdachtes Handeln auf Basis persönlicher Integrität. Eine andere Antwortmöglichkeit ist jeweils, die beleidigte Leberwurst zu spielen, jemandem aus persönlichen Gründen eins auszuwischen oder Ähnliches. Und dann gibt es üblicherweise die Blankokarte des Nichtstuns. Man könnte glatt sagen, die Realität sei satirischer als die Satire, da Handeln im Sinne des flapsigen Tonfalls, anders als beispielsweise bei Yes, Prime Minister, nicht belohnt wird.

Ebenfalls etwas schade ist, dass sich die Ereignisse zwar immer wieder über mehrere Fragen entwickeln, diese Entwicklung aber nur selten kontextsensitiv geschieht. Wählt man bei einer der ersten Situationen, in der es darum geht, die Öffentlichkeit nach dem Übertreten einer Geschwindigkeitsbegrenzung zu beschwichtigen, beispielsweise gleich eingangs aus, alles zuzugeben und die Strafgebühren aus eigener Tasche zu zahlen, hindert das das Spiel nicht daran, bei den Folgemöglichkeiten weiterhin die Option zu führen, alles auf den Fahrer zu schieben – mit Formulierungen, die nahelegen, dass man bislang genau diese Argumentation verfolgt habe.

Zur Auflockerung dürfen von Zeit zu Zeit mal ein simples Actionspielchen, eine Runde Mastermind oder ein paar Allgemeinbildungsfragen eingeschoben werden. Mit ebensolcher Regelmäßigkeit wird man gefragt, ob man das Spiel überhaupt weiter fortsetzen möchte. Nach nicht übermäßig langer Zeit wird man dies mangels Abwechslung und tieferem Sinn wohl verneinen. Eine nette, kurzfristige Ablenkung, aber es steckt wirklich nichts dahinter.

Kommentare (2) [Kommentar schreiben]

Mr Creosote (09.05.2012):
Politsimulation? -satire trifft es wohl eher. Wobei… so traurig es klingt, manchmal hat man wirklich das Gefühl, dass es in der „echten“ Politik auch nicht anders zugeht.
AKK (09.05.2012):
Oh Man, wat würde ich nicht dafür geben! Einmal Kanzler sein! Ein sehr altes Games, wer auf Politsimulatoren steht wird "fast" nicht enttäuscht.
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