Ökolopoly
für PC (DOS)

oekolopoly_box.jpg
Mr Creosote:Besucherwertung:
3.3/6
Weitere Titel: Ecopolicy , Ecolopoli
Firma: Frederic Vester
Jahr: 1989
Genre: Strategie
Thema: Brettspiel / Umsetzung eines anderen Mediums / Lernspiel / Politik
Sprache: Deutsch
Lizenz: Kommerziell
Aufrufe: 70873
Rezension von Mr Creosote (05.06.2006)
Avatar

Jedesmal, wenn ich an diese Spiel denke, überkommt mich ein innerer Drang zu kichern. Dieser Rückfall in kindliche Verhaltensweisen hat durchaus seinen Grund. Als das Spiel neu war, war ich im entsprechenden Alter. Ein Klassenkamerad in der Schule redete dauernd von dem Spiel, und offensichtlich war er sehr begeistert und stolz darauf. Später stellte sich der einfache Grund für seinen Enthusiasmus heraus: Sein Vater hatte ihm generell verboten, Computerspiele zu spielen, aber für dieses Spiel hatte er eine Ausnahme gemacht - Ökolopoly war also das einzige Spiel, das er spielen durfte, und deshalb musste er so tun, als wäre es cool. Und jetzt, da ich sie schriftlich festgehalten habe, werde ich diese wahre Anekdote auch selbst niemals vergessen...

Ok, wie cool ist das Spiel aber wirklich? Nicht sonderlich. Es ist ein Lernspiel, das auf dem gleichnamigen Brettspiel basiert (das ist zwar nie gespielt habe, aber die einzige Person, von der ich weiß, dass sie es gespielt hat, behauptet, dass es sehr anders ist). Irgendein Professor hat es sich ausgedacht, und da anscheinend sein gesamtes Leben sich darum dreht scheint er auch sehr stolz darauf zu sein.

oeko05.png

Das Spiel soll einem das Konzept von kontrolliertem Wachstum und die Verbindungen zwischen Politik, Wirtschaft und Ökologie nahebringen. In jedem Zug verteit man Aktionspunkte auf Bereiche wie Produktion und „Aufklärung“ (womit Bildung gemeint ist), um die Gesamtsituation im Land zu verbessern. Einige Bereiche können nicht direkt verändert werden, wie zum Beispiel Umweltverschmutzung. Alle Bereiche sind miteinander querverbunden. Um wiederum die erwähnten Beispiele zu bemühen: Ein höherer Produktionsstand verschärft auch die Umweltprobleme. Der Spieler muss nun diese Verbindungen zu nutzen lernen und die schlechten davon möglichst vermeiden.

Durch die Beschränkung auf acht Bereiche und offen angezeigte Verbindungen auf dem Hauptbildschirm, ist das nicht allzu schwierig. Nach zwei Zügen ist das Konzept völlig klar. Verlieren kann man immer noch, vor allem wegen der teilweise recht strengen Regeln. Sobald nur einer der Werte zu hoch steigt oder zu tief fällt, ist das Spiel vorbei - unabhängig davon, ob der selbe Wert schon in der nächsten Runde wieder in annehmbare Bereiche gekommen wäre. Also muss man neben der langfristigen Perspektive auch die kurzfristigen Auswirkungen im Auge behalten. Am Ende jedes Zuges werden aus den Werten einiger Bereiche (z.B. Bevölkerung) die Aktionspunkte der nächsten Runde berechnet.

oeko04.png
Upps…

Einer Simulation der echten Welt kommt man damit natürlich keinesfalls nahe. Zum Beispiel scheint die Position des Spielers die eines „gewählten Diktators“ zu sein, der alles allein entscheiden kann, aber wenn er zu unbeliebt wird („Politik“-Bereich), ist alles vorbei. Das Wirtschaftsmodell ist auch viel zu einfach. Das Hauptproblem der Regierungen ist es heutzutage, dass sie eben nicht direkt auf die Entscheidungen der Industrie Einfluss nehmen können - stattdessen müssen sie hoffen, durch Gesetze und Verordnungen indirekt Verhaltensweisen zu fördern oder zu verhindern. Diese interessante Komplexität wird vollständig ignoriert, und stattdessen wird einem ein komplett staatlich gesteuertes System vorgesetzt.

Andererseits sehr nett sind die Optionen zur Erstellung verschiedener „Szenarien“. Alle Verbindungen der Bereiche können verändert, entfernt oder zugefügt, und Anfangswerte eingesetzt werden, um eine vollständig nach den eigenen Wünschen angepasste Version des Spiels auszuprobieren. Ein paar vorgefertigte (z.B. „Industriestaat“ und „Entwicklungsland“) werden auch mitgeliefert.

Das erweitert das grundsätzlich recht dünne Gameplay deutlich, da jede Ausgangssituation seine eigene Herausforderung bietet. Ohne könnte man keinesfalls mehrmals spielen. Allerdings kann auch das nicht vertuschen, dass sich am Grundkonzept nie etwas ändern. Obwohl es eine ganz nette Abstraktion einer Weltsimulation ist, fehlt es einfach an Komplexität. Das Spiel zeigt einem die wertvolle Erkenntnis, dass ein gesellschaftliches Problem nicht unabhängig von allen anderen gelöst werden kann, auf, aber das war's dann auch schon. Klar, es ist für Kinder gedacht, aber auch die sollte man nicht unterschätzen, und das hier ist zu wenig...

Vielen Dank an Johann67, der die kaputten Spieldateien wieder in Ordnung gebracht hat!

Kommentare (30) [Kommentar schreiben]

Hartmut:
Ich verkaufe die Orginal-Box mit 3 1/2 Zoll Disketten (von 1989) für wenig Geld. Macht mir bei Interesse einfach ein Angebot an hartmut.bendzko@yahoo.de !
sebigboss:
Hab mal drauf losgeklickt und wurde aus dem Land gejagt - es ist komplex genug :D
Mr Creosote:
Mach dir gerne ein Bild, ob es so komplex wie nötig ist ;)
sebigboss:

Mir ist das Spiel im Studium begegnet. Da ich Kybernetik studiert habe war ein Spiel, dass sich kybernetisch nennt quasi "von Berufs wegen" erst mal interessant.
Spielidee und Lerneffekt gefällt mir gut. Der Kritik der fehlenden Komplexität muss ich ganz kybernetisch entgegnen: Man sollte immer darauf achten nur so genau wie nötig und so simpel wie möglich zu modellieren.

AlongTime:
Habe die Version Ökolopy (1989) noch im Original auf 3 1/2 " Diskette und habe kein 3 1/2 " Laufwerk.
humps:
Danke für den Download - habe das Spiel geliebt :)
Shaggae:
Bin gespannt auf das Spiel!
michaelto:

Hallo,

wurde im Rahmen meines Geographie-Studiums auf dieses Spiel aufmerksam (bzw. von einer Professorin darauf aufmerksam gemacht). Ein geniales Spielprinzip, leicht zu erlernen, aber schwer zu meistern.

LG
Michael

hans-der-baer:

Nach meinen Internet-Recherchen gibt es spieltechnisch keinen Unterschied, lediglich die Grafik scheint aufgepeppt worden zu sein. Ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren, falls jemand beide Versionen kennt.
LG
Hans

Calenberger:
Mal eine Frage in die Runde. Vermutlich kann die aktuelle Version von Frederic Vester für WIN7 und höher mit dem alten Spiel mithalten kann? Klar, der DOS-Charme und die mitschwingende Nostalgie gehen verloren, aber es wäre doch immerhin ein netter Ersatz, oder?
Calenberger:

Er erinnere mich noch an diese zeit, als das Optimieren des verfügbaren Hauptspeichers über config.sys und autoexec.bat eine wahre Kunst war.

Man musste viel ausprobieren und auch rechen - ähnlich verhielt es sich mit Ökolopoly. Auch wenn es vermutlich nicht Sinn des Spiels war, so hatte ich den Algorithmus analysiert und schließlich das perfekte bzw. optimale Spiel herausgefunden. Leider gab es ja immer wieder zufällige Ereignisse, durch die die Strategie angepasst werden musste.

AlongTime:

Hatte dieses Umweltspiel vor langer Zeit gekauft
und noch die Box und die 3 1/2 Zoll Diskette gefunden.
Meine Kinder hatten damals ihren Spaß daran, mir schien
damals da irgendwie das Verständnis für diese Variablenlogik
zu fehlen.

momoaux:
Ich glaube das war mein erstes DOS spiel. Kann mich noch gut erinnern wie schwer es war, dass mich nicht der Mob holt :-)
Asiram:

Hallo,
Ich hab das Spiel in der Schule gespielt. Schön, dass es das hier gibt.

ToWa:
Erinnerungen an die Anfänge
TomCrick:

Hallo, zusammen,
ich hab edas am Anfang der 90er ewig gespielt und dabei intuitiv gelernt, wie die Zusammenhänge sind. Ich hoffe, dass das heute auch meine Kinder dadurch verstehen. Ich bin sehr gespannt!

Ggguuueee:

hui, das es das Spiel noch gibt!!!
Wurde im Rahmen eines Masterstudiums als Freifach wieder auf Ökolopy aufmerksam.
Mir wurde damals klar, dass ohne Bildung keine Staat Staat machen kann und habe selber einige Ausbildungen gemacht (nicht nur, aber auch deswegen ;-) )
Hatte auch ein Backup irgendwo, nur nach ziggmaligem Laptopwechsel und nicht immer alles überspielt, ging es unter.

KeinUsername:

Lustig... mir geht es so wie den meisten Vorpostern:
Ich hab' Ökolopoly früher sehr gerne gespielt und möchte es jetzt meinen Kindern zeigen.
Vor 11, 12 Jahren hatte ich auch noch eine spielbare Version (mit einem speziellen Maustreiber),
aber leider finde ich die in keinem Backup mehr :(
Also dann: Hoffentlich läuft der Download unter Windows 10 :)

anthill:

Hallo zusammen

genau dieses Spiel habe ich seit langem gesucht und bin nun hier fündig geworden. Einen Teil meines vernetzten Denkens habe ich garantiert der Brettspielvariante zu verdanken. Nun will ich es meinen Kindern zeigen, ich bin gespannt, wie ihnen die halt doch etwas verstaubte Optik gefällt.

TXmurta1001:

Hallo,
Ich habe dieses Spiel in meiner Jugend sehr oft gespielt. Leider kann ich es nicht mehr finden, bis ich auf diese Website gestoßen bin. Danke für die Arbeit!

Velleius:

Guten Morgen,

mich hat das Spiel schon damals zu DOS- und Schulzeit begeistert. Heute verwende ich das Brettspiel, um Kindern und Jugendlichen nachhaltigen Umgang mit Umwelt und Ressourcen beizubringen.

hans-der-baer:

Ja, völlig richtig!

Hab' mal nach dem Nachfolger "Ecopolicy" recherchiert in der Hoffnung, es wäre eine Weiterentwicklung. Was aber an Screenshots etc. zu finden war, zeigt nur ein paar minimale grafische Veränderungen und die Anpassung an vor zehn Jahren aktuelle Betriebssysteme, beim Spiel selbst scheint alles gleichgeblieben zu sein.

Ca. 2008-2012 gab es einen ziemlich großen Schülerwettbewerb um Ecopolicy, hier ein Video dazu:
https://www.youtube.com/watch?v=yz2WQBWW1BA
Ich glaube, man sollte Ökolopoly gar nicht so sehr als Spiel betrachten, sondern vielmehr als nette Abwechslung für den Unterricht und (Schüler-)Motivator zur Allgemeinbildung. Unter diesem Gesichtspunkt ist die geringe Komplexität eher förderlich, damit die jungen Menschen nicht gleich daran scheitern. Was nicht heißen soll, dass eine in höherem Maß herausfordernde "Profi-Variante" bzw. ein paar weitere Level uninteressant wären.

Im Heranwachsendenalter fand ich es damals jedenfalls sehr fesselnd und ganz passend in einer Zeit, als Unterricht und Studium in weiten Teilen "oldschool" (im wahrsten Sinne des Wortes) und die Idee "Gamificaton" noch völlig unbekannt waren.

Heute wirkt es auf mich tatsächlich eher langweilig und ziemlich "durchschaubar". Sobald man das Grundprinzip verstanden hat, kann einem nicht mehr viel passieren. Hab' jetzt ein paar Dutzend Mal verschiedene Szenarien gespielt und in den Highscores sowohl Mr Creosote als auch den Spieleentwickler Frederic Vester weit hinter mir gelassen... - wer auch immer die Highscore-Tabellen in den Download geschrieben hat ;-)

LG
Hans

Mr Creosote:
Geschrieben von hans-der-baer um 21:38 am 09.01.2022:
Damit wird klar, was mich seinerzeit so an dieser Computersimulation faszinierte, nämlich die Automatisierung. Computer waren recht neu, zumindest im Heimbereich, und wenn man ein paar Pfeile angeklickt hat und daraufhin ein (mehr oder weniger) komplexes vernetztes System "selbstständig" zu arbeiten beginnt, das war schon was. Man musste nicht selbst an den Rädchen drehen und es galt zu hinterfragen, was da passiert und warum. Dabei sind insbesondere die langfristigen Auswirkungen interessant, welche oftmals nicht mehr rechtzeitig gestoppt werden können und ins Verderben führen.

Darin liegt für mich auch irgendwie die Krux dieses Dings. Die Grundidee ist ja gut. Den Computer einem die manuelle Arbeit abnehmen zu lassen, bin ich auch absolut für. Nur klebt diese Umsetzung zu sehr am Brettspiel. Dort ist die Komplexität der Einflussfaktoren und ihrer Verbindungen logischerweise praktisch begrenzt. Ein Computer könnte viel mehr simulieren. Das versucht das Spiel aber gar nicht, sondern bildet nur exakt das Vorbild nach.

hans-der-baer:

Dank dieser Website musste ich nicht mehrere hundert Euro bei ebay ausgeben, um in Nostalgie zu schwelgen und nach fast vierzig Jahren diese Simulation nochmal mit viel Genuss schmunzelnd zu spielen.

Der ausführliche Beitrag von Mr Creosote fasst Zweck und Ziel des Spieles sehr gut zusammen, dem ist eigentlich nix hinzuzufügen. Das 12-minütige Video gibt einen ersten Einblick in die verschiedenen Optionen und zeigt einen möglichen Spielablauf, den man sich besser nicht bis zum Ende anschaut. Der Spieler ist nämlich geübt und demonstriert recht genau, worauf zu achten ist - und das will man doch selbst herausfinden, indem man sich erst ein paarmal durch aufgebrachte Bürger außer Landes jagen lässt, oder?

Da ich das zugrunde liegende gleichnamige Brettspiel von 1980 nicht kenne, schaute ich mir dazu ein Video an:
https://www.youtube.com/watch?v=kvP_6H1T6Vs
Damit wird klar, was mich seinerzeit so an dieser Computersimulation faszinierte, nämlich die Automatisierung. Computer waren recht neu, zumindest im Heimbereich, und wenn man ein paar Pfeile angeklickt hat und daraufhin ein (mehr oder weniger) komplexes vernetztes System "selbstständig" zu arbeiten beginnt, das war schon was. Man musste nicht selbst an den Rädchen drehen und es galt zu hinterfragen, was da passiert und warum. Dabei sind insbesondere die langfristigen Auswirkungen interessant, welche oftmals nicht mehr rechtzeitig gestoppt werden können und ins Verderben führen.

Ausgerechnet die beiden aktuellen Zeitthemen "Corona" und "Klimawandel" haben dazu geführt, dass ich mich an das Spiel erinnerte. Das Virus scheint die Bevölkerung zu spalten (wenn auch in zwei Teile sehr unterschiedlicher Größe) und die Politiker auf der ganzen Welt haben keine Chance, alles richtig zu machen. Das Wetter spielt aufgrund der industriell bedingten Klimaerwärmung zwar schon seit Jahren verrückt, und auch wenn Forscher bereits vor zwei Dekaden (und früher) ausgemalt hatten, was uns "blühen" würde - damals wollte es keiner hören.

Ein bisschen spiegelt sich das bei Ökolopoly wider. Es vermittelt ein Gefühl dafür, wie sensibel politische und wirtschaftliche Systeme auf die verschiedenen Maßnahmen und Stellschrauben reagieren und wie leicht etwas "aus den Fugen" geraten kann.

Klar, die Komplexität ist "auf das Nötigste" reduziert und "realistisch" geht anders - aber um Jugendliche an die Zusammenhänge zwischen Politik, Gesellschaft und Wirtschaft heranzuführen (und Erwachsene daran zu erinnern), war Ökolopoly damals ein geeignetes spielerisches Mittel. Ich hatte es in einem Seminar bei der Volkshochschule kennen gelernt, sogar damals gab es schon Gamification.

Später schreibe ich noch etwas zu technischen Belangen.

Schöne Grüße
Hans

spiel_suchti:
ich mag das spiel sehr danke !
smuepsilon:

Hallo,
ich habe dieses Spiel in meiner Kindheit oft gespielt. Leider finde ich es nicht mehr bis ich auf diese Seite gestoßen bin. Vielen Dank für die Arbeit !

MasterLee:

Das Spiel ist genau wie die Brettspiel Version. Der Vorteil der Computerversion liegt nur darin das man die Scheiben nicht selber drehen muss und selber nicht multiplizieren und addieren muss.
Und meiner Meinung nach gehört das Spiel eher unter Simulation als unter Management. Weil mehr simuliert wird als man überhaupt Managen kann außer die Ereignis-Karten die haben teilweise relativ heftigen Einfluss also auch ein bisschen Glücksspiel. Ähnlich stark wie Mario Partys tausche alle deine Sterne mit denn letzten Platz.
Das Einzige was bei der Brettspiel Version anders ist ist man kann zu mehren Spielen d.h. man stimmt ab was getan wird. Aber das könnte man an der PC Version auch bzw. das könnte man auch bei Schach tun.

[Antworten]

Quiz