The Activision Decathlon
für Atari 2600

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Mr Creosote:
Firma: Activision
Jahr: 1983
Genre: Action, Sport
Thema: Individualsportarten / Multiplayer
Sprache: English
Lizenz: Kommerziell
Aufrufe: 8806
Rezension von Mr Creosote (06.07.2013)
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Virtueller Sport sollte auch etwas mit Körperertüchtigung zu tun haben! Nein, bei dieser Rezension dreht es sich nicht etwa um einen Wii-Titel aus modernen Tagen – die Idee ist schon viel älter. Das erste Spiel, das sich diesem Gedanken mit großem Erfolg verdient gemacht hat, ist Activisions Decathlon.

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Da kommt man gleich in olympische Stimmung!

Zugegebenermaßen ist die Art der körperlichen Betätigung dabei recht eindimensional. Anstatt eines ausgewogenen Trainings des menschlichen Körpers, wie ein echter Zehnkampf es bieten würde, reduzierte der legendäre Designer David Crane sämtliche Disziplinen auf Handanstrengung und Gelenkbelastung. Nicht unbedingt gesundheitsfördernd, weder für die Gelenke, noch die Controller der Konsole, die beide bei zu extensivem Genusses Decathlons allesamt öfters mal ausgetauscht werden mussten.

Natürlich sprechen wir von der berühmten und vielimitierten Rüttel-Steuerung: Um seinen Athleten zu Höchsteleistungen zu bringen, galt es, den Controller so schnell wie möglich hin und her zu bewegen. Was bereits bei Sprintstrecken eine gnadenlose Herausforderung ist, wird auf längeren Distanzen schnell zur auslaugenden Aufgabe. Doch immerhin bei der 1500-Meter-Strecke gibt sich das Spiel gnädig, indem es die geforderte Intensität des Rüttelns etwas zurückfährt… jedenfalls denkt man das, bis man die 1100-Meter-Marke erreicht, an der das Spiel urplötzlich wieder zum Sprinten auffordert und die Rüttelanforderungen wieder auf das bekannt hohe Maß hochschnellen lässt, nachdem man von mehreren Minuten – wenn auch weniger intensivem – Rüttelns bereits recht ausgelaugt ist. Wurf- und Sprungdisziplinen ergänzen dies noch um einen (idealerweise) gut getimten Druck auf den Feuerknopf. Den Höhepunkt der „Komplexität“ stellt der Stabhochsprung dar, der nach dem initialen Rütteln sogar zwei zeitlich abgepasste Feuerknopfaktionen erfordert: einmal Drücken zum Absprung, einmal zum Loslassen der Stange. Das war's dann allerdings auch.

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Konzentration…

Fraglos ist diese Gleichschaltung gleichzeitig die größte Stärke und Schwäche des Spiels. Alle Disziplinen werden dadurch praktisch gleich, aber andererseits kann man sie eben auch schnell alle meistern, ohne dass es unnötig kompliziert wird. Letzteres zahlt sich natürlich gerade dann aus, wenn man zu Mehreren an der Konsole sitzt: Ob nun jeder besonders viel geübt hat oder nicht, ist gar nicht so wichtig – man kann trotzdem schnell ansatzweise mithalten. Denn das ist dann ja ohnehin spannender, als immer nur wieder gegen die eigenen Rekordzeiten anzutreten. Ganz wie echten Sport sollte man auch diesen besser in netter Gesellschaft ausüben. Wobei es ehrlich gesagt noch viel mehr Spaß machen würde, wenn man direkt gegeneinander spielen könnte als sich immer nur nacheinander abzuwechseln.

Völlig losgelöst von anderen Aspekten muss man jedoch auf jeden Fall Decathlons immensen Einfluss auf das gesamte Genre eingestehen. Hierbei handelt es sich um das ursprüngliche Spiel, das das Genre über Jahrzehnte geprägt hat! Und so verdient es schonmal eine ganz tiefe Verbeugung – selbst wenn wir natürlich das Rütteln alle verflucht haben, haben wir diese Art Spiele trotzdem immer wieder und wieder angefasst. Schier tödlicher Frust und überschwengliche Freude bei (Miss-) Erfolgen lagen selten so dicht beieinander!

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