Der Rasende Reporter
für Amiga (OCS/ECS)

Mr Creosote:
Firma: Promotion Software
Jahr: 1994
Genre: Strategie
Thema: Geschäftswelt / Lernspiel
Sprache: Deutsch
Lizenz: Freeware
Aufrufe: 16960
Rezension von Mr Creosote (25.01.2003)
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Langsam entwickeln wir uns zu einer Propagandaseite für die Regierung - dies ist bereits das dritte Spiel, das sie finaziert haben, und wir nun vorstellen! Keine Ahnung, was wir damit kompensieren wollen, vielleicht rückwirkendes Wunschdenken bezüglich unserer Schulzeit (da es sich ja meist um „Lehrspiele“ handelt) oder auch ein unterschwellig schlechtes Gewissen wegen der terroristischen Aktivitäten.... doch lassen wir diese alten Geschichten jetzt lieber.

Der Rasende Reporter versetzt einen in die Rolle eines Teams von „jugendlichen Journalisten“, die Sklavenarbeit für irgendeine Tageszeitung verrichten. Jeden Morgen bekommt man drei Schlagzeilen, und hat gefälligst gute Stories daraus zu machen. Das gestaltet sich derart, dass man in der Stadt rumläuft, und so viele Menschen wie möglich, die etwas zu den Themen zu sagen haben könnten, befragt. Je nach Thema könnten das Richter, Polizist, Politiker, Student, Schüler, Rentner, Arbeitsloser oder welche der vielen anderen Personen sein. Man notiert die jeweiligen Antworten, macht noch ein Foto, und wenn man dann die Interviewmöglichkeiten des Tages ausgeschöpft hat, geht es schnell zurück in die Redaktion.

Das war dann auch die ganze Arbeit. Der Chef würde solchen Abschaum wie einen selbst natürlich niemals an so etwas wichtiges wie das Layout lassen. Um in diesem Bereich Kosten zu sparen, hat er ein vollautomatisiertes Computersystem, das die Seiten zusammenstellt aus den Rohmaterialien - offensichtlich allerdings kein sehr intelligentes Programm, denn es packt einfach nur die verschiedenen Antworten, die man gesammelt hat, hintereinander, und nennt es dann „Artikel“. Der nächste Tag läuft dann genauso ab, und all die anderen auch.

Laut den Entwicklern soll dieses Spiel „Jugendlichen Politik spielerisch nahebringen“. Besser als der übliche „Politikunterricht“ in der Schule hätte es unter Umständen schon wirken können, klar. Einfach genug zu spielen ist es, und das Thema ist auch ganz interessant.
Warum dann die relativ schlechte Wertung? Weil man einfach zu wenig zu tun hat! Die Interaktivität ist darauf beschränkt, immer wieder auf die paar selben Schaltflächen zu klicken, ohne dass man dabei eine wirkliche Entscheidungsfreiheit hat. Man muss nur zu den richtigen Orten gehen (durch die Themenformulierungen jeweils vollkommen offensichtlich) und dann alle vorgefertigten Fragen abspulen. Mit einem weiteren Klick schreibt man die Antworten auf (da fragt man sich immer wieder, warum das nicht automatisch geht, denn warum sollte man eine Auskunft unterschlagen wollen?). Sobald man von den stereotypen Fragen und Antworten genug hat, geht die Motivation den Bach hinunter.

Der ewige Fluch der Werbespiele hat mal wieder zugeschlagen. Diese Spiele sind grafisch meist durchaus ansprechend, und die behandelten Themen sind manchmal auch ganz interessant. Klar, sie sind eher kurz, aber das ist bei kostenlosen Spielen natürlich weniger schlimm - solange man für die kurze Zeit dann auch vernünftig unterhalten und halbwegs gefordert wird. Mit etwas mehr Einsatz hätte dieses Spiel zu einem kleinen Mad News werden können, aber so, wie es nun mal geworden ist, ist es nur ein weiterer gescheiterter Versuch.

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