Soul Crystal
für Amiga (OCS/ECS)

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Mr Creosote:
Firma: Starbyte
Jahr: 1992
Genre: Adventure
Thema: Sonstige Fantasy / Humor / Textbasiert
Sprache: Deutsch
Lizenz: Kommerziell
Aufrufe: 8449
Rezension von Mr Creosote (05.05.2012)
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Dave, 17 Jahre alt, darf zum ersten Mal in seinem Leben Urlaub ohne seine Eltern machen. Er hat sich Schottland als Ziel ausgesucht (?), wo er allerdings bereits am ersten Abend verschütt geht: Beim nächtlichen Schwimmen im See findet er sich auf der anderen Seite eines kleinen Wasserfalls in einer fremden Welt voller magischer Kreaturen wieder! Wo er dann auch gleich mal rekrutiert wird, den bösen Elfenkönig zu stürzen…

Soul Crystal ist schon seltsam. Es bedient sich primär textueller Ausgaben, hat jedoch keinen Texteingabeparser. Stattdessen stellt man Befehle mittels mausgesteuerten Menüs zusammen. Den Grundbefehlen sind zwar jeweils auch Tasten zugeordnet, aber insgesamt eintippen kann man komplette Befehle nicht einfach.

Das überrascht, da obwohl die (kleinen) Standbilder, die den aktuellen Aufenthaltsort zeigen, ganz nett gezeichnet sind, das Spiel in fast allen anderen Belangen sehr althergebracht gestaltet ist. Die Geschichte, die Rätsel und die Aufgaben könnten „klassischer“ kaum sein. Der Schreibstil ist an den zentralen Stellen ausführlich, so dass man als Spieler schnell die Prioritäten zu erfassen im Stande ist. Darüber hinaus prägt ein selbstreferentieller Humor das Bild. Was grundsätzlich schonmal gut ist, aber sich dann doch etwas zu häufig wiederholt: Nach dem dritten Raum, für den die Designer angeblich „zu faul“ waren, eine Beschreibung zu schreiben, wird das dann doch alt.

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Ach, übrigens, natürlich kann man sterben

Die Handhabung vermeidet die üblichen Probleme einer freien Texteingabe (d.h. Formulierungsprobleme trifft man selten an), hat aber seine ganz eigenen kleinen Schwächen. Erstens ist es einfach wenig effizient, sich immer wieder durch mehrlagige Menüs klicken zu müssen: Erst wählt man die „Kategorie“ der Befehls (die häufiger als einem lieb ist auch nicht allzu offensichtlich ist – man muss also entweder raten oder alles auswendig lernen), dann den Befehl selbst, dann ein Objekt aus einer Liste und dann eventuell ein weiteres Objekt aus einer anderen Liste. In der Zeit, die das kostet, hätte man den gleichen Befehl dreimal eingetippt.

Zweitens, und das ist wirklich völlig unverständlich, sind einige Befehle mehr als unbeholfen formuliert. Obwohl es sich ja um ein „original“ deutschsprachiges Spiel handelt, funktioniert die Konstruktion der Imperative mehr schlecht als recht. Um beispielsweise ein Kleidungsstück auszuziehen, muss man er „verlieren“. Das ist gleichzeitig auch der Befehl, ein Objekt abzulegen. Um etwas zu benutzen, muss man es „anwenden“, wobei das Wort, mit dem der Schalter beschriftet ist, nur „wende“ lautet – man wird also doppeldeutig erstmal automatisch an „umdrehen“ denken. Klingt alles nach einer schlechten Übersetzung, aber woher und warum?

Übersieht man die sprachlichen und bedienungstechnischen Probleme, stellt sich Soul Crystal dann jedoch als sehr solides Rätselspiel heraus. Nimmt man es als das, was es ist – d.h. eine humorvolle Schatzsuche – dann macht es schon Spaß. Nebenbei sollte man erwähnen, dass die Hintergrundmusik wirklich gelungen ist. Also ein Spiel, dass nicht nur gut geschrieben ist (in dem Sinne, dass man nicht unnötig verwirrt wird und es immer auf den Punkt kommt), sondern auch gut aussieht und klingt. In seiner Entstehungszeit alles andere als modern, aber was zählt das schon noch zwanzig Jahre später?

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