Into the Eagle's Nest
für Schneider CPC

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LostInSpace:
Firma: Pandora
Jahr: 1987
Genre: Action
Thema: Kämpfen / Krieg
Sprache: English
Lizenz: Kommerziell
Aufrufe: 1094
Rezension von LostInSpace (13.05.2023)
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Das Spiel Gauntlet dürfte in den 80er Jahren an niemanden wirklich vorüber gegangen sein, da es ein Riesenhit in den Spielhallen war und für sämtliche bekannte Homecomputer portiert wurde. Letztendlich ist Into the Eagle's Nest daher auf den ersten Blick natürlich auch nur ein weiterer Klon, der auf der Erfolgswelle des Gegner-Erschlagens aus der Vogelperspektive mitschwimmen wollte. Aber die Evolution der Computerspiele wäre ohne die Versuche, das Original noch zu übertreffen, eben nicht so vielfältig.

Kämpft man in Gauntlet also in einer Fantasiewelt voller Monster, verlagert Into the Eagle's Nest das Setting in einen ganz konkreten geschichts-historischen Moment, den ich allgemein mit Zweiter-Weltkrieg-Szenario umschreibe. Der martialische, alt-deutsche Schriftsatz des englischen Titels mitsamt den darunter abgebildeten deutschen Wehrmachtsoldaten auf der Box deutet erstmal nur an, wer der Feind ist. In den offiziellen einleitenden Worten der Anleitung wird nämlich ganz sachlich ein „feindlicher“ Kommandant einer Festung erwähnt, in dessen Hände drei Saboteure aus den eigenen Reihen gefallen sind.

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Mit der Geisel auf dem Weg zum Aufzug

Die Mission ist dennoch klar: in einer durch deutsche Truppen schwer bewachten Festung als Einzelkämpfer drei gefangene Soldaten zu befreien und das Gebäude anschließend in die Luft zu sprengen. Für den Interessierten sei erwähnt, dass man auch direkt die Burg sprengen kann, ohne die Kameraden vorher zu befreien. Dies sind dann aber verpasste Punkte auf dem Highscore.

Die Festung, die angeblich dem Kehlsteinhaus in den bayrischen Alpen nachempfunden ist, verfügt über vier Stockwerke. Zur Nutzung des Aufzugs muss in der jeweiligen Etage immer erst der Aufzugspass gefunden werden. Feinde in der Etage können niemals komplett ausgelöscht werden, da sie zeitgesteuert immer wieder neu respawnen. Ebenso wird bei Nutzung des Aufzugs die Etage komplett neu resetet.

Die in Horden auftretenden Soldaten brauchen jeweils genau zwei Schuss, von denen man maximal 99 vorrätig hat. Demnach kann man höchstens 50 Gegner erledigen, bevor irgendwo Munition zum Nachladen dringend benötigt wird. Die strategische Vorgehensweise ist dadurch weitgehend festgelegt: Man schießt sich von einem Munitionsdepot zum nächsten und nimmt dabei mit was rumliegt. Rationen oder Medipacks für die Lebensenergie, Diamanten aus Schatztruhen, wertvolle Gemälde, Vasen, Schmuck und ganz wichtig: Schlüssel, um durch bestimmte Türen zu gelangen.

Die eigentlichen Ziele – also die Geiseln – sind zufällig auf die Etagen verteilt und müssen daher meist langwierig gesucht werden. Außerdem haben sie begrenzte Lebensenergie, die den kompletten Weg zurück zum Aufzug und vom Erdgeschoss zum Ausgang ausreichen sollte.

Da ist die Sprengung der Festung schon weit besser planbar: Die Detonatoren sind in jeder Etage an einer unveränderlichen Stelle zu finden und können jeweils durch einen gezielten Schuss aktiviert werden. Dabei sollte man gut zielen, denn direkt daneben stehen Unmengen an Dynamitkisten. Nach der Aktivierung verlässt man dann die Festung ganz einfach und ohne einen Countdown.

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Bloß nicht daneben schießen!

Seinerzeit hat der Durchschnittsspieler wohl nie auch nur eine der drei Geiseln jemals befreit oder gar die Sprengung der Burg bewirkt, da der Schwierigkeitsgrad leider recht schlecht proportioniert ist. Nach meiner Einschätzung bräuchte man für eine realistischen Chance mindestens 10.000 Lebensenergiepunkte und nicht nur 99. Die Level-Maps, die damals in Zeitschriften erschienen, hatten tatsächlich an einigen Stellen weiße Flecken, bis wohin noch nie jemand vorgedrungen war. Trotz fehlendem Erfolgserlebnis auf Missionsebene konnte Into the Eagle's Nest mit seinem stupiden Geballer auf Nazi-Soldaten eine Zeitlang unterhalten und bekam recht gute Bewertungen.

Das Zweiter-Weltkrieg-Szenario ist grafisch reizvoll eingefangen und hat auch witzige Komponenten, wie die wehrlosen Offiziere an ihren Schreibtischen, die man wie eine Trophäe einfach abknallen kann.

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Hallo, Herr Offizier!

Die hier betrachtete Schneider-CPC-Version gefällt mir besonders wegen einer Abweichung gegenüber allen anderen Portierungen besser: Sie hat die Besonderheit, dass man die statistischen Werte wie Gesundheitszustand und Munition nur über den Pause-Bildschirm zu sehen bekommt. Dadurch bleibt der Blick auf den kompletten Bildschirm für das Spiel-Geschehen erhalten, der sonst dauerhaft durch einen unschönen Statusbalken auf der rechten Seite verdeckt wird.

Der Sound ist beim Schneider recht spärlich. Während des Spiels bekommt man die Schritt- und Schießgeräusche zu hören, nur im Startmenü ertönt eine flotte militärische Musik.

Heute lockt das Spiel natürlich niemanden mehr hinter dem Ofen hervor und hat eigentlich nur den nostalgischen Reiz, einmal mit dem Unverwundbarkeits-Cheat durch die Level zu stürmen und die Burg doch endlich mal in die Luft zu sprengen. Dennoch erreichte Into the Eagle's Nest eine Art geheimen Kult-Status auf dem Schneider, da das Gauntlet-Feeling in diesem speziellen Weltkriegs-Szenario einfach für Viele weitaus faszinierender war. Im Jahr 2020 erschien dann sogar eine Hommage an diesen Klassiker namens SGT. Helmet Training Day, der sich weitaus fairer spielen lässt.

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