Dreamweb
für PC (DOS)

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Wandrell:LostInSpace:Gesamt:
4.5/6
Besucherwertung:
5.3/6
Firma: Empire Interactive
Jahr: 1994
Genre: Adventure
Thema: Apokalypse / Horror / Science Fiction
Sprache: English, Castellano, Deutsch
Lizenz: Kommerziell
Aufrufe: 23243
Rezension von LostInSpace (04.01.2022)
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Durch seine explizite Veranschaulichung von Wahnsinn liegt DreamWeb thematisch eindeutig nicht im Trend des Mainstreams. Auch wenn in der Filmindustrie blutige Werke über Serienkiller durchaus Tradition haben. DreamWeb lässt in dieser Hinsicht bis zum Schluss bewusst offen, ob man wirklich nur ein brutaler Mörder oder das heilige Werkzeug zur Rettung der Menschheit ist.

Der desolate Zustand von Ryans Psyche kommt in seinem Tagebuch mit dem Titel: „Diaries of a (Mad?)Man“ (Tagebuch einer (verrückten?)Person) zum Ausdruck, das dem Spiel in gedruckter Form beiliegt. Vor der Kulisse einer dystopischen Großstadt im Cyberpunk-Zeitalter der Menschheit sieht sich Ryan mit der Aufforderung zu Auftragsmorden konfrontiert. Die vielleicht nur eingebildeten Hüter des tausende Jahre alten Dreamwebs höchstpersönlich hätten Ryan ausgewählt, die Welt vor dem Untergang zu bewahren. Im Laufe des Spiels erfährt Ryan von ihnen, dass die Seelen verstorbener Menschen auf den Bahnen des DreamWebs in ein Seelen-Reservoir zurückgeführt werden. Böse Kräfte haben Besitz von 7 Personen der realen Welt ergriffen und drohen dadurch jenen heiligen Seelenbrunnen negativ zu beeinflussen. Die Eliminierung dieser Feinde liege in Ryans Hand.

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Der Spaß ist vorbei!

Erwartungsgemäß wird das Blut nun in Strömen fließen: Es kommt zu einem gnadenlosen, verpixelten Abschlachten von zahllosen unschuldigen Menschen, die sich ihm bei der Verfolgung seiner Zielpersonen in den Weg stellen. Er führt bereitwillig die Exekution eines Rockstars aus, der gerade Sex mit einem Groupie hat. Negativer Höhepunkt ist der Gnadenschuss in den Kopf einer Frau, deren Unterleib Ryan vorher mit einer von ihm verursachten Explosion abgerissen hat. Und ja, das Spiel ist erst ab 18.

Die Kreuzung von Psycho-Thriller mit dem Cyberpunk-Genre schlägt sich deutlich in der Wahl der teilweise klischeehaften Kulisse nieder: Eine heruntergekommene Spelunke mit obligatorischen Spielautomat; das Hinterzimmer in einem Club mit dem mafiösen Waffendealer; machtvolle Firmenzentralen, über die ein dämonenartiger Machtmensch herrscht; die verlassene Kirche für den Showdown mit dem abtrünnigen Erzbösewicht; verlassene U-Bahn Tunnel mit Geheimverstecken von Geisteskranken.

Auch die Rätsel verfolgen diese Cyberpunk-Anleihen: Geheim-Codes für das Öffnen von Türen; Manipulation von Aufzugsschalttafeln; Benutzung eines Computerterminals mit verschiedenen Steckkarten. Im Mittelteil wirkt dieser Bezug zur fortschrittlichen Cyberpunk-Technologie aber eher unglaubwürdig: Ein Strom-Verteilerkasten eingegraben in den Sand einer Meeresbucht? Dieser kann nicht etwa mit Messer oder Schraubenzieher geöffnet werden, sondern nur (Achtung: Spoiler) mit dem abgebrochenen Teil eines Geländers aus dem vorhergehenden Screen. Ein Rätsel-Design, das Kopfschütteln verursacht.

Am Ende des Spiels sind die Rätsel einfach nur einfallslos, um nicht zu sagen sau-dämlich. Sie laufen nach dem Muster ab: Nimm Gegenstand A auf und setze ihn zwei Bildschirme weiter bei B ab. Lustigerweise sind auch nur genau diese relevanten Gegenstände auf dem Schauplatz verteilt. Der Spieler scheint nur noch Statist in einem interaktiven Film zu sein. Nur das Fehlen des oben erwähnten Tagebuchs, könnte wirklich Kopfzerbrechen bereiten. Denn dieses enthält essentielle Hinweise, für das Lösen einiger kritischer Rätsel. Aber auch spielerisch kann in einigen Situationen das Spiel nicht mehr gelöst werden. Da hilft dann nur Neustart oder das Laden eines alten Spielstandes.

Die Präsentation des Spiels ist durchgehend aus einer Top-Down-Perspektive. Dies führt dazu, dass man in Gebäuden ständig das Gefühl hat, auf einen Grundrissplan zu schauen. Die Umgebung ist nur spärlich animiert: ein drehender Ventilator; die Nagelfeile der Dame an der Rezeption. Innerhalb dieser Szenarien ist Ryan ebenfalls unbeweglich und wird erst durch eine konkrete Interaktion in Gang gesetzt. In einem kleinen zusätzlichen Fenster wird der aktuell fokussierte Bereich des Hauptbildschirms vergrößert angezeigt. Dadurch können auch wenige Pixel große Gegenstände noch erkannt werden.

Die Wohnungen des Protagonisten und seiner Freundin am Anfang des Spiels sind mit untersuchbaren Gegenständen geradezu vollgestopft. Aus der Vielzahl einzelner Objekte muss der Spieler die entscheidenden Items in sein beschränktes Inventar überführen. Dabei ist die Point'n'Klick-Steuerung zur Inventarverwaltung etwas umständlich geraten. Passt aber als technische Metapher gut ins Spiel.

In der CD-Version sind die Gespräche fast durchgehend vertont und die Synchronisierung zur deutschen Sprache ist professionell umgesetzt worden. Auf der CD befindet sich außerdem ein Bonustrack zur In-Game-Musik. Diese untermalt und verstärkt exzellent die optische Grundstimmung und wertet den Spielspaß insgesamt positiv auf.

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Das Seelen-Reservoir

Grundsätzlich bietet DreamWeb zwar einen beeindruckenden Einstieg, flacht aber in Punkto Story, Spannung und Kreativität der Rätsel gegen Ende rapide ab. Man hat das Gefühl, dass den Designern die Ideen ausgegangen sind. Das sehr klein geratene Spielfeld mit dem riesigen, deplatziert wirkenden Abbild von Ryan als Platzfüller daneben wirken des Weiteren eher wie ein Anachronismus. Der wirklich gelungene Soundtrack, die gut artikulierte deutsche Sprachausgabe und die Abgefahrenheit der Story können diesem dürftigen Grundgerüst jedoch eine gute Portion Spannung und Cyberpunk-Atmosphäre einhauchen. Auch der Bezug zum beiliegenden Tagebüchlein ist durchaus eine innovative Idee.

Das Spiel ist insofern äußerst ambivalent. Diese positiven und negativen Aspekte nun etwa zu einer durchschnittliche Gesamtbewertung zusammenrechnen, würde dem Spiel meiner Meinung nach aber nicht gerecht werden. Als Fan von thematisch benachbarten Psychothrillern wie Das Schweigen der Lämmer oder Se7en ist DreamWeb für mich eine echte Bereicherung im sonst so weichgespülten Adventure-Genre.

Archivierte Rezension(en) ↓

Rezension von Wandrell (15.01.2006)
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Night after night it has been shown to you in dreams. The dreamweb is unbalancing. Seven evil people, parts of the its power incarnated, seek to use it for gaining control over the world. Eventually sending the planet to its doom.

Being the only one who can avoid this you prepare yourself and embark in a search for those who must die. It is a violent job and all your targets will end with their broken bodies covered with blood.

Blown off heads and dismembered bodies may be not a thing that will impress too much in pixelated images, but these were some of the first bloody and gory images of the videogames (along with one of the first explicit sex scenes), and the violence it contains is not dissolved by the graphics.

The short story, that develops in only one city even though the main character is looking to make a world impact; and the linearity do not avoid that story from being the best part of the game. The dying city's mood and the approaching end of the world, the murderer with mystical objectives that is the main character, and the seven evil people, with different personalities each; along with the onirical dreamweb that joins it all creates an absorbing plot.

One of its faults is in the interface. It is good, but not well used. Every room is filled with objects which you may take if you wish, but rarely serve for something more than creating confusion. You may even equip some of them, but this seems to have no true use, as happens with the sunglasses, which only change the look of the character's image that always is decorating one side of the screen.

But it also has an interesting point when using a network terminal. You give orders to the computer for getting the latest mail and headlines, examining cartridges and also passing the game's protection when introducing your personal password. It may look somewhat clumsy, but gives the impression of being really using the terminal.

A thing to be noted before playing. Good part of the background, along some information needed to finish the game, is in the „diary of a madman“ which came with the game. Perhaps a bad point, as it divides the story into two different formats.

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